US-Pilot Gail S. Halvorsen kam zur Taufe der 9. ISS

Luftbrückenpilot Gail S. Halvorsen war Hauptfigur bei der Taufe 9. ISS in Dahlem nach ihm. (Foto: M. Schmidt)

Dahlem. Die Umbenennung der früheren 9. Integrierten Sekundarschule (ISS) wurde am Sonnabend, 15. Juni, zu einem Deutsch-Amerikanischen Volksfest. Namenspate Gail S. Halvorsen war 8400 Kilometer aus Utah gekommen und enthüllte selbst das neue Schild am Schulgebäude.

So prachtvoll wie das Wetter war auch die Stimmung. Mit einem großen Fest schlug die "9. ISS" ein neues Kapitel ihrer Schulgeschichte auf. Eine freudige Spannung liegt über dem Platz vor der Schule unweit der Königin-Luise-Straße. Als Gail S. Halvorsen gegen 10 Uhr mit Sohn und Töchtern aus einem alten Hanomag steigt, wird er wie ein Pop-Star empfangen - mit Beifallstürmen und Gedränge. Nicht allen gelingt es, ihre Blumen zu überreichen. Nur mit Mühe bahnt Elternvertreter Michael Notbohm dem früheren Flieger-Oberst einen Weg durch die Menge begeisterter Schüler zu seinem Ehrenplatz in der ersten Reihe. Der 92-Jährige versprüht jugendlichen Charme und genießt die Begeisterung für seine Person.Schulleiterin Edelgard Ehrhardt sieht man die Freude an. Monatelang habe die Schule auf diesen "aufregenden Tag" hingearbeitet. Sie dankt Halvorsen "für die Freiheit, die Sie uns brachten." Hunderte waren "Im Gehege" versammelt, darunter manche, die den US-Streitkräften bis 1994 gedient hatten oder das Gedächtnis an die Luftbrücke wachhalten.

An einen erinnert US-Gesandter James D. Melville, der nach der Begrüßung durch die Schulleitung das Wort ergreift. Der US-Vertreter ehrt Heinz-Gerd Reese als "wahren Botschafter deutsch-amerikanischer" Freundschaft mit einer Medaille des State Department. Melville betont die lange Verbundenheit seines Landes mit den Berlinern, die in der Zeit der Blockade 1948/49 begann. Der 63-Jährige Reese kümmert sich seit 30 Jahren in der Stiftung "Luftbrückendank" um Ausstellungen und Begegnungen von Berlinern.

Auch Bürgermeister Norbert Kopp (CDU) und Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) verweisen auf amerikanische Spuren im Südwesten Berlins. Schließlich ergreift Halvorsen das Wort, beginnt zunächst auf Deutsch und fährt dann auf Englisch fort. Von der Kraft der Ideen spricht er und dankt Mercedes Wild. Die Siebenjährige hatte 1948 mit einem Brief an Halvorsen zur Aktion "Little vittles" (Naschereien) angeregt. "Ich bin hier wegen der 30 Kinder, die ich vor 65 Jahren vorm Zaun am Flugplatz Tempelhof traf."

"Die Kinder damals wollten weder den Alptraum von Hitlers Vergangenheit noch von Stalins Zukunft, sie hatten Träume einer Zukunft in Freiheit. ,Lasst uns nicht im Stich’, sagten sie mir." Er erinnerte zudem an die 72 Piloten, die bei der "Operation Air Lift" zu Tode kamen. "Arbeitet an Eurer Bildung und geht dann in die Welt, um Euch für andere einzusetzen", sagt Halvorsen schließlich. "Passt gut auf diese Schule auf! Ich werde wiederkommen und nachsehen, ob alles funktioniert."

Sechseinhalb Stunden schüttelt Halvorsen Hände, gibt Autogramme und lässt sich fotografieren. Am Ende nennt er den Tag "ein Highlight in meinem Leben." Das werden die "Gail-Halvorsen"-Schulkinder wohl auch mal sagen können.



Tag der Freude - Tag der Schande

Ein Kommentar von Martinus Schmidt



Für die einen war es ein Glückstag, ein Freuden- und Ehrentag. Nicht nur die Schüler der neuen Gail S. Halvorsen-Schule empfanden den vergangenen Sonnabend (15. Juni) als "Day of Joy", ein rundum gelungenes Wochenende, das allen unvergesslich bleiben wird. So ging es auch der Hauptperson am Tag, da die "Neunte Integrierte Sekundarschule" seinen Namen erhielt. Gail S. Halvorsen stand das anstrengende Fest mit soldatischer Standhaftigkeit und jugendlicher Lebensfreude durch.

Im vertrauten Gespräch spricht er vom "leuchtenden Beispiel" Berlins und sagt, dass er täglich an die bei der Operation "Air Lift" verunglückten Kameraden denke, zwei davon seine Freunde. Seine Worte rührten an und ermunterten uns alle zur Verantwortung und Wertschätzung der Freiheit.

Ein Tag der Schande war der Sonnabend für die "Berliner Abendschau". Dem Rundfunk Berlin-Brandenburg war am 15. Juni dieses bedeutende Ereignis, das an Berliner Blockade erinnerte und die deutsch-amerikanische Freundschaft symbolisierte, keinen Beitrag wert, keinen Kurzfilm, nicht einmal eine Meldung.

Die gebührenfinanzierte Anstalt legt gern Wert auf seine Unabhängigkeit. Das soll sie tun. Aber wenn die Redaktion der "Abendschau" Ereignisse dieses Kalibers übergeht, stellt sie sich ein trauriges Zeugnis professioneller Inkompetenz aus. Eine "Goldene Schlafmütze" wäre der angemessene Preis dafür.


Martinus Schmidt / mst
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