Friedenauer Lyriker Dieter Wöhrle wagt sich an Prosa

Die Zeitgenossen immer im Blick: Dieter Wöhrle. (Foto: KEN)

Friedenau. "Ganz schön heftig, was sich hier so alles herumtrieb. Muskeln und Tattoos, wohin man blickte. Krasse, durchtrainierte Gebirgsmassive, bunt bebildert." Friedenaus bekannter Lyriker Dieter Wöhrle, hat sich eine neue Welt und gleichzeitig eine andere literarische Gattung erschlossen.

"Die angemessenere Form ist für mich die Kurzgeschichte", so der Deutschlehrer an der John-F.-Kennedy-Gesamtschule in Zehlendorf. "Ich will erzählen und nicht mit Silben jonglieren." Und versichert im selben Augenblick, er schreibe noch immer gern und fleißig Gedichte. Weswegen sich zur Geschichte, aus der eingangs zitiert wurde, wie selbstverständlich ein Gedicht hinzugesellt hat.

Weil ihm die Poesie aber zusehends formale Zwänge auferlege, was ihn nach eigenem Bekunden aber "nervt", er aber doch gern noch stärker die Verästelungen des menschlichen Innenlebens erkunden wolle, hat sich der Künstler neuerdings der kurzen Prosa zugewandt. "Ein Gebot der Zeit", sagt Dieter Wöhrle.

Wie seine Gedichte sind auch die Kurzgeschichten im tatsächlichen Leben verankert. "Unter Primaten" geht auf ein Erlebnis im Fitness-Studio zurück. Eines jener, die 24 Stunden geöffnet haben, eben eine "Mucki-Bude". "Ich bin von Muskeln und Tätowierungen umgeben und frage mich ganz Bildungsbürger, welchen IQ diese Muskelprotze haben und was sie beruflich machen", erzählt der schwäbische Berliner. Erstaunliches trete da zu Tage. "Ein Riesenkerl mit Rastalocken war leitender Arzt in einer Klinik."

Daraus hat Dieter Wöhrle seine Geschichte gestrickt, eine Geschichte mit überraschendem Moment, was auch seine Gedichte auszeichnet: die feine Sensorik beim Beobachten seiner Zeitgenossen, meist mit ironischem Augenzwinkern und nie respektlos. Ob im Gedicht oder in der Kurzgeschichte: Alles ist so angelegt, dass Typen in bestimmten Situationen präsentiert werden, in denen sich der Leser wiedererkennen oder den Mitmenschen mit anderen Augen betrachten kann.

Dieter Wöhrle hat seit Mai vier Kurzgeschichten verfasst. Seine allererste, die in der U-Bahn spielt - mehr darf der Autor nicht verraten - hat er beim Wettbewerb um den Walter-Serner-Preis 2014 eingereicht. Die von rbb-Kulturradio und Literaturhaus Berlin ausgelobte und mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung wird Anfang Dezember vergeben. Am Literaturwettbewerb der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Berlin-Brandenburg hat er mir seinem 2013 erschienenen Gedichtband "Liebe in lieblosen Zeiten" teilgenommen.

Literaturfreunde können Dieter Wöhrles noch unveröffentlichte Kurzgeschichten erstmals am 23. August 17 Uhr im Weinhaus von Magnus, Teltower Damm 11A in Zehlendorf, kennenlernen. Der Eintritt kostet fünf Euro. Und in seinem Friedenauer Heimatkiez präsentiert der Autor seine frischen Texte bei freiem Eintritt am 24. Oktober 18 Uhr bei Eis-Voh, Bundesallee 118.


Karen Noetzel / KEN
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