Zahl der Tierversuche steigt in der Hauptstadt stetig an

Berlin. Berlin ist ein attraktiver Standort für medizinische Forschungsfirmen. Doch mit der Zahl der Labore steigt auch die Zahl der Tierversuche. Viele sind nach Ansicht des Bündnisses Tierschutzpolitik Berlin nicht nötig. Es fordert eine Gesetzesänderung.

Über drei Millionen Tiere landen in Deutschland pro Jahr im Versuchslabor. In Berlin waren es 2012 mehr als 430 000 Mäuse, Ratten, Affen, Schweine und andere Tiere. Und es werden mehr. "Der Standort hat an Auftrieb gewonnen", sagt Bert Kormann, Sprecher des Landesamts für Gesundheit und Soziales, das die Versuche genehmigen muss. Eine Expertenkommission beurteilt die Anträge der Forschungsfirmen. Neben vielen rein formalen Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, bewertet sie auch die ethische Vertretbarkeit der geplanten Versuche, zu denen die Firmen eine ausführliche Begründung schreiben müssen. "Das ist ein sehr komplexes Verfahren", so Kormann.

Bündnis Tierschutzpolitik, Tierschutzverein und Deutscher Tierschutzbund kritisieren dennoch, dass keine ausreichende Prüfung der ethischen Vertretbarkeit stattfindet. Die ist in Deutschland noch immer nicht gesetzlich vorgeschrieben - obwohl die EU bereits im Jahr 2010 von den Mitgliedstaaten gefordert hat, entsprechende Regelungen zu erlassen.

Am 26. April gab es deshalb in Berlin eine Großdemo gegen Tierversuche. "Eine Prüfung der ethischen Vertretbarkeit muss ins Gesetz", sagt Brigitte Jenner vom Bündnis Tierschutzpolitik. Im Fokus ihrer Forderungen steht zudem, dass Alternativmethoden mehr genutzt und besser erforscht werden müssen. "Alternativen werden kaum berücksichtigt und zu wenig gefördert", kritisiert Jenner. Sie befürchtet, dass die Zahl der Tierversuche bald stark steigen wird, da die Genforschung immer mehr zunimmt.


Jana Tashina Wörrle / jtw
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