Culture-Space im Rathaus Friedenau

Der Weiße Riese ist besiegt, der gute König gerettet: Szene aus dem persischen Nationalepos „Schahname“ mit Saeed Hooshmand (links) als Rostam. (Foto: KEN)
Berlin: Rathaus Friedenau |

Friedenau. Ungewohnte Laute an diesem Abend im Schlesiensaal im Rathaus Friedenau: Schauspieler führen einige Szenen aus dem persischen Nationalepos „Schahname“ in Farsi auf.

Das Rathaus am Breslauer Platz ist Flüchtlingsnotunterkunft geworden. Umgehend hat das Kinder- und Jugendtheater „Morgenstern“ die neue Herausforderung angenommen, die sich aus einer solch engen Nachbarschaft ergibt. Sie schufen ein neues Veranstaltungsformat und nannten es „Culture Space“, Kulturraum.

Flüchtlinge und Friedenauer sollen mittels Musik, Kunst und Gesprächen Möglichkeiten einer Begegnung erkunden. „Wir wollen uns gegenseitig anregen, überraschen und fordern“, so die Schauspielerin, Initiatorin und künstlerische Leiterin des Theaters, Pascale Senn Koch. Die unterschiedlichsten Lebenswelten, Kulturen und Menschen mögen aktiv in einen Dialog treten, so das Ziel.

An diesem Abend findet Performanc-Theater statt. „Wir haben heute eine ganz besondere Veranstaltung“, kündigte Pascale Senn Koch an. Denn in der Flüchtlingsunterkunft wohnt zurzeit eine Schauspielerin aus Teheran. „Sie kam eines Tages zu uns und sagte, sie würde auch gern hier im Theater etwas machen.“

Was lag näher, als eine kurze Episode aus der persischen Literatur zu erzählen. Einer ihrer bedeutendsten Vertreter ist Firdausi (940-1020/1026) und sein Werk, das 50 000 Doppelverse umfassende „Schahname“, das „Königsbuch“, das zum Nationalepos avancierte. Daraus hat die junge iranische Schauspielerin Aysoda Mahroosi, die zudem Bühnen- und Maskenbildnerei gelernt hat, eine Szene aus dem siebten Abenteuer des Rostam ausgewählt. Der Krieger ist der berühmteste Sagenheld der persischen Mythologie.

„Aysoda brauchte logischerweise einen Partner“, erzählte Pascale Senn Koch. Man habe zufällig den Schauspieler Saeed Hooshmand kennengelernt. Der Afghane hatte Berufsverbot in Iran. Beide fingen zu proben an und bemerkten schon nach wenigen Tagen: Zu zweit können sie die Geschichte gar nicht spielen. „Das Ensemble wurde von Tag zu Tag größer.“ Am Ende waren sie acht – Iraner, Iraker und Afghanen. Die meisten standen zum ersten mal auf einer Bühne.

„Ich hätte gern im Sinne dieses Abends dem Ensemble noch zwei oder drei Friedenauer untergejubelt. Aber leider waren sie alle zu scheu“, bedauerte Senn Koch. Das Theater Morgenstern schuf dafür einen „kulturellen Ausgleich“. Einige Tage später spielten drei seiner Schauspieler einen kurzen Ausschnitt aus der neuen Bühnenproduktion „Alles super“ (www.theater-morgenstern.de), die am 8. Juli 20 Uhr Premiere im Schlesiensaal feiert.

Nach ihren Plänen gefragt, antwortete Aysoda, sie wünsche sich in Deutschland „eine gute Zukunft“, damit sie viel erreichen und ihrer Mutter etwas davon zurückgeben könne, was diese ihr ermöglicht habe. „Ich denke, wir werden Aysoda wieder auf der Bühne sehen. Wir sind gerade am Schreiben, damit das auch wahr wird“, sagte Daniel Koch. KEN
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