Quoten-Modell für Freizeitklubs in der Kritik

Andreas Franke (r.), Leiter des Jugendclubs Willi Sänger, spielt mit den jugendlichen Besuchern auch mal eine Partie Kicker. (Foto: Wrobel)

Fennpfuhl. Die Kritik am neuen Modell für die Jugendarbeit im Bezirk reißt nicht ab. Rund 30 Prozent der Arbeit in den Jugendeinrichtungen sollen Ehrenamtliche leisten. Doch Interessenten für diese Tätigkeit sind rar. Beate Evermann ist als Ehrenamtliche schon lange dabei.

"Kinder in dem Alter sind nicht einfach", sagt Beate Evermann. Die 47-Jährige versucht, für die jungen Besucher des Jugendclubs Willi Sänger in der Rudolf-Seiffert-Straße 50a immer ein offenes Ohr zu haben. "Geduld ist wichtig. Aber man muss auch Grenzen setzen können."

Tagsüber arbeitet die Erzieherin in einer Kita in Prenzlauer Berg, wo sie Kinder im Alter von wenigen Monaten bis zu sechs Jahren betreut. Einmal in der Woche leitet sie dann in ihrem Töpferkurs zwölf- bis 16-jährige Jugendliche an, hört den Mädchen und Jungen beim Werkeln aber auch für mehr als drei Stunden geduldig zu. "Ich will verlässlich und damit ein Vorbild sein", sagt Evermann. Seit 2008 engagiert sie sich in der Jugendfreizeiteinrichtung im Ortsteil Fennpfuhl. Neben ihr sind vier weitere Ehrenamtliche im Jugendclub tätig. Sie geben Computernachhilfe und steigen mit den Jugendlichen auch mal in den Boxring. "Das alles ist für sie zusätzliche Arbeit. Sie haben ja auch noch einen Beruf", sagt Andreas Franke, Leiter des Jugendclubs Willi Sänger. "Aber die Angebote sind wichtig, weil sie den Jugendlichen Fairness, Achtung vor anderen und Disziplin vermitteln."

Das Konzept, Ehrenamtliche für die Arbeit mit Jugendlichen zu gewinnen, sei sinnvoll, sagt Andreas Franke. Seitdem es jedoch eine feste Quote für diese Arbeit gibt, mehren sich die Probleme. Der Bezirk legte vor einem Jahr fest, dass 30 Prozent aller Angebote in der offenen Jugendarbeit von Nicht-Fachkräften geleistet werden müssen.

Ziel war es, die Jugendarbeit billiger zu machen. Während eine Fachkraft in Lichtenberg für eine Angebotsstunde im Schnitt mit 27 Euro bezahlt wird, bekommt ein Ehrenamtlicher ein Honorar von 8,50 Euro.

"Nicht-Fachkräfte können aber nur bedingt pädagogische Arbeit leisten", sagt Andreas Franke. Deshalb müssten die wenig übrigen Fachkräfte in kürzerer Zeit mehr davon leisten. "Es gibt einen hohen Krankenstand. Das hat mit dem erhöhten Arbeitsaufkommen zu tun." Die Arbeit mit den Jugendlichen komme aber unterm Strich viel zu kurz.

"Wir Ehrenamtlichen sind als Unterstützung nicht wegzudenken", weiß Beate Evermann. Sie beobachtet, dass vielen Fachkräften vor lauter Büroorganisation die Zeit für die Jugendlichen fehlt. "Ich sehe meine Aufgabe aber darin, die Jugendlichen zu begleiten und nicht, sie zu erziehen. Richtig intensive Gespräche können sie nur mit den angestellten Pädagogen führen. Die sind täglich da und bringen Verbindlichkeit mit."

Mit der Kritik am Quoten-Modell beschäftigte sich auch der Jugendhilfeausschuss am 4. März. Dabei kam es zu einer Auseinandersetzung. Der jugendpolitische Sprecher der SPD-Fraktion Erik Gührs und sein Fraktionskollege Kevin Hönicke zweifelten die Kritik der freien Träger an, die von deren Sprecher Andreas Franke vorgetragen wurde.

Träger von Jugendeinrichtungen in Fennpfuhl, Alt-Lichtenberg und Frankfurter Allee Süd hatten in einer Umfrage Kritikpunkte gesammelt. Sie beklagten die die Zunahme der Arbeitsbelastung und das Absinken der Qualität in der Jugendarbeit. "Uns ging es nicht darum, diese Kritik abzuweisen", sagte Kevin Hönicke zwar nach der Sitzung. "Ich nehme die Träger ernst." Doch ob und in welchem Maß die Kritik von den Trägern der anderen fünf Regionen im Bezirk geteilt werde, das müsse der Dialog in weiteren Sitzungen des Jugendhilfeausschusses zeigen.

"Es ist befremdlich, dass der Auftakt zu diesem wichtigen Dialog nicht offen geführt wurde", sagte Daniel Tietze, Bezirksverordneter von Die Linke. Die am 4. März geführte Auseinandersetzung könnte nun die übrigen Träger verschrecken, ihre Meinung zu äußern, so Tietze. Er wünscht sich für die zukünftige Debatte eine Atmosphäre, "in der Kritik möglich ist."


Karolina Wrobel / KW
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