Beginner – Aktenlage Weißensee | Foyer-Archiv: ein Multiple aus Portraits von 4000 Studentinnen der KHB

Fotomontage: Peter Müller/Jürgen Neugebauer, weißensee Archive - weißensee kunsthochschule berlin (Foto: Peter Müller)
 
Linde Bischof, Malerin, Grafikerin. Anne Schäfer-Junker, KHB-Druckwerkstatt 1976-1980. (v.l.n.r.) (Foto: Wilko Hänsch)

Das Selfie war noch nicht erfunden. Auch die Bewerbung an einer Kunsthochschule musste ein „Paßfoto“ enthalten – wie jede andere Bewerbung auch.

Rund 4.000 Studentinnen und Studenten studierten zwischen 1946 und 2001 an der KHB* – heute: „weißensee kunsthochschule berlin“. Seit 21. April 2017 wurde das Foyer der Kunsthochschule Weißensee zum öffentlichen Portrait-Archiv. Portrait-Fotos von 4000 StudentInnen von 1946 – die Beginner – bis 2001 hängen kunstvoll installiert an der Längsseite der Glaswand. Hinter den Portraits schimmert nun das Grün des Gartens durch und „begrünt“ das kunstvolle Multiple.

Die mit einem Portrait-Foto angelegten Karteikarten und Akten kommen, einmal ins Archiv ausgelagert, im Regelfall nie wieder ans Licht. Der Wiedererkennungseffekt der Portraits gelingt selbst beim anwesenden lebenden Pendant nur selten. Keine verrückten Portraits, keine gemalten oder gezeichneten Gesichter. Alles schnöde Foto-Realität.

Archivsichtung und Bearbeitung ist ein mühseliges Geschäft, dem sich die Arbeitsgruppe »weißensee Archive« der Kunsthochschule seit 2015 widmete, um die Geschichte der Hochschule zu erforschen und u.a. die Digitalisierung der Studierenden-Kartei zu starten. Der Grafiker Jürgen Neugebauer und der Künstler Peter Müller erarbeiteten eine fotografische Installation, die zudem Texte und Botschaften von Lehrpersonen aus der vorhandenen Aktenlage zu Gehör bringt.

Noch im Februar 2017 schrieb mir Peter Müller nach einem Gespräch über mein eigenes Archiv aus meiner Zeit in Weißensee: „Danke mir geht es gut. Wir haben letztes Jahr fleißig weiter an der Erschließung der Portraits ehemaliger Studierender gearbeitet. Dazu wird es im April eine audiovisuelle Installation im Foyer der Kunsthochschule geben.“ Gute Stimmung mit den vielen Ehemaligen bei der Eröffnung und Heiterkeit beim Wiedersehen nach ungezählten Jahren. Das schweigende große Foto-Multiple stellt den Beginn des Labyrinths durch die vielen damit verbunden Viten der geschichtsträchtigen Schaffenszeiten der Weißenseer Hochschule mit den bisher tausenden StudentInnen gewaltig in den Raum. Wenn man viel Zeit mitbringt, ist vergnügliches Betrachten vorstellbar.
Link: http://www.kh-berlin.de/projekt-detail/Project/det...
Ort: Foyer der weißensee kunsthochschule berlin, Bühringstraße 20, 13086 Berlin
21. April bis 2. Juni 2017, Mo.-Fr. 8 – 20 Uhr, Eintritt frei.

*Die Kunsthochschule Berlin Weißensee ist eine renommierte Ausbildungsstätte für Kunst und Design und ein Baudenkmal der Nachkriegsmoderne. Der dreiflügelige Hauptbau von 1956 ist in Deutschland das letzte überlieferte Gebäude des Bauhaus-Architekten und langjährigen Architekturprofessors an der Kunsthochschule Selman Selmanagic. Vor allem die holzgetäfelte Aula ist ein baukünstlerisches Kleinod: 2011 war sie von der Wüstenrot Stiftung restauriert worden; 2012 erhielten die Bauherren und Architekten den Preis des Bundes deutscher Architekten für »vorbildliche Bauten in der Hauptstadt«.
Anne Schäfer-Junker (anne.junker@gmx.de)
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