Seit 60 Jahren arbeitet Hans-Jürgen Arnsmann kunstvoll mit Glas

Hans-Jürgen Arnsmann in seinem Atelier. (Foto: KEN)
 
Sieht leicht aus, ist aber eine Kunst: Hans-Jürgen Arnsmann beim Glasschneiden in seinem Atelier. (Foto: KEN)
Berlin: Glaserei Arnsmann |

Friedenau. Gerade baut Hans-Jürgen Arnsmann zehn Rahmen für eine Foto-Ausstellung in Griechenland. "Die müssen nächste Woche fertig sein", sagt der freundliche Herr mit Brancusi-Bart und verschmitztem Lächeln.

Eigentlich ist Hans-Jürgen Arnsmann, der bald seinen 75. Geburtstag feiert, Glasermeister. Seine Spezialität sind Bleiverglasungen, eine heute rare Kunst, die ihre Blütezeit im Mittelalter erlebte. "Glas ist ein faszinierender Werkstoff", sagt er. "Eine Flüssigkeit in fester Form." Das Geheimnis beim Schneiden bestehe darin, dass man das Glas eigentlich nicht schneide, sondern nur mit dem Diamantschneider die Oberflächenspannung wegnehme, verrät Arnsmann.

Das traditionelle Handwerk hat es überall schwer. Und so sind auch bei Glasermeister Hans-Jürgen Arnsmann Aufträge für dieses Gewerk zurückgegangen. Seine Werkstatt hat er vom Hof in das romantische Atelier in der Albestraße 19 verlegt.

Der gebürtige Essener hat jedoch ein zweites Standbein: Er baut Bilderrahmen. "Rahmen machen heute zu 90 Prozent mein Geschäft aus." Die Leisten sind vorgefertigt. An den Wänden hängen aber auch prachtvolle antike Rahmen.

Seine Kunden für Glaserarbeiten - auch ganz normale Reparaturen - kommen hauptsächlich aus Friedenau, für die Bilderrahmen aus ganz Berlin. "Ich arbeite mit vielen Künstlern zusammen", so Arnsmann. Gern erinnert er sich an die Jahre zurück, in denen er sein Atelier zeitweilig in eine Galerie verwandelt hat. Sein erster Künstler kam aus Prag, ein weiterer aus Mexiko. Zuletzt sei der Aufwand zu groß geworden, sagt Glasermeister Arnsmann.

Das Glaserhandwerk hat er in seiner Heimatstadt Essen erlernt. Das "normale" Geschäft wurde ihm aber schnell zu langweilig. Arnsmann ging für ein Jahr nach Zürich. Aber auch dort gefiel es ihm nicht so recht. Auf eine Anzeige hin verschlug es ihn nach Bayern. In der Nähe von Freising half er über neun Monate, die gesamte Bleiverglasung einer Barockkirche zu restaurieren. Das war 1963/64. Am 1. April hat Hans-Jürgen Arnsmann sein 60. Berufsjahr gefeiert. "Das Arbeiten in Bayern als Auswärtiger war nicht so einfach", erinnert sich Arnsmann. Ein Berliner riet ihm, die Westberliner Glaserinnung anzuschreiben. Und so kam Hans-Jürgen Arnsmann nach Berlin. Er machte seinen Meister. Zu seinen Hauptarbeiten zählt bis heute die Verglasung der katholische St. Canisius-Kirche am Lietzensee. Er hat noch ein Foto. "Das alles gibt es nicht mehr", sagt Arnsmann mit wehmütiger Stimme. Das in den 50er-Jahren errichtete Gotteshaus brannte am 30. April 1995 vollständig aus. "Zwei Kinder haben es abgefackelt."

In Berlin erhielt Hans-Jürgen Arnsmann eine Anstellung bei Karl Neufert, einer in Friedenau alteingesessenen Glaserei. "Das Geschäft existiert schon seit 1918, beinahe seit 100 Jahren", betont Hans-Jürgen Arnsmann. Es lag ursprünglich am Friedrich-Wilhelm-Platz, später um die Ecke in der Albestraße. Am 1. Januar 1979 hat er das Geschäft übernommen. In dem 1891 gebauten, denkmalgeschützten Haus arbeitet Glasermeister und Rahmenbauer Hans-Jürgen Arnsmann bis heute. Und er wohnt auch gleich gegenüber, seit 49 Jahren.

Ans Aufhören denkt der künstlerische Handwerker noch lange nicht. "Es macht mir immer noch Spaß."


Karen Noetzel / KEN
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