Anwohner wehren sich gegen den Bau eines Rugby-Stadions

Versuch einer Annäherung. Bezirksamt und Anwohner trafen sich zum Gespräch auf dem geplanten zukünftigen Rugbyspielfeld. (Foto: sabka)

Dahlem. "Wer will schon gerne neben einem Rugbyplatz mit täglichem Trainingsbetrieb bis in die späten Abendstunden und Bundesligawettkämpfen an mindestens jedem zweiten Wochenende mit mehreren Hundert Zuschauern und der damit verbundenen Lärmentwicklung leben und wohnen? Und das dann noch in einem denkmalgeschützten Bereich", fragt Birgit Havenstein.

Cerstin Richter-Kotowski (CDU) zumindest will hier nicht wohnen. Die Stadträtin für Bildung und Sport sieht aber tatsächlich den Sportplatz der Wilma-Rudolph-Oberschule, Am Hegewinkel 2a, als alternativlose neue Heimstätte für den Berliner Rugby Club (BRC).

Auch nachdem die erste Informationsveranstaltung Anfang Mai auf Grund aufgeregter Bürger fast eskalierte. Das Thema stand auf der öffentlichen Sitzung des Sportausschusses am Dienstag, 26. Mai, erneut auf der Tagesordnung.

Bisher trainiert der BRC - mittlerweile rund zehn Jahre - seine Jugendmannschaften auf dem Sportplatz, lässt dort Mitgliederversammlungen und Feiern stattfinden. Als Austragungsort für Bundesligaspiele wäre der Schulsportplatz nicht vorgesehen. Vorgesehen ist jedoch der komplette Umbau der derzeitigen Fläche.

Neu hinzu kämen nach der aktuellen Planung eine Tribüne, Umkleidekabinen und ein Gastronomiebereich. Dann würde der gesamte Spiel- und Trainingsbetrieb inklusive der Herrenmannschaften auf dem neu zu schaffenden Trainingsfeld stattfinden. Dafür wäre der Platz nachmittags durch die Jugendmannschaften und zweimal wöchentlich durch die Herren belegt.

Hinzu kämen hin und wieder Spiele am Wochenende. Nach Angaben des Präsidenten des Sportvereins, Mark Temme, würden die meisten Spiele von nicht mehr als 50 bis 100 Zuschauer verfolgt und auch nicht in den Sommer- und Wintermonaten stattfinden. Begegnungen mit größeren Zuschauerzahlen könnten auf dem Platz am Olympiastadion ausgetragen werden. Einen möglichen Konflikt mit dem Schulsport könne er nicht erkennen. Stattdessen sprach Mark Tenne auf der öffentlichen Sitzung des Sportausschusses von den Vorteilen der Betreuung des Platzes durch den Verein.

Wenn alles gar nicht so dramatisch wie befürchtet ist, warum regt sich dann massiver Protest bei den Anwohnern? "Wir glauben, dass die Politik uns etwas verschweigt", erklärt Jörg Beilharz.

Die Anwohner hatten die Sachtlebenstraße als alternativen Stadion-Standort ins Spiel gebracht. Den Vorschlag hatte das Bezirksamt abgelehnt. Softball, Rugby und Basketball könnten nicht auf einem Platz stattfinden. Auch könne dort keine wettbewerbsfähige Arena entstehen. Zudem hieß es, dass der Grund und Boden in der Sachtlebenstraße kontaminiert sei.

Dies hat Friedrich-W. Groefke überprüfen lassen. Der Anwohner setzt sich für den Standort an der Sachtlebenstraße ein. Er hat einen Vermesser beauftragt, der bestätigte, dass an der Sachtlebenstraße ein Rugbyfeld sehr wohl gebaut werden könne. Und laut Auskunft der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt ist der Umbau des Sportplatzes auch hinsichtlich der Kontamination "unbedenklich".

BRC-Präsident Mark Temme kann sich sowohl den Platz in der Sachtlebenstraße als auch den Sportplatz der Oberschule Am Hegewinkel vorstellen. Von Cerstin Richter-Kotowski ist auf der öffentlichen Sitzung zu hören, dass sich das gesamte Projekt in der Prüfung befände und mit dem Bauantrag wieder zur Diskussion gestellt wird.

Auch Friedrich-W. Groefke schlägt vor: "Warten wir doch mal ab, bis die Pläne vorliegen."


Sabine Kalkus / sabka
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