Die als "Nazi-Jägerin" bekannte Beate Klarsfeld spricht über die Lehren der Geschichte

Beate Klarsfeld verpasste 1968 dem damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger eine Ohrfeige. Sie wollte damit auf seine einstige Mitgliedschaft der NSDAP aufmerksam machen. Das ist ihr gelungen. Weltweit sprachen die Medien über ihre Aktion. (Foto: Wrobel)
 
Beate Klarsfeld (links) und Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch (Linkspartei) sprachen mit den Gymnasiasten des Herder-Gymnasiums über Klarsfelds Suche nach Nazi-Verbrechern. Der Dialog soll zur Aufklärung beitragen. (Foto: Wrobel)

Fennpfuhl. Zusammen mit ihrem Ehemann widmete Beate Klarsfeld ihr Leben der Suche nach untergetauchten Nazi-Verbrechern. Heute ist sie Unesco-Sonderbeauftragte. Sie sprach mit den Schülern des Herder-Gymnasiums über die Lehren der Geschichte.

Es war ein Moment, der sie weltberühmt machte: "Ich wußte, ich hatte nur diesen Augenblick." Sie saß 1968 auf einem CDU-Parteitag, heftete ihren Blick auf die Uhr, setzte sich auf dem Ziffernblatt eine Zielmarke. Als der Zeiger diese überschritt, ging sie los. Die Ohrfeige, die sie dem damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger verpasste, ging in den Medien um die ganze Welt.

Beate Klarsfeld war damals 29 und hatte ganz bewusst mit dieser Aktion auf die frühere Mitgliedschaft des Bundeskanzlers in der NSDAP aufmerksam machen wollen. Das Aufrütteln der damaligen Gesellschaft, es geschah zäh: "Es gab noch so viele Nazis in führenden Positionen", erinnert sie sich. Sie selbst wurde damals zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt, die in eine Bewährungsstrafe umgewandelt wurde. Die Ohrfeige blieb nicht die einzige Aktion der Deutschen, mit der sie zusammen mit ihrem französischen Ehemann Serge – dem Sohn eines von Deutschen ermordeten Juden – auf die nationalsozialistische Vergangenheit aufmerksam machte.

Noch heute bemüht sich die 77-Jährige um Aufklärung und Erinnerung. Mit den Schülern der 11. Jahrgangsstufe des Johann-Grottfried-Herder-Gymnasiums aus der Franz-Jacob-Straße 8 sprach Beate Klarsfeld am 9. Mai über ihre Motivation, über die Schwierigkeiten der teilweise illegalen Aktionen und über die Anerkennung mit dem Bundesverdienstkreuz im vergangenen Jahr.

"Wir wollen uns über die Demokratie unterhalten und fragen, wie weit die Verantwortung eines Einzelnen gehen kann." Mit dieser Frage schob Schulleiter Martin Wagner die Diskussion an. Das Aufeinandertreffen der Schüler mit der als "Nazi-Jägerin" bekannt gewordenen Aktivistin hatte dabei die Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch (Linkspartei) ermöglicht. Die Partei Die Linke hatte 2012 Beate Klarsfeld als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten vorgeschlagen. Heute sind Beate und Serge Klarsfeld als Unesco-Sonderbeauftragte auch in Schulen unterwegs und klären über den Holocaust auf.

Hass in den Köpfen

Die Schüler des Johann-Gottfried-Herder-Gymnasiums nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen: Ob sich Beate Klarsfeld mit der Auszeichnung des Bundesverdienstkreuzes geehrt fühle, und ob sie ihre Ohrfeige jemals bereut hätte. "Ja, sicher fühle ich mich geehrt", so Klarsfeld. Und nein, bereut hätte sie ihr Tun nie – obwohl sie oftmals ihr Leben aufs Spiel setzte. Nicht zuletzt wies sie die Schüler auch auf die in Frankreich und Deutschland wieder verstärkt wirkende politische Rechte hin – und bezeichnete es als "Hass in den Köpfen."

Die Herder-Gymnasiasten wollen auch in diesem Jahr mit einer Aktion "Gegen das Vergessen" Themen wie Diskriminierung, Manipulation und Ausgrenzung stärker bewusst machen. Für den September diesen Jahres bereiten sie aktuell literarische Texte vor, aus denen gelesen wird. KW
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