Einmalig und wertvoll: Toranlage am Zentralfriedhof Friedrichsfelde restauriert

Die historische Türanlage am Zentralfriedhof Friedrichsfelde ist aufwendig restauriert worden. (Foto: Berit Müller)
 
Manche Teile der schmiedeeisernen Zaunanlage waren so geschädigt, dass sie ersetzt werden mussten, andere wurden aufwendig restauriert. (Foto: Berit Müller)
Berlin: Zentralfriedhof Friedrichsfelde |

Friedrichsfelde.Viel mehr Zeit als geplant ist ins Land gegangen, und sehr viel teurer als gedacht waren die Arbeiten auch: Dennoch herrschte bei der Einweihung der restaurierten Toranlage am Zentralfriedhof Friedrichsfelde am 6. November allseits große Zufriedenheit.

„Die nächsten 50 Jahre muss es nun aber halten“, sagte Wilfried Nünthel (CDU), Stadtrat für Schule, Sport, Öffentliche Ordnung, Umwelt und Verkehr in seiner kurzen Ansprache zur feierlichen Wiederkehr der runderneuerten Schmiedepforte. Schließlich seien fast 250 000 Euro, die das Sanierungsprojekt verschlungen habe, kein Pappenstil. „Das war wirklich kein alltägliches Unterfangen.“

Ohne die Hilfe des Landesdenkmalamtes und des Bundes hätte sich der Bezirk die aufwendige Restaurierung der historischen Toranlage am Zentralfriedhof Friedrichsfelde wohl auch nicht leisten können. Vor allem dem Förderkreis „Erinnerungsstätte der deutschen Arbeiterbewegung Berlin-Friedrichsfelde“ ist es zu verdanken, dass die Schmiedearbeit nun nicht weiter verfällt. Der Verein hatte schon vor Jahren begonnen, sich für die Sanierung einzusetzen und schließlich die Zusage für Fördermittel bekommen. 70 000 Euro flossen über ein Sonderprogramm vom Bund, 80 000 Euro steuerte das Landesdenkmalamt bei, den Rest musste der Bezirk allein aufbringen.

Dass ein Bezirk so viel Geld für ein Friedhofstor in die Hand nehme, sei keineswegs Standard, sagte Ina Bergmann von der bezirklichen Denkmalpflege. „Aber hier handelt es sich ja auch nicht um irgendeinen Friedhofseingang. Es ist eine einmalige, wertvolle Toranlage. Deshalb haben wir alle Arbeiten von Restauratoren begleiten lassen.“

Zu den gelungensten Beispielen der Nachkriegsmoderne in der DDR zählen die Metalltüren, die Anfang der 1950er-Jahre nach einem Beschluss des Magistrats von Ost-Berlin entstanden. Entworfen und geschaffen hat sie der Kunstschmied Fritz Kühn (1910 - 1967). 55 Meter misst das komplette Schmiedewerk am Haupteingang zum Zentralfriedhof Friedrichsfelde, der wegen seiner Gedenkstätte und der zahlreichen Gräber bekannter Arbeiterführer den Beinamen Sozialistenfriedhof trägt. Die Anlage selbst ist 1881 als Gemeindefriedhof für Berlin eröffnet und anschließend sukzessive ausgebaut worden. Kühns Schmiedepforte steht als Teil der Gesamtanlage seit 1995 auf der Berliner Denkmalliste.

Dennoch ist das Tor seit einer Umgestaltung Anfang der 1960er-Jahre nicht denkmalpflegerisch bearbeitet worden. Die Folge: eine fortschreitende Korrosion, die Substanz und Funktionsfähigkeit gefährdete. Erst im Zuge der Instandsetzung konnten Handwerker und Restauratoren das tatsächliche Ausmaß sehen und bewerten. „Deshalb mussten wir den Mitteleinsatz und Zeitplan wiederholt anpassen“, so Wilfried Nünthel. Ursprünglich waren nämlich „nur“ 144 000 Euro veranschlagt.

Das Sanierungsprojekt galt sowohl dem Metallzaun als auch den seitlich gemauerten Pfeilern. Etliche Torelemente mussten überarbeitet, alle Beschläge auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft und die von Korrosion betroffenen Teile sandgestrahlt, neu verzinkt und angestrichen werden. An manchen Stellen waren die Schäden so fortgeschritten, dass es nicht ohne denkmalgerechten Ersatz ging.

Zum Schluss wurde die Toranlage zurück ans überarbeitete und neu verfugte Mauerwerk gesetzt. Nicht nur der Stadtrat, auch Denkmalpfleger und die Fördervereinsfreunde hoffen, dass die markante Toranlage nun die nächsten Jahrzehnte unbeschadet überdauert. bm
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