„Vernachlässigt und verdreckt“: Anwohner protestieren gegen die Deutsche Wohnen

In der Großsiedlung rund um die Westerwaldstraße gibt es aktuell massive Mieterproteste gegen die Verwaltungspraxis der Deutsche Wohnen. (Foto: Berit Müller)
 
Gut gefüllt war der Veranstaltungssaal im Clubhaus am 26. Januar bei der zweiten Kiezversammlung zum Thema Ärger mit der Deutsche Wohnen. (Foto: Berit Müller)

Falkenhagener Feld. Heizungsausfall, verdreckte Hausflure, freche Antworten bei Mängelanzeigen, dilettantische Reparaturen: Unter den Mietern der GSW-Großsiedlung im Falkenhagener Feld herrscht erheblicher Unmut über die Verwaltungspraxis der Deutsche Wohnen. Sie protestieren mit Unterschriften.

Rund 120 Anwohner kamen am 26. Januar zur zweiten Kiezversammlung des Alternativen Mieter- und Verbraucherschutzbundes (AMV) ins Clubhaus in der Westerwaldstraße 13. Nach einem Treffen im November hatte der Verein die Mieter der Deutsche Wohnen erneut eingeladen, um über den Status Quo zu sprechen und weitere Schritte zu beraten. Denn für den AMV steht fest: Die Zustände sind unhaltbar. „Wir haben nicht den Eindruck, dass sich inzwischen irgendetwas verbessert hat“, sagte der Vorsitzende Uwe Piper. „Deshalb heißt es: Weitermachen. Wir werden uns Gehör verschaffen.“

Zum Hintergrund: 2014 wurde die GSW Immobilien AG – quasi Namensgeber der Großsiedlung im Falkenhagener Feld mit rund 3200 Mietern – Teil der Deutsche Wohnen-Gruppe, einem der größten privaten Wohnungsunternehmen landesweit. Seit dem Zusammenschluss häufen sich die Mieterklagen. Sowohl, was die Instandhaltung, als auch den Service der Verwaltung betrifft. „Den Leuten fehlen direkte Ansprechpartner, und wählen sie die Nummer des Callcenters, hängen sie bis zu einer halben Stunde in der Warteschleife“, so Marcel Eupen, Pressesprecher des AMV. Noch massiver seien die Beschwerden über gravierende Mängel in den Häusern und Wohnungen.

Die vielen Missstände kamen auch bei der zweiten Kiezversammlung zur Sprache. Von tagelangem Heizungsausfall im tiefsten Winter berichteten die einen. Von schmutzigen Treppenhäusern, Löchern im Fußboden, kaputten Fenstern und Klingeln, Schimmel oder schlafraubenden Klopfgeräuschen in den Rohren die anderen. Reparaturen würden, falls überhaupt, höchst unprofessionell erfolgen, hieß es. Vernachlässigt und verdreckt sei die ganze Wohnanlage, schimpfte eine Anwohnerin.

Der AMV setzt nun auf Initiative, um das Wohnungsunternehmen nicht nur zum vernünftigen Umgang mit seinen Mietern, sondern auch zur Pflege seines Immobilienbestands zu bewegen. Schon in der November-Zusammenkunft hatte er eine Unterschriftenaktion gestartet – 204 Signaturen standen am 26. Januar auf den Listen. Die will der Verein gemeinsam mit einer Gruppe von Anwohnern direkt in der Geschäftsstelle der Deutsche Wohnen abliefern. Sollte das nichts bewirken, will der AMV die politischen Gremien einschalten. „Wir haben seitens der SPD das Signal bekommen, dass eine Anhörung des Unternehmens im Stadtentwicklungsausschuss des Abgeordnetenhauses möglich ist“, berichtete Marcel Eupen.

Der Adressat aller Kritik glänzte auf der Kiezversammlung im Clubhaus allerdings durch Abwesenheit. Schon die Einladung zum ersten Treffen hatte die Deutsche Wohnen mit einem Schreiben ausgeschlagen: „Wir bitten um Verständnis, dass wir von einer Teilnahme absehen möchten. Wir pflegen eine eigenständige und anlassbezogene Kommunikation mit unseren Mietern, woran wir auch festhalten möchten.“ Eine ähnliche Antwort bekam das Spandauer Volksblatt auf seine Nachfrage. Das Unternehmen erhalte zahlreiche Einladungen zu Veranstaltungen, teilte Sprecher Marko Rosteck mit, es nutze die Zeit aber lieber für den direkten Kontakt zu den einzelnen Mietern.

Der AMV-Vorsitzende Uwe Piper hofft indes auf ein Umdenken des Firmenvorstands. „Das Unternehmen ist eine Aktiengesellschaft, die in diesem Jahr einen Rekordgewinn in Milliardenhöhe eingefahren hat. Aber Negativschlagzeilen gefallen Aktionären in der Regel auch nicht.“

Kontakt zum AMV gibt es im Bürgerbüro Falkenhagener Feld in der Westerwaldstraße 9A unter  68 83 74 92 sowie zu den Sprechzeiten: montags in der Zeit von 18 bis 19 Uhr, mittwochs von 10.30 bis 12 Uhr, freitags von 18 bis 19.30 Uhr und sonnabends von 10 bis 12 Uhr. bm
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