Vorwürfe zum früheren Güterbahnhof Wilmersdorf

Während Architekten und Fachplaner das Vorhaben im Rathaus Schöneberg erläutern, tobt im Hintergrund ein E-Mail-Krieg zwischen Befürwortern und Gegnern. (Foto: KEN)
 
940 Wohnungen, dazu Läden und Büros, sollen auf dem früheren Bahngelände entstehen. (Foto: KEN)

Friedenau. Unlängst haben Architekten und Fachplaner im Rathaus Schöneberg die Pläne zur Konversion des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf in ein Wohngebiet mit Einzelhandel, einem großen Supermarkt und Büros vorgestellt. Derweil bombardieren im Hintergrund Gegner und Befürworter einander und die zuständige Stadträtin mit „offenen Briefen“ und E-Mails.

Für emotionale Reaktionen sorgt ein „offener Brief“ des Friedenauer Autorenduos Peter Hahn und Jürgen Stich an Bezirkstadträtin Sibyll Klotz (Bündnis 90/Die Grüne). Ihr Vorwurf: Die Stadtentwicklungsstadträtin winke die Bebauung des Areals einfach durch und lege einer Bürgerbeteiligung „die größtmöglichen Steine“ in den Weg. Hahn und Stich sprechen von „Behördenwillkür“ und von der „Durchsetzung eines irrwitzigen Wohnbauprojekts auf einer schmalen, von Autobahn, S-Bahn-Ring und Güterzugtrasse umtosten Fläche“, interessengesteuert von „Investoren, Architekten, Bodenspekulanten und Banken“.

Die „ völlig austauschbare, banale Architektur“ – es gibt sie noch gar nicht – werde „urbane Traditionen zerstören“ und passe selbstredend nicht zur „denkmalgeschützten Architektur und Quartiersstruktur dieser Gegend“.

Auf 6,5 Hektar entstehen 940 Wohungen, Tiefgaragen, Grün- und Spielflächen, private Stadtplätze, ein öffentlicher Fuß- und Radweg. Das Bezirksamt spricht von einem weitgehend autofreien Quartier. Ein Viertel der Wohnungen wird von einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft übernommen und zu moderaten Mietpreisen angeboten.

Der Hamburger Investor Böag hat sich verpflichtet, eine Kita für mindestens 85 Kinder zu bauen. Er beteiligt sich auch an den Kosten für den Umbau der ehemaligen Waldenburgschule in der Otzenstraße, der notwendig wird, weil weitere 102 Schulplätze berechnet worden sind, und entsorgt Altlasten im Boden. Stadträtin Klotz, die sich im September ganz aus der Politik zurückziehen will, reagiert mit einem „Statement für Friedenau“. Darin heißt es, die Beteiligung der Bürger habe vier Jahre gedauert und in einem Umfang „weit über die gesetzlich vorgegebenen Verfahren“: drei öffentliche Veranstaltungen und fünf öffentliche Sitzungen eines Expertengremiums.

Die Verfasser seien „unzureichend informiert“. Wer gegen jedwegen Neubau auf dieser Bahnbrache sei, den werde auch der vorgelegte Bebauungsplan für das neue Quartier nie überzeugen. Da macht sich Sibyll Klotz nichts vor.

Schützenhilfe erhält die Stadträtin von einer Parteifreundin, der Bezirksverordneten Sabine Schneller. Als Schönebergerin wünscht sich diese, „in einer offenen, lebendigen Stadt zu wohnen, die neu Zugezogene, egal welcher Herkunft, als Bereicherung sieht und für sie etwas zusammenrückt“.

"Geschrei und Gepöbel"

Auch ein SPD-Verordneter mischt sich in das Online-Duell ein. Oliver Fey hält die Bebauung des ehemaligen Bahngeländes für wichtig und richtig. Immer gebe es „eine Handvoll Menschen“, die, weil sie mit den Ergebnissen einer Bürgerbeteiligung nicht zufrieden seien, „durch Geschrei und Gepöbel“ auffielen und den Eindruck vermittelten, sie seien „die Bürger“, so Fey. KEN
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