Senat überwacht jetzt die Entsorgung der kontaminierten Erde an der Gartenstraße

Ursula Lübcke und Brigitte Beister sind wegen der Erdhügel auf dem Grundstück an der Gartenstraße sehr beunruhigt. (Foto: Bernd Wähner)

Französisch Buchholz. Massenhaft illegal abgeladener Bodenaushub sorgt für Unruhe in der Gartenstraße. Er ist ganz offensichtlich kontaminiert. Deshalb fordern Anwohner den raschen Abtransport.

Mitte August beobachteten Ursula Lübcke und Brigitte Beister viele Laster in ihrer Straße. Die Fahrzeuge luden Abraum auf das Grundstück in der Gartenstraße 32/33 ab. Dieser bestand nicht nur aus Erde, auch Betonstücke und alte Rohre waren zu erkennen. Bei dem Grundstück handelt es sich um das ehemalige Agrochemische Zentrum in Buchholz. Auf dem befand sich unter anderem eine Traktorenwerkstatt. Die Anwohner sprachen Lastfahrer an. Die sagten, dass der Aushub von einem Garagengrundstück in Niederschönhausen stammt. Dort will ein Investor Haus mit Tiefgarage bauen. Da diesem Investor auch das Grundstück Gartenstraße 32/33 gehöre, wolle er den Aushub dort zwischenlagern, erfuhren die Anwohner.

Weil sie vermuteten, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, alarmierten sie das Umweltamt. Das übergab den Vorgang an die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. „Wir hofften, dass die Anlieferung des Aushubs gestoppt wird. Aber nichts passierte“, so Ursula Lübcke. Die Anwohner zählten mit. Fast 70 Lkw-Ladungen landeten auf dem Grundstück.

„Vor allem im August und September, als es so heiß und trocken war, wurde es sehr unangenehm für uns“, sagt Brigitte Beister. Sie wohnt schräg gegenüber. „Vor allem bei Ostwind wurde Sand in unsere Häuser geweht.“ Aber nicht nur die Anwohner fürchten um ihre Gesundheit. In unmittelbarer Umgebung befinden sich auch zwei Kitas.

Die Anwohnerinnen riefen mehrfach in der Senatsverwaltung an. Sie forderten den Abtransport des Aushubs. Inzwischen wurde ein Teil tatsächlich abgefahren. Doch noch immer liegen große Berge auf dem Grundstück – und nichts tut sich. Auf Anfrage bestätigt Martin Pallgen, der Pressesprecher der Senatsverwaltung, dass man sich um den Vorgang kümmere. Bei der Zwischenlagerung von Abfällen ab einer bestimmten Größenordnung handele es sich um eine „genehmigungsbedürftige Anlage im Sinne des Bundesimmissionsschutzgesetzes“. Das ist an der Gartenstraße der Fall. Eine Genehmigung lag aber nicht vor. „Die verantwortliche Baufirma wurde daraufhin von uns über die Rechtslage in Kenntnis gesetzt und aufgefordert, den Erdaushub wieder zu entfernen“, so Pallgen. Der Abfallbehörde der Senatsverwaltung sagte die Firma den Abtransport zu. Allerdings musste sie Analysen des Erdaushubs in Auftrag geben. Von deren Ergebnis hängt nämlich ab, wie der Aushub weiter zu verwenden beziehungsweise zu entsorgen ist.

Im Ergebnis der Analysen ist inzwischen klar, dass ein Teil der Erde mit Schadstoffen belastet ist. Er muss daher als gefährlicher Abfall entsorgt werden. „Dazu muss vor Abtransport zur Deponie bei der Sonderabfallgesellschaft Berlin Brandenburg (SBB) ein Entsorgungsnachweis beantragt werden“, erläutert Pallgen.

Weil die Bearbeitung dieses Antrags seine Zeit dauert, konnten die Erdhügel nicht sofort komplett beseitigt werden. Zunächst sind etwa 500 Tonnen nicht gefährlicher Abfall abtransportiert worden. Die restlichen 350 Tonnen verbleiben bis zur Genehmigung. Trotzdem besteht Hoffnung, dass die Fläche in absehbarer Zeit wieder komplett beräumt wird. BW
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