Alte Heimat, neue Heimat

Französisch Buchholz. Heimat: Nur ein Wort? Oder sagt es mehr aus, als manch einem lieb ist? Heimat, alte Heimat, neue Heimat. Wie definiere ich das Wort Heimat persönlich?

Als wir in den Bezirk Pankow zogen, sagte meine Oma: „Ich vermisse schon jetzt meine alte Heimat, meine Nachbarn, die Spatzen, die sich pünktlich zur Mittagszeit auf dem Blumenkasten einfanden, um die Brotkrumen aufzupicken. Den knorrigen Apfelbaum vor dem Haus, das kleine Café an der Ecke, sogar der schrullige alte von Gegenüber wird mir fehlen.“ Seufzend fügte sie hinzu: „Von meinem Mansardenfenster konnte ich den Fernsehturm sehen und an manchen Tagen den Sonnenuntergang beobachten. Ich muss verrückt sein, dass ich mit euch gehe. Einen alten Baum verpflanzt man nicht. Man nimmt ihm nicht die Heimat.“ „Ach Oma …“ Ich streichelte ihren Arm und drückte leicht einen Kuss auf die Nasenspitze.

Für die einen ist es der Kiez, in dem die Menschen aufgewachsen sind, für die anderen ist Heimat das Land, wo sie sich Zu Hause fühlen, in den Städten und Dörfern, auf den Bergen und in den Tälern. Heimat ist ein Ort der Vertrautheit, der Geborgenheit, wie das Rauschen des Waldes, der Felder und Wiesen im Wind. Das Weinen und Lachen der Liebsten.

Wie muss es den Menschen ergehen, die ihre Heimat in der Not verlassen müssen. Wenn der Krieg Menschen tötet, Häuser zerstört. Gebeutelt aus Angst und Sorge um die Zukunft, die sie grau und müde macht, ihnen die Tränen in die Augen treibt. Entsetzlich, geht es mir durch den Kopf. „Mit welchem Recht“ fange ich plötzlich laut an zu klagen, „ist es erlaubt, Menschen umzubringen.

Wenn ich daran denke, dass Kinder, Frauen und Männer gedemütigt, gequält und getötet werden, bekomme ich Gänsehaut.“ Oma blickt mich überrascht an und sagt: „Solange es Menschen gibt, gibt es Kriege, wird geplündert, gemordet. Aber auch aus anderen Gründen verlassen Menschen ihre Heimat. Denk an Onkel Jonny, als der …“ „Aber“, unterbreche ich sie heftig, „das ist doch unmenschlich, barbarisch.“ „Ich weiß, sagt Oma und verknotet mit ihren steifen Fingern ein Paket für die Flüchtlinge, die in der Turnhalle nebenan ihr Lager aufgeschlagen haben.

Solange es Menschen gibt, die die Not der anderen zu ihrer eigenen Sache machen, besteht die Hoffnung, dass sich doch noch alles zum Guten wenden wird und dass jeder seine Heimat dort finden kann, wo es ihm beliebt. Karin Kampfer
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