Wirtschaft zwischen Hoffnung und Sorge

Was sorgt den Mittelstand? Klaus-Jürgen Meier von der AG City, Geschäftsfrau Nicole Urbschat und Klaus Wowereit diskutieren über Verkehrspolitik. (Foto: Schubert)
 
Die Bürgermeister Klaus Wowereit (2.v.l.) und Reinhard Naumann (2.v.r.) baten mit BMW-Niederlassungsleiter Wolfgang Büchel (l.) zum Empfang. (Foto: Schubert)

Charlottenburg-Wilmersdorf. Aufschwung in der City West - das ist der Aufschwung der Mittelständler. Vertreter aus verschiedenen Branchen diskutierten mit dem Regierenden Bürgermeister in der neuen BMW-Niederlassung.

Ja, der Campus Charlottenburg ist spitze. Ja, die TU Berlin forscht an der Technik von morgen. Aber für Sonja Jost von der Firma DexLeChem sind solch gute Nachrichten erst das Fundament für mehr: "Wir müssen den nächsten Schritt machen und wieder an die Werkbank gehen." Chemische Industrie in der City? Schallender Applaus auf 300 Rängen. Die junge Geschäftsfrau, eingeladen als Gesicht der Start up-Szene, erntet für ihren Vorstoß so viel Beifall wie kein anderer an diesem Abend. Jost macht deutlich: Startups in der City West sind nicht gleichbedeutend mit Computer-Dompteuren in Cafés. Wer Arbeitsplätze will, sollte produzieren. "Und Chemie muss nicht giftig oder gefährlich sein", stellt sie klar.

Fast ein wenig überrascht von diesem Ehrgeiz, hört Klaus Wowereit zu, pflichtet dann bei: "Das ist der Traum, den wir alle haben." An diesem Abend, zum 10. Jubiläum der Mittelstandsgespräche in der City West bei BMW am Kaiserdamm, erfährt der Regierende Bürgermeister Zustimmung, Kritik und Anregendes im Wechsel.

Kurz vor seinem Ausscheiden findet Wowereit zurück zu spritzigen Kontern, packt den verlorenen Volksentscheid und das Aufbegehren von Kleingärtnern der Kolonie Oeynhausen gegen Wohnbebauung in gelassene Worte. Eine breite, schweigende Mehrheit wähnt er auf seiner Seite. Bemerkt würden aber die kämpferischen Freiflächen-Wahrer. Er selbst blicke aus seinem Wohnhaus in Wilmersdorf neuerdings auf die weiße Wand eines Neubaus. "Das ist halt Stadt", kommentiert der Regierende diese bauliche Leistung.

Wie wichtig es ist, im Kiez zu kaufen, um den Mittelstand zu unterstützen, stellt Dilhan Görgün heraus. Das weiß er als Inhaber von vier Unternehmen aus erster Hand. Als seinen bevorzugten Ort zum Einkaufen nennt Wowereit den Kurfürstendamm, lieber noch die Westfälische Straße. Bei so viel Kiezkultur passt die Wolkenkratzer-Vision der AG City für ihn nicht ins Bild. "Ich finde es merkwürdig, wenn man weder das Grundstück noch einen Investor hat."

Klaus-Jürgen Meier, als Vorstandsvorsitzender der AG City Sprecher eines 370 Mitglieder starken Zusammenschlusses, beharrt darauf, dass eine Bebauung am Hardenbergplatz zumindest geprüft werden muss: "Alle Anrainer finden den Entwurf toll."

Auch in der Verkehrspolitik gehen Meier und Nicole Urbschat vom bekannten Fotostudio am Ku’damm auf Konfrontationskurs und tadeln den Parkplatzschwund unter der rot-grünen Zählgemeinschaft. "Deutschland lebt vom Autobau. Und wir verzichten darauf am Prachtboulevard aus Schöngeisterei", protestiert die Unternehmerin.

Hier schaltet sich Bürgermeister Reinhard Naumann (SPD) ein und verweist auf vorhandene Parkhäuser, die von einer Auslastung weit entfernt sind. Als Gastgeber der Mittelstandsgespräche blickt Naumann auf eine breit aufgestellte Szene. 26 500 Unternehmen gebe es in der City West - gerechnet auf die Zahl der Einwohner eine Spitzenquote. Und vielleicht das Fundament für noch mehr.


Thomas Schubert / tsc
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