Koordinierungsstelle für Stolpersteine noch immer nicht wieder besetzt

Friedenau. Die Bezirkspolitik rühmt sich gern ihrer Erinnerungskultur. Die Koordinierungsstelle für Stolpersteinverlegungen ist aber noch immer nicht wiederbesetzt.

Dass es mit der Verlegung weitergehen muss, darüber sind sich im Bezirk alle einig. Aber erst spät hat sich die Bezirkspolitik ernsthaft mit der Frage beschäftigt, wie angesichts leerer Kassen die Koordinierungsstelle über das Jahr 2014 hinaus zu finanzieren ist. Bei der Stolpersteininitiative Stierstraße-Friedenau vermutet man, die Politiker setzten gemäß dem Trend in Berlin allein auf das Ehrenamt. Die Initiative wertet das zögerliche Verhalten aber als "einen Schlag ins Gesicht all derer, die sich engagieren" und als Schande.

Am 15. Oktober hatte die BVV schließlich dem Antrag des Hauptausschusses zugestimmt, eine halbe Stelle für die Koordinierung aus dem Haushalt 2015 zu finanzieren - wenn keine anderen Finanzierungstöpfe gefunden werden. "Unsere Freude damals war groß", sagt Sigrun Marks, Sprecherin der Initiative in der Stierstraße.

Die Freude ist ihr inzwischen vergangen. Denn "unglücklicherweise", so Marks, sei das Jobcenter zwar bereit, die Finanzierung einer Koordinierungsstelle zu übernehmen - aber nur für zwei Jahre. Danach stehe man doch wieder vor demselben Problem.

Ebenso ist der Initiative die Art der Förderung suspekt, eine sogenannte Förderung von Arbeitsverhältnissen (FAV). Die richtet sich vorzugsweise an Langzeitarbeitslose mit Vermittlungshemmnissen. Träger der Koordinierungsstelle in Tempelhof-Schöneberg ist die gemeinnützige Gesellschaft "Goldnetz". Sie soll erst vor Weihnachten eine Arbeitnehmerzulassung für die Stelle beantragt haben. Auch über die Zahl eingegangener Bewerbungen gibt es widersprüchliche Aussagen aus dem Bezirk.

"Das Stolpersteinprojekt ist ein ganz komplexes Arbeitsfeld", sagt Initiative-Mitglied Gregor Mann. "Die Zeit drängt", betont Sigrun Marks. Aus dem vergangenen Jahr gebe es über 240 Stolpersteinanmeldungen von Angehörigen und Bürgern. Nächstes Treffen der Stolpersteininitiative Stierstraße ist am 9. Februar 19 Uhr in der Philippus-Gemeinde, Haus gemeinsames Leben, Stierstraße 19.


Karen Noetzel / KEN
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