Beim Essen noch ganz traditionell: DRK-Menü-Service seit 1972

Im Notfall haben DRK-Mitarbeiter Dirk Hamann (vorne) und sein Teamleiter Sven Baumgart alle wichtigen Daten auf dem Schirm. (Foto: KEN)
 
DRK-Pressesprecher Rüdiger Kunz führt vor, wie eine tiefgefrorene Menüschale im Kombidämpfer für die Auslieferung erwärmt wird. (Foto: KEN)
Berlin: Landesverband DRK Berlin |

Friedenau. Selbstbestimmt so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben zu können, möchten die meisten älteren Menschen in Anspruch nehmen. Damit das gelingt, gibt es in Friedenau zwei wichtige Angebote.

In der Bachestraße 11 ist der Sitz des Berliner Roten Kreuzes (DRK). Und hier befinden sich auch das Callcenter für den Menü-Service und eine von drei Leitstellen des Hausnotrufs.

In einem der oberen Stockwerke des DRK-Gebäudes an Bundesallee und Bachestraße sitzen acht Mitarbeiter vor Monitoren und Telefonen. Sie nehmen die Essenswünsche der Senioren auf. Jeden Tag liefert das Rote Kreuz 2000 Essen aus. Rund 300 Kunden wohnen in Friedenau und Schöneberg. Von der Bundesallee aus werden auch die Menükataloge mit mehr als 250 verschiedenen Essen verschickt. Im Angebot sind normale Menüs, wie man sie in Gaststätten findet, aber auch Spezialkost, etwa bei Unverträglichkeiten. Die Preise sind moderat.

Vier bis fünf Mal im Jahr ergänzt das Rote Kreuz seine Menüpalette durch sogenannte Aktionsmenüs, also regionale und saisonale Produkte. Gerade ist die Spargelzeit zu Ende gegangen. Im Herbst ist Oktoberfestzeit, serviert wird typisch Bayerisches, „was der Berliner auch mag“, weiß Pressesprecher Rüdiger Kunz. Bestellen kann man unter   600 30 04 00 nach dem Speisevorschlag des DRK oder à la carte. Letzteres werde nur von jedem zehnten Kunden gewählt. Für ein Abonnement gebe es keine Verpflichtung, betont Kunz. „Man kann ein Essen auch einfach mal nur ausprobieren.“

52 DRK-Menükuriere starten in Neukölln zu ihren Touren. In der Innenstadt versorgt ein Fahrer zwischen 10 und 13 Uhr bis zu 25 Tischgäste, in den Außenbezirken sind es acht Senioren. Oftmals seien die DRK-Kuriere für die alten Menschen der einzige Kontakt am Tag, sagt Pressesprecher Kunz. „Es kommt jemand vorbei, der etwas Gutes tut.“

Die Fahrer bringen entweder Tiefkühlmenüs, die der Kunde noch selbst in der Mikrowelle oder im Backofen zubereiten kann, oder die heißen, „essfertigen“ Menüs.

„Das Essen schmeckt 99 Prozent unserer Kunden“, sagt Menü-Service-Koordinator, Sven Baumgart (33). Renner unter den Senioren seien Bouletten, Tafelspitz, Rouladen, Hühnerfrikassee und Hähnchenkeule. „Der Berliner Senior ist noch traditionell eingestellt“, meint Rüdiger Kunz. „Italienisches Essen ist schon exotisch.“ Der typische DRK-Menü-Kunde ist älter als 55 Jahre. Manche seien schon 25 Jahre dabei. „Unser ältester Tischgast ist eine 102-Jährige“, so Baumgart.

Seit 1972 bietet das DRK seinen Menü-Service an. Angefangen hat alles in Spandau mit drei Fahrzeugen. Damals wurde das Essen in großen, durchsichtigen Kochbeuteln geliefert und im Kochtopf warm gemacht.

Der Menüservice teilt sich das Großraumbüro mit den beiden Mitarbeitern des Hausnotrufes. 6000 Senioren sind an ihn angeschlossen, 600 in Tempelhof-Schöneberg. Die Leitstelle ist rund um die Uhr besetzt. Meldet sich ein Senior, hat der Mitarbeiter sofort alle nötigen Angaben auf seinem Monitor. Je nach Situation verständigt er Angehörige, Nachbarn, den Hausarzt oder den Rettungsdienst, oder die DRK-Bereitschaft rückt aus. Im Durchschnitt sind es berlinweit jeden Monat 1000 Notrufe. In fast einem Drittel der Fälle musste ein DRK-Mitarbeiter ausrücken. Davon waren 30 Fälle „hochproblematisch“. „Während der heißen Tage gingen ständig Notrufe ein“, berichtet Mitarbeiter Dirk Hamann. In den weitaus meisten Fällen aber (70 Prozent) ist der Hausnotruf-Kunde gestürzt. Weitere Informationen unter www.drk-berlin.de KEN
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