Stadtmission bietet Notübernachtung auf Bahngelände

Das Wärmezelt steht bis Ende April auf der Bahnbrache. (Foto: Liptau)

Friedenau. Wenn die Brache des ehemaligen Güterbahnhofsgeländes Wilmersdorf eine Wüste wäre, wäre das Wärmezelt der Berliner Stadtmission die Oase: Seit Mitte Februar können hier jede Nacht bis zu 60 Menschen trocken, sicher und warm übernachten.

Stadtmissionsdirektor Hans-Georg Filker ist mit seinem Grundsatz ganz schön in die Bredouille gekommen. Der heißt: "Wir schicken niemanden weg, der unsere Hilfe braucht." Die Notübernachtung der Stadtmission am Hauptbahnhof platzt deshalb schon seit Jahren regelmäßig aus allen Nähten. Vom Bezirksamt Mitte werden hier 100 Schlafplätze finanziert, trotzdem übernachten je nach Temperatur 150 bis 200 Menschen.

Geeignete Räume für Notübernachtungen sind in Berlin kaum mehr zu finden. Die Suche danach sei in den vergangenen Jahren entsprechend erfolglos verlaufen. Deshalb jetzt der neue Lösungsansatz, der so logisch erscheint, dass es verwundert, dass bisher niemand darauf kam: Die Hilfesuchenden schlafen im Zelt!

Der Hamburger Energiedienstleister Care Energy hat der Stadtmission ein rund 1000 Quadratmeter großes Tragluftzelt zur Verfügung gestellt, in dem bis zu 60 Menschen auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf am Innsbrucker Platz übernachten können. Leichter Überdruck im Zelt sorgt dafür, dass das Dach in gut neun Metern Höhe stabil bleibt. Darüber hinaus ist keinerlei Tragstruktur nötig. Im Innern stehen Feldbetten, eine kleine Küche und Waschcontainer zur Verfügung. Drei Generatoren halten die notwendigen Luftpumpen, die Heizung und alles weitere in Betrieb. "Wir sind damit absolut energieautark", erklärt Martin Kristek, Inhaber von Care Energy. Gemeinsam mit den Fachleuten der Herstellerfirma haben er und seine Mitarbeiter das Zelt in zwei Tagen aufgebaut. 200 000 Euro kostet ihn die Anschaffung, der Betrieb und die Miete fürs Grundstück, die er an die Deutsche Bahn zu zahlen hat. Für die Versorgung der Hilfesuchenden mit Lebensmitteln und die personelle Ausstattung zahlt die Stadtmission täglich rund 700 Euro. "Wir wollen versuchen, eine Förderung beim Bezirksamt zu bekommen", sagt Pressereferentin Ortrud Wohlwend. Ob das klappt, ist bisher noch unklar.

Bis Ende April soll das Zelt erst einmal stehen. Ob es im kommenden Winter wieder aufgebaut wird, soll sich erst dann zeigen. Filker: "Das Ganze ist ein Projekt. Wir probieren das aus, machen unsere Erfahrungen und werten am Ende aus." Auf dem Güterbahnhofsgelände wird das Zelt auf keinen Fall regelmäßig stehen können. Die Hamburger BÖAG AG will hier in den kommenden Jahren Wohnbauten errichten lassen.


Ralf Liptau / flip
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