Ringen um U-Bahn-Aufzug am Friedrich-Wilhelm-Platz geht weiter

Peter Rimmler (2.v.l.), verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion von Tempelhof-Schöneberg, war einer der Gäste des BI-Treffens. Sprecherin Corinna Stupka (2.v.r.) und Pfarrer Michael Wenzel bot Rimmler seine Hilfe an. Es müsse jetzt ordentlich Druck gemacht werden. "Das Timing ist gut. Denn im nächsten Jahr sind Wahlen in Berlin." (Foto: KEN)

Friedenau. Ob die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ihren geplanten Aufzug bauen dürfen, ist weiterhin ungeklärt. Es scheint aber Bewegung in die Sache zu kommen.

Wie berichtet, hat die Verkehrslenkung Berlin Bedenken geäußert, weil mit dem Bau des Aufzugs, der nur auf der Mittelinsel der Bundesallee technisch möglich ist, die Installation eines Fußgängerüberwegs mit Ampel verbunden ist. Daraufhin hat die BVG erklärt, auf den Aufzug zu verzichten.

Für die Bürgerinitiative (BI) "Friedrich-Wilhelm-Platz" hat die Verkehrslenkung "den Teufel an die Wand gemalt": "Die Rückstellung der Aufzugsplanung ist ganz schrecklich", sagt BI-Mitglied Alexander Obst. Die Sanierung des U-Bahnhofs am Friedrich-Wilhelm-Platz soll im Herbst beginnen.

Die Bürgerinitiative will nun Informationsflyer verteilen und Unterschriftenlisten in Schulen, Geschäften und an den U-Bahnhof-Ausgängen auslegen. Andere Akteure im Bezirk haben den Aufzug am Friedrich-Wilhelm-Platz ebenfalls zu ihrer Sache erklärt. In der BVV von Tempelhof-Schöneberg verabschiedeten am 22. April Grüne und Linke zwei Beschlüsse mit der Forderung nach einem Aufzug. Die Grünen im Abgeordnetenhaus haben das Thema auf die Tagesordnung des kommenden Verkehrsausschusses gesetzt.

Michael Wenzel, Pfarrer der Gemeinde "Zum Guten Hirten" am Platz, plant ebenso eine Unterschriftensammlung. Den offenen Brief der Bürgerinitiative an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller und Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (beide SPD), dessen Beantwortung immer noch auf sich warten lässt, hat der Pfarrer auf die Internetseite der Gemeinde gestellt und im Mitteilungsblatt veröffentlicht. Michael Wenzel spricht von einem "unerträglichen Zustand", dass betroffene Menschen ausgeschlossen sein sollen: Ein U-Bahnhof ohne barrierefreien Zugang "läuft den Bürgerrechten zuwider".

Im Umfeld des Platzes befinden sich viele Einrichtungen für Senioren und Menschen mit Behinderung. "Zurzeit benötigen unsere Bewohner immer Assistenten, zum Teil mehrere, um zur U-Bahn zu gelangen. Das ist sehr unbefriedigend", kritisiert beispielsweise Helena Scherer, Regionalleiterin des Tiele-Winckler-Hauses. Es betreibt eine diakonische Wohneinrichtung für Erwachsene mit geistiger Behinderung in der Handjerystraße. "Wir verstehen nicht, warum die Verkehrslenkung ihre eindimensionale Fixierung auf einen flüssigen Pkw- und Lkw-Verkehr beibehält und damit die Mobilität aller anderen am Verkehr Teilnehmenden völlig aus dem Blick verliert."

Auf Nachfrage bestätigt Petra Rohland, Pressesprecherin von Senator Geisel, die Bedenken der Verkehrslenkung. Die Behörde ist einer der sogenannten Träger öffentlicher Belange, die in ein Planfeststellungsverfahren einbezogen werden müssen. Die Verkehrslenkung habe von der BVG einen Nachweis für die Funktionsfähigkeit der Ampelabläufe beim Bau des Aufzugs verlangt. Diesen Nachweis sei die BVG bislang schuldig geblieben. "Mittlerweile ist aber Bewegung in die Sache gekommen", so Rohland. Die Senatsverwaltung gehe davon aus, dass der Aufzug kommt, sobald die BVG den gewünschten Nachweis erbracht habe. "Auch die Senatsverwaltung hält einen Aufzug hier für notwendig."

Eine Antwort Geisels auf den offenen Brief der Bürgerinitiative ist übrigens - entgegen den Gepflogenheiten - in Bearbeitung.


Karen Noetzel / KEN
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