Aktion gegen Schließung: Über 1500 Bücher entliehen

Dichtes Gedränge bei der Buchausleihe. (Foto: Ihlau)

Friedrichshagen. Am letzten Freitag im Juni bildeten sich vor der Johannes-Bobrowski-Bibliothek in der Peter-Hille-Straße lange Schlangen. Mit einer Aktion versuchten Anwohner, ihre von der Schließung bedrohte Kiezbücherei zu retten.

Genau 1567 ausgeliehene Bücher vermeldet die Bürgerinitiative "Bibliotheken erhalten", das ist das Fünffache der sonst in diesem Zeitraum üblichen Menge. Viele Entleiher waren einem Aufruf der Initiative gefolgt und extra nach Friedrichshagen gekommen, es gab auch mehrere Neuanmeldungen. "Das zeigt, wie sehr die Friedrichshagener ihre Bibliothek brauchen" teilt Frank Renken von der Initiative mit.

Ebenfalls für den Erhalt der im Nebengebäude einer Grundschule untergebrachten Bibliothek setzt sich die Johannes-Bobrowski-Gesellschaft ein. Sie befürchtet, dass der Name des bekannten Friedrichshagener Dichters mit einer Schließung aus dem Ortsbild verschwinden würde.

Beiden Initiativen kann der für Bibliotheken zuständige neue Stadtrat Michael Vogel (CDU) aber nur wenig Hoffnung machen. "Uns fehlen in Friedrichshagen die technischen Voraussetzungen, um ein elektronisches Buchungs- und Diebstahlschutzsystem einzubauen. Damit würde die Bibliothek ab März 2015 aus dem Verbund der Berliner Bibliotheken herausfallen und damit die Möglichkeit der Fernleihe entfallen. Das wäre ein weiterer Attraktivitätsverlust", meint der Stadtrat.

Die einzige Chance, vor Ort eine Bibliothek zu erhalten, ist seiner Meinung nach die Umwandlung in eine Schulbibliothek mit öffentlicher Nutzung. Nach derzeitigen Plänen würden dafür 16 Stunden Öffnungszeit pro Woche für die Allgemeinheit zur Verfügung stehen, außerdem würde der Bibliotheksbus einmal pro Woche zusätzlich in Friedrichshagen Station machen. Damit diese Lösung realisiert werden kann, würden eine Personalstelle aus dem Bereich Bibliotheken und eine Personalstelle aus dem Bereich Schulbibliotheken zur Verfügung gestellt werden. "Das ist die einzige Chance, in Friedrichshagen ein Angebot für Bibliotheksnutzer zu erhalten", sagt Michael Vogel.

Die Initiatoren der Bürgerinitiative "Bibliotheken erhalten" sind mit dieser Lösung bisher jedoch nicht einverstanden. "Das ist ein Sterben auf Raten", teilt Frank Renken in einer Pressemitteilung mit.


Ralf Drescher / RD
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