Rathaus Friedenau: Hohe Umbaukosten, bevor die Steuerfahnder einziehen

Das Rathaus am Breslauer Platz muss für 8,4 Millionen Euro umgebaut werden. (Foto: Noetzel)
Berlin: Rathaus Friedenau |

Friedenau. Am 1. Januar 2017 sollen Berlins Steuerfahnder das ehemalige Rathaus Friedenau beziehen. Theatermacherin Pascale Senn Koch, deren "Morgenstern"-Bühne dann heimatlos ist, hofft, dass das "Irrsinnsprojekt" noch umgestoßen wird.

"Ich habe gehört, die Steuerfahnder hätten Angst, es könnte an die Öffentlichkeit dringen, dass das Rathaus nicht die optimalen Arbeitsbedingungen bieten. Was ja auch stimmt", sagt Koch.

Der CDU-Politiker Christina Goiny hatte schon im April 2014 in einer Sitzung des Hauptausschusses des Abgeordnetenhauses gemeint: "Es ist wesentlich, die Arbeitsfähigkeit der Dienststelle auch am neuen Standort zu sichern." Die Zufriedenheit der Beschäftigten spiele gerade bei dieser Dienststelle eine Rolle. "Hier arbeiten Spezialisten, deren Wechsel zu einer anderen Dienststelle möglichst vermieden werden sollte. Ein Verlust von qualifiziertem Personal steht in niemandes Interesse."

Damit die Steuersünder-Jäger für mindestens zehn Jahre im Herzen Friedenaus richtig arbeiten können und die Nettokaltmiete von monatlich rund 57.950 Euro für 12.025 Quadratmeter sich auch rechnet, muss die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) das Gebäude am Breslauer Platz, das seit 1. Januar 2013 zum Sondervermögen Immobilien des Landes Berlin gehört, sanieren und umbauen.

Für rund 8,4 Millionen Euro werden unter anderem Dach und Fassade ausgebessert, der Brandschutz wird optimiert, das für die Strafverfolgungsbehörde notwendige Sicherungssystem installiert und im Hof ein Außenaufzug eingebaut.

Im Innenhof sollen die Dienstfahrzeuge auf 13 Parkplätzen unterkommen. Werden allerdings große Mengen beschlagnahmter Unterlagen angeliefert, reicht der Rathaushof nicht aus. Das Bezirksamt hat angeboten, eine Be- und Entladezone von etwa vier Stellplätzen vor der früheren Bank in der Hauptstraße einzurichten.

Bis Ende 2015 werden die verbliebenen Verwaltungsabteilungen des Bezirksamts und die Gerhart-Hauptmann-Bibliothek ausziehen.

Für die Stadtteilbibliothek wird noch ein Ausweichstandort gesucht. Für den Tanzsportclub "Blau-Weiß-Silber" und das Theater Morgenstern besteht vielleicht doch ein Hoffnungsschimmer, im bislang genutzten Schlesiensaal des Rathauses bleiben zu dürfen - sofern mit den Belangen des Finanzamts vereinbar, antwortete unlängst Finanzstaatssekretär Klaus Feiler (SPD) auf eine Anfrage der bündnisgrünen Abgeordneten Jasenka Villbrandt. Falle die Entscheidung zugunsten von Verein und Theater, muss der Schlesiensaal räumlich vollständig vom Finanzamt getrennt sein. Der dafür notwendige Einbau eines eigenen Zugangs und eines zweiten Rettungswegs würden im Rahmen der Baumaßnahme 2016 erfolgen, so Feiler.

Unterdessen suchen BIM und Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) für das Theater Morgenstern nach "Flächenalternativen" beziehungsweise Kooperationspartnern im Berliner Kulturbetrieb.


Karen Noetzel / KEN
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