Rathaus Friedenau: 2024 kommen die Steuerfahnder

Das ehemalige Rathaus Friedenau wird bis April 2018 zur Gemeinschaftsunterkunft für geflüchtete Frauen und Kinder umgebaut. (Foto: KEN)

Friedenau. Spätestens zum 31. Dezember 2024 ist Schluss mit der Flüchtlingsunterkunft im früheren Rathaus Friedenau. Das sagte Berlins Integrationsstaatssekretär Daniel Tietze (Linkspartei) auf einer Informationsveranstaltung des Bezirksamts in der Kirche Zum Guten Hirten.

An dem Abend wurde über den aktuellen Stand in den Friedenauer Unterkünften am Breslauer Platz und in der Niedstraße berichtet.

Im Bezirk gibt es derzeit insgesamt noch zehn Unterkünfte für geflüchtete Menschen. Fünf sind Gemeinschaftsunterkünfte, in denen sich die Flüchtlinge selbst versorgen können und so etwas wie eine Privatsphäre haben.

Wohnungssuche schwierig

Dazu gehört die im März 2016 eröffnete Unterkunft in der Handjerystraße, die vom Nachbarschaftsheim Schöneberg betrieben wird. Hier gebe es Platz für 50 alleinreisende Frauen mit oder ohne Kinder, so Gökcen Demiragli vom Nachbarschaftsheim. Derzeit seien nur 41 Plätze von 20 Erwachsenen und 21 Kindern zwischen null und 17 Jahren belegt. Die Frauen kämen aus Afghanistan, Syrien, Libyen, Irak, Eritrea und Äthiopien. 32 Frauen hätten eine Aufenthaltsberechtigung. Schwerpunktaufgabe sei es, so Demiragli, für die Frauen eigene Wohnungen zu finden, ein „unheimlich schwieriges“ Unterfangen.

Fünf der zehn Unterkünfte im Bezirk sind noch Notunterkünfte. Sie sollen in absehbarer Zeit ebenfalls in Gemeinschaftsunterkünfte umgewandelt werden. Ausnahme bleibt das frühere Hotel an der Urania.

Betrieb ausgeschrieben

Das ehemalige Friedenauer Rathaus ist eine solche Notunterkunft. Allerdings laufen bereits entsprechende Umbauarbeiten. Sie sollen laut Staatssekretär Tietze Ende April 2018 abgeschlossen sein. Danach wird der Betrieb der Unterkunft europaweit neu ausgeschrieben. Für seine Senatsverwaltung sei bei der Entscheidung für den Zuschlag zu 70 Prozent die Qualität und nur zu 30 Prozent der Preis ausschlaggebend, so Daniel Tietze. Der künftige Betreiber erhalte einen „soliden“ Dreijahresvertrag.

In sechs bis sieben Jahren wird das Rathaus Friedenau womöglich erneut umgebaut, wenn die Steuerfahndung des Landes Berlin das Haus wie vor der Massenmigration geplant übernimmt. Das Abgeordnetenhaus hatte ihren entsprechenden Beschluss nur ausgesetzt.

Im Rathaus wohnen aktuell 253 sogenannte „alleinreisende und besonders schutzbedürftige“ Frauen mit oder ohne Kinder. Sie gehören 13 Nationalitäten an. 40 Prozent kommen aus dem asiatischen Raum, 15 Prozent aus Afrika, 17 Prozent aus der arabischen Welt, 18 Prozent aus dem Farsi sprechenden Raum, fünf Prozent aus Russland und fünf Prozent aus der Türkei.

Im früheren Rathaus Friedenau lebten insgesamt 111 Kinder, 90 seien bis fünf Jahre alt, so Arnim Wegner, Vorstand des Betreibers, der „Sozialen Initiative Niederlausitz" (SIN). Für sie sei es „problematisch“, einen Kitaplatz zu finden. Daher sei SIN mit dem Bezirk und dem Land im Gespräch, wenigstens 25 Kitaplätze im Rathaus zu schaffen, sagt Wegner – in den Räumen der geschlossenen Gerhart-Hauptmann-Bibliothek. Rot-Grün in der BVV Tempelhof-Schöneberg wollte die Bücherei als „Integrationsbibliothek“ wiedereröffnen. Daraus wird nichts – aus Geldmangel und weil eben die Steuerfahndung einmal einziehen wird. KEN
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