Noch tausende asbestbelastete landeseigene Wohnungen in Spandau

Allein 5.767 Spandauer Wohnungen bei Gewobag und degewo unter Asbest-Verdacht

Gesundheitsgefahr durch eingeatmete Asbestfasern

Asbest ist ein eindeutig krebserregender Stoff. Charakteristisch für Asbest ist seine Eigenschaft, sich in feine Fasern zu zerteilen, die sich der Länge nach weiter aufspalten und dadurch leicht eingeatmet werden können. Die eingeatmeten Fasern können langfristig in der Lunge verbleiben und das Gewebe reizen. Die Asbestose, d. h. die Lungenverhärtung durch dabei entstehendes Narbengewebe, wurde bereits 1936 als Berufskrankheit anerkannt. Heute ist anerkannt, dass bei hoher Freisetzungswahrscheinlichkeit von Asbestfasern durch die Reizwirkung in der Lunge oder das Wandern der Fasern zum Brust- und Bauchfell Lungenkrebs bzw. ein Mesotheliom (Tumor des Lungen- oder Bauchfells) entstehen kann.

Asbestwohnungen in Spandau

In Spandau sind 5.500 Wohnungen bei der Gewobag Wohnungsbau-Aktiengesellschaft Berlin und 267 Wohnungen bei der degewo AG asbestbelastet. Hinzu kommen 270 Apartmentmieteinheiten bei der Berlinovo Immobilien Gesellschaft mbH. Die WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH teilte mit, dass bei ihr noch 865 asbestbelastete Wohnungen existierten und diese in den Bezirken Spandau und Kreuzberg lägen. Genaue Zahlen für Spandau benannte die WBM nicht.

Diese Zahlen teilte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen am 01.02.2018 auf eine schriftliche Anfrage des Grünen-Abgeordneten Andreas Otto vom 12.01.2018 mit (Drucksache 18/13 125).

Asbestwohnungen in Berlin

In der gesamten Stadt sind 41.585 landeseigene Wohnungen asbestbelastet, davon allein 19.711 bei der degewo AG und 17.100 bei der Gewobag. Am stärksten sind die Bezirke Neukölln (8.305), Schöneberg-Tempelhof (8.087) und Spandau (5.767) betroffen.

Hinzu kommen 2.407 Apartmentmieteinheiten bei der Berlinovo.

Bereits asbestsanierte Wohnungen

In den Jahren 2016 und 2017 sind 6.840 asbestbelastete Wohnungen saniert worden, davon die meisten bei der Gewobag (3.993) und der degewo (1.250).

Spandauer Vorreiterrolle

Spandau war auf In­i­ti­a­ti­ve des damaligen Fraktionsvorsitzenden der PIRATEN, Emilio Paolini, der erste Berliner Bezirk, der vom Berliner Senat eine Sanierung asbestbelasteter Wohnungen forderte. Die BVV Spandau beschloss auf ihrer Sitzung am 20.04.2016, dass das Bezirksamt Spandau aufgefordert wird, sich bei den zuständigen Berliner Stellen und insbesondere dem Senat von Berlin dafür einzusetzen, dass eine gesetzliche Grundlage geschaffen wird für die städtischen Wohnungsbaugesellschaften, die in ihrem Eigentum stehenden Spandauer Wohnungen zu sanieren, die unter Verwendung von asbesthaltigem Baumaterial erstellt wurden (http://www.berlin.de/ba-spandau/politik-und-verwal...).

Berliner Asbestregister sowie zentrale Auskunfts- und Beratungsstelle auf Landesebene sollen kommen

Die Koalitionsfraktionen von SPD, DIE LINKE und Bündnis90/Die Grünen haben am 15.12.2017 ihren Antrag „Gesund und asbestfrei wohnen in Berlin" (Drucksache 18/0722) in das Abgeordnetenhaus von Berlin eingebracht.

Erarbeitung einer Strategie zum asbestfreien Wohnen

Das Abgeordnetenhaus von Berlin soll beschließen, dass der Senat aufgefordert wird, eine Strategie „Gesund und asbestfrei wohnen in Berlin" zu erarbeiten. Die Strategie soll insbesondere folgende Schwerpunkte haben:

Zusammenstellung der Typen von asbestbelasteten Gebäuden

Zusammenstellung der Typen von asbestbelasteten Gebäuden und baulichen Anlagen bzw. von typischen Bau- und Sanierungstechnologien, bei denen Asbest zum Einsatz kam.

Berliner Asbestregister

Schrittweise Erfassung von Gebäuden, die Asbestbauteile enthalten bzw. enthalten haben. Ziel ist der Aufbau eines öffentlich einsehbaren Registers (Asbestregister). Dabei sind die rechtlichen Grundlagen für eine Aufnahme aller belasteten Gebäude zu prüfen und soweit erforderlich zu schaffen.

Typologische Sanierungsstrategien

Erarbeitung von typologischen Sanierungsstrategien zur Beseitigung von Asbestbauteilen und -belastungen und Schaffung entsprechender Beratungsangebote für alle Eigentümer.

Zentrale Auskunfts- und Beratungsstelle

Schaffung einer zentralen Auskunfts- und Beratungsstelle Asbest auf Landesebene, an die sich Bürgerinnen und Bürger sowie Eigentümerinnen und Eigentümer zu allen Fragen zum Thema Asbest wenden können. Die Stelle soll auch Anzeigen zu unsachgemäßem Umgang mit asbestbelasteten Baustoffen im Zuge von Sanierungsarbeiten entgegen nehmen.

AMV begrüßt Antrag „Gesund und asbestfrei wohnen in Berlin"

Der AMV - Alternativer Mieter- und Verbraucherschutzbund e. V., der bereits seit längerem ein Berliner Asbestregister fordert und sich für eine umfassende Sanierung aller Wohngebäude einsetzt, die asbesthaltige Bauteile enthalten, begrüßt den Antrag „Gesund und asbestfrei wohnen in Berlin" ausdrücklich.

Bedenkt man, dass die Gesundheit das höchste Gut des Menschen ist, so war es längst überfällig, dass das Abgeordnetenhaus sich mit der Zusammenstellung der Typen von asbestbelasteten Gebäuden, mit dem Aufbau eines Berliner Asbestregisters, der Erarbeitung von Sanierungsstrategien zur Beseitigung von Asbestbauteilen sowie der Schaffung einer zentralen Auskunfts- und Beratungsstelle auf Landesebene beschäftigt.

Bei geschätzt mindestens 100.00 Wohnungen mit Fußbodenplatten aus asbesthaltigem Baustoff in Berlin muss es als bereits unverantwortlich und grob fahrlässig bezeichnet werden, dass dem Senat bisher keinerlei Erkenntnisse bezüglich privater Vermieter vorliegen.

Bereits eine einzige eingeatmete Faser kann zu einer Asbestose sowie zu Lungenkrebs bzw. einem Mesotheliom (Tumor des Lungen- oder Bauchfells) führen. Es ist im Gesundheitsinteresse der Berliner Mieterinnen und Mieter zu hoffen, dass der nunmehr auf den Weg gebrachte Antrag im Abgeordnetenhaus Erfolg haben wird und die zu beschließenden Maßnahmen danach vom Senat zügig umgesetzt werden.

Dank für unermüdlichen Einsatz

Der AMV dankt ausdrücklich dem Grünen-Politiker Andreas Otto, der sich seit Jahren unermüdlich gegen Asbest in Berliner Wohnungen einsetzt, sowie Emilio Paolini, der als erster Bezirkspolitiker einen entsprechenden Antrag für eine Asbstsanierung in eine BVV eingebracht hat.
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