Ein junger Dahlemer hat seinen Traum zum Beruf gemacht

Für den Traumberuf büffelte Robert knapp drei Jahre. (Foto: pv)

Dahlem. Eine ruhige Wohnstraße in Dahlem. Die Wohnungstür öffnet mit strahlendem Lächeln ein groß gewachsener, junger Mann von kräftiger Statur. Robert Arnold trägt ein T-Shirt, kurze Hosen und Mokassins. Heute hat er frei. Morgen aber heißt es um vier Uhr raus aus Bett. Wenn Robert dann sein weißes Hemd mit den Streifen auf der Schulter anzieht, sieht er geradezu respektheischend aus. Es beginnt ein Arbeitstag, der erst in den Abendstunden enden wird. Der 27-Jährige ist Berufspilot einer deutschen Airline.

Robert hat seinen Traum verwirklichen können. Der Weg ins Cockpit einer großen Passsagiermaschine war lang und oftmals steinig. Aber der gebürtige Heidelberger sagt: "Für mich gab es nie etwas anderes als das Fliegen."Begonnen aber hat alles auf dem Boden. Gemeinsam mit seinem Vater hat Robert Fahrradtouren unternommen, die regelmäßig am örtlichen Segelflugplatz vorbeiführten. "Als achtjähriger kleiner Kerl ging es dann so richtig los." Robert sammelte alles, was mit Flugzeugen zusammenhing: Poster, Fotos, Fachzeitschriften. Er guckte Fernsehreportagen zum Thema. Auf jedem Urlaubsflug mit den Eltern ging Robert ins Cockpit und löcherte die Piloten mit Fragen. "Damals vor dem 11. September durfte man das noch." Als die ersten Flugsimulatoren auf den Markt gekommen seien, bekam er einen geschenkt. "Ich habe Stunden vor diesem Ding verbracht und die Handbücher studiert, die mitgeliefert wurden", erinnert sich Robert Arnold. Andere gehen in den Fußballverein. Robert wurde Mitglied im Segelflugclub seiner Heimatstadt. Die Fluglehrer staunten über sein vorhandenes Wissen. Als der damals 16-Jährige eines Tages mit einem Vereinsmitglied, Lufthansa-Pilot und Airbus-Ausbilder, nach Bremen zur Verkehrsfliegerschule reisen durfte, stand für ihn fest: Das will ich auch machen.

Doch vor dem jungen Wahl-Berliner lagen noch etliche Etappen. Nach dem Realschulabschluss begann er mit einer Lehre als Industriemechaniker, die ihm bald nicht mehr zusagte. Er holte an einem technischen Gymnasium das Abitur nach. "Ohne Abitur kann man heute nicht Berufspilot werden", sagt Robert.

Mit dem Reifezeugnis in der Tasche bewarb er sich bei der Lufhansa - vergebens. Blieb nur noch eine private Flugschule. Und die ist teuer. Für die ein- bis höchstens dreijährige Ausbildung müssen bis zu 80 000 Euro auf den Tisch gelegt werden. Robert verlor sein Ziel nicht aus den Augen. Seine Eltern gaben einen Zuschuss. Aber der Dahlemer arbeitete zusätzlich als Rettungssanitäter. Mit seinem Chef vereinbarte er Nacht- und Wochenenddienste, um tagsüber die Flugschule besuchen zu können. "Das war alles sehr hart, hat aber auch Spaß gemacht."

Die Arbeit im Rettungsdienst war für Robert sehr hilfreich. "In der Fliegerei kann man in eine brenzlige Situation kommen, in der man einen kühlen Kopf bewahren und überlegen muss, welche Prioritäten man setzt, um den Vogel sicher auf den Boden zu bringen."

Nach sechs Monaten Büffelei wird Robert in 14 Theorie-Fächern geprüft. An drei Tagen beim Luftfahrtbundesamt in Braunschweig müssen die Kandidaten zeigen, was sie unter anderem über Luftrecht, Wetter-, Navigations- und Flugzeugkunde, Aerodynamik, Flugplanung, Psychologie und Funktheorie wissen. Danach geht es an den Steuerknüppel einer einmotorigen Maschine. "Die Technik gegenüber einem großen Flugzeug ist dieselbe. Es gibt Flügel, Ruder und den Motor", erklärt Robert. Erst werden Platzrunden geflogen, später 100-Kilometer-Strecken. Hier lernt er navigieren, funken, das Wetter beobachten und den Geradeausflug.

Der Lern- und Prüfungsmarathon geht weiter: neuerliche theoretische Prüfung, eine zweistündige Flugprüfung, "wie für den Führerschein", spaßt Robert, Instrumentenflug am Simulator, Starts und Landungen auf großen Verkehrsflughäfen, Fliegen mit einer zweimotorigen Maschine, noch eine praktische Prüfung. "Dann gab es den Handschlag." Mit Robert erhalten in diesem Jahrgang sieben von 15 Flugschülern den Berufspilotenschein.

Was nur wenige wissen dürften: Seit zwei Jahren haben die in- und ausländischen Fluggesellschaften nur wenig Bedarf an jungen Piloten. Robert schreibt 80 Bewerbungen an Airlines europaweit. "Ein Jahr lang war ich ’raus aus der Fliegerei". Er sitzt wieder im Rettungssanitätswagen.

Schließlich hat er Glück und findet einen deutschen Arbeitgeber. "In der Fliegerei muss man sehr flexibel sein. Man kann auch in Dänemark oder in der Schweiz stationiert werden." Für Robert ist es Berlin. Seit Juni 2012 wohnt er in der Hauptstadt und hat autobahnnah eine Wohnung im Zehlendorfer Ortsteil gefunden. "Ich muss schnell am Flughafen Tegel oder irgendwann einmal am neuen Hauptstadtflughafen sein."


Karen Noetzel / KEN
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