Trubel, Tumulte und Diskussionen: Die Lange Nacht der Politik lockte viele Bürger ins Rathaus

Karlshorster unter sich (v.l.): Anwohner Eberhard Schmidt im Gespräch mit dem Berliner Innensenator Andreas Geisel (SPD). (Foto: Wrobel)
 
Susanne Wolf-Mulac im Gespräch mit dem Grünen Bezirksverordneten Robert Pohle. Foto: Wrobel (Foto: Wrobel)
Berlin: Rathaus Lichtenberg |

Lichtenberg. Die Feuershow vor dem Rathaus in der Möllendorffstraße 6 bildete den Auftakt für die Lange Nacht der Politik, in der Bürger mit Politikern mitunter hitzig debattierten.

So viel Trubel auf allen Etagen gibt es im Rathaus Lichtenberg nur ein Mal im Jahr. Am 3. März lud das Bezirksamt zur "Langen Nacht der Politik". Politische Vertreter und die Verwaltung gaben einen Einblick in ihre Arbeit. Selbst die Feuershow und unterhaltsame Musikeinlagen konnten der Politik kaum die Show stehlen. Das Interesse der Bürger war groß. Sie nutzten die Chance, mit Lokalpolitikern ins Gespräch zu kommen. So erfuhren vor allem die Fraktionen der Bezirksverordnetenversammlung regen Zulauf.

Über zahlreichen Besuch freuten sich die Bezirksverordneten von Bündnis 90/Die Grünen: Rund um den mit Häppchen bestückten Konferenztisch drängten sich Bürger mit Appetit auf Politik. Auch Susanne Wolf-Mulac, Anwohnerin aus der Konrad-Wolf-Straße, nutzte die Gelegenheit, um mit dem Grünen Robert Pohle ein Anliegen zu klären. Westlich der Degener Straße wurden Bäume gefällt, berichtete Wolf-Mulac. Sie habe gehört, an dieser Stelle solle ein Wohnhaus gebaut werden. Ihre Befürchtung ist, das Haus könnte zu groß geraten. Sie wünschte sich von Pohle, dass er für eine "angemessenere Bebauung" eintritt. Pohle sitzt im Ausschuss für Ökologische Stadtentwicklung und hat deshalb auch dieses Bauprojekt im Blick.

Wie die Bezirksverordnetenversammlung als Gremium überhaupt solche Probleme lösen kann, erklärte der CDU-Fraktionsvorsitzende Gregor Hoffmann im Gespräch mit drei Bürgern. „Auch wenn unser Stadtrat nicht mehr für das Ressort Stadtentwicklung zuständig ist“, so Hoffmann, „gibt es ja noch die Fraktion. Wir können Sachanträge zu ganz verschiedenen Themen stellen.“ Der Christdemokrat Wilfried Nünthel gab den Bereich Stadtentwicklung im Zuge der Neuaufstellung des Bezirksamtes nach der Wahl 2016 an Birgit Monteiro (SPD) ab.

Soziale Themen standen wiederum im Fraktionsraum der Linken hoch im Kurs. Eine hitzige Debatte führte der ehemalige Fraktionsvorsitzende der Linken und derzeitige Staatssekretär für Integration, Daniel Tietze, mit einem älteren Ehepaar. Beide wollte wissen, wie der Bezirk mit den hier lebenden Flüchtlingen umgeht, ob Schulen und Kitas auf die Situation überhaupt vorbereitet seien.

„Berlin wächst – es sind ja nicht nur die Flüchtlinge, die hierherkommen, sondern auch andere Menschen“, so Staatssekretär Tietze. Die Situation müsse allgemein verbessert werden. „Dazu gehören mehr Schulen, mehr Kitas.“

Zu Tumulten kam es indes vor dem Fraktionsraum der Alternative für Deutschland. Einige junge Leute wurden vom Sicherheitspersonal des Raumes verwiesen. Im Fraktionsraum selbst debattierte der Fraktionsvorsitzende Dietmar Drewes vor einer fensterhohen Deutschlandfahne mit einer 32-Jährigen. Am Schluss des Gesprächs befanden wohl beide, dass sie sich an diesem Abend gegenseitig kaum überzeugen konnten. Laut der 32-Jährigen ging es um eine geschlechtergerechte Sprache. Anstatt nur männliche Formen zu benutzen sollten auch weibliche Formen Anwendung finden, argumentierte die junge Frau, die sich ganz bewusst mit den AfD-Politikern auseinandersetzen wollte: „Mir ist es wichtig, dass man gegen diesen Schwachsinn Stellung bezieht.“ Auf die Frage, wie er zu dem Diskussionsgegenstand steht, wich Dietmar Drewes aus. Nachdem nahezu alle den Fraktionsraum verlassen hatten, bemühte sich der Fraktionschef noch, einem Bürger Informationsmaterial über seine Partei mitzugeben. KW
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