"Vorwärts" richtet DDR-Wohnung der 50er-Jahre wieder her

Für ihr Jubiläum im kommenden Jahr hat die Wohnungsbaugenossenschaft "Vorwärts" eine Wohnung im Stil der 1950er Jahre eingerichtet. (Foto: Vorwärts)

Friedrichsfelde. Es gibt in Berlin zwei Museen, die den DDR-Alltag zeigen. Jetzt hat auch die Wohnungsbaugenossenschaft "Vorwärts" eine Nostalgiewohnung eingerichtet. Anlass für das Projekt, das von Mitgliedern unterstützt wurde, ist das Jubiläum der Genossenschaft.

Am 24. November 2014 wird sie 60 Jahre alt. Bis zum Gründungsjahrestag im kommenden Jahr können interessierte Besucher in der Einbecker Straße 102 eine klassische DDR-Wohnung im Stil der fünziger Jahre besichtigen. Sie befindet sich im ersterbauten Haus der Genossenschaft. Neben der "zeitgemäßen" Einrichtung präsentiert "Vorwärts" Geschichten ihrer Mitglieder aus den Aufbaujahren nach dem Zweiten Weltkrieg, über die Zeit der geteilten Stadt bis zur Wiedervereinigung: die erste Wohnung, die erste große Liebe, die Kinder und die lieben Nachbarn.

35 Gründungsmitglieder hoben im Jahr 1954 die "Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft (AWG) Vorwärts" aus der Taufe. Sie stand in der Tradition der gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaften. Der Ministerrat der DDR hatte zuvor eine Verordnung über die "Zulassung der Arbeiterwohnungsbaugenossenschaften als freiwilliger Zusammenschluss von Arbeitern, Angestellen und Angehörigen der Intelligenz zum genossenschaftlichen Bau und Erhalt von Wohnungen" erlassen. Der Staat unterstützte die Genossenschaften, indem er Bauland kostenlos bereitstellte, die Erschließungsarbeiten übernahm und für die Baukosten zinslose Kredite vergab. Die Wohnungen wurden nach Familiengröße, Reihenfolge des Eintritts in die Genossenschaft und persönliche Erfordernisse der Mitglieder vergeben, aber auch nach deren gesellschaftlicher Mitarbeit. Die Eigeninitiative der Genossenschaftsmitglieder sollte dazu beitragen, die in der DDR herrschende Wohnungsnot zu verringern. AWG-Träger waren Betriebe und Institutionen. 1989 lebte etwa jeder sechste DDR-Bürger in einer AWG-Wohnung. Im Land gab es rund eine Million solcher Wohnungen.

Für den ersten Wohnblock der Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft "Vorwärts" in der Einbecker Straße 16-18 mit zwölf Wohnungen wurde am 8. Mai 1955 der Grundstein gelegt. Bis 1960 errichtet der VEB Volksbau Berlin für die AWG "Vorwärts" 330 Wohungen. Im folgenden Jahrzehnt entstanden weitere 2332, Ende der siebziger Jahre hatte "Vorwärts" 5748 Wohnungen in Lichtenberg. Nach der Wende nannte sich die AWG in Wohnungsbaugenossenschaft "Vorwärts" eG um. Heute verfügt die Genossenschaft über zirka 4900 Wohnungen und zählt 7500 Mitglieder. Sie gehört damit zu den größten Wohnungsbaugenossenschaften Berlins.

Nostalgiewohnung Einbecker Straße 102, geöffnet: dienstags, 10 bis 12 Uhr, donnerstags, 14 bis 16 Uhr (außer an Feiertagen). Der Eintritt ist frei.

Karen Noetzel / KEN
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