Die Neubaupläne der WBM sorgen für Unruhe

Kommen die Neubauten wird auch dieser Spielplatz in einem Wohnkarree an der Palisadenstraße verschwinden. Das befürchten zumindest viele Anwohner. (Foto: Frey)

Friedrichshain. Der Bezirk wird, laut Prognosen, in den nächsten zehn Jahren um rund 16.000 Einwohner wachsen. Weitere Wohnungen sowie Ausbau im bisherigen Bestand müssen deshalb her.

Die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) plant in den kommenden Jahren Neubauten auf 22 Grundstücken im westlichen Friedrichshain. Dort sollen bis zu zehngeschossige Hochhäuser, jedes mit ungefähr 38 Wohnungen, entstehen.

"Nachverdichtung" nennt die WBM dieses Vorhaben. Es betrifft zum Beispiel Flächen rund um die Kraut- oder die Koppenstraße oder im nördlichen Bereich der Karl-Marx-Allee.

Vorgestellt wurden die Pläne zum ersten Mal im November 2014 im Stadtplanungsausschuss. Schon als die Berliner Woche damals darüber berichtete, reagierten die ersten Mieter aufgeschreckt. Inzwischen hat sich der Protest formiert.

"Das ist nicht hinnehmbar", sagt Hans-Joachim Trappen, Mitglied des Mieterbeirats. Nach seiner Meinung habe die Nachverdichtung nicht nur Auswirkungen auf die Wohnqualität, sondern schädige außerdem das Klima. "Wenn es jetzt heißt, für die dafür benötigten Grundstücke gibt es Ersatzflächen, dann frage ich mich, warum nicht gleich auf denen gebaut wird?"

Auch in der Bezirkspolitik schlägt das Thema Wellen. Dort geht es vor allem darum, bestimmte Anliegen durchzusetzen. Ein inzwischen gemeinsamer Antrag von Linken, SPD und Bündnis90/Grüne listet zahlreiche Kriterien auf, die bei den Neubauplänen berücksichtigt werden sollen. Dazu gehören unter anderem Wohnungen für Familien, Senioren oder Behinderte sowie ein Ausgleich für verlorene Spiel-, Grün- oder Parkplätze. Auch die Anpassung der sozialen Infrastruktur müsse berücksichtigt werden.

Das Herzstück ist aber die Forderung, dass zwei Drittel der neuen Wohnungen im preiswerten Segment angeboten werden sollen. Bei diesem Vorstoß fiel WBM-Geschäftsführer Lars Ernst bei der Sitzung des Stadtplanungsausschuss am 3. Juni fast vom Stuhl. "Bei privaten Investoren ist von so einem hohen Anteil keine Rede", merkte er an. Replik aus dem Ausschuss: Dort gebe es auch weniger Einflussmöglichkeiten, als bei einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft.

Ein weiteres Anliegen ist eine umfassende Bürgerbeteiligung. Gerade an den zunächst nur spärlichen Informationen hat sich der Protest als erstes entzündet.

Ein weiteres Einbeziehen mache erst Sinn, wenn das Vorhaben konkret werde, argumentierte die WBM. Bisher handle es sich lediglich um einen Masterplan, der so auch nicht unbedingt eins zu eins umgesetzt werde. Aber selbstverständlich werde es eine Bürgerbeteiligung geben. Auch mit den Mieterbeiräten fänden Gespräche statt und vorgesehen seien bisher verschiedene Veranstaltungen in den einzelnen Quartieren. Zumal die Umsetzung an einigen Stellen schon ziemlich konkret wird. Das betrifft vor allem die nördlichen Krautstraße, für die es bereits einen positiven Bauvorbescheid gibt. Hier soll die Planung im Sommer beginnen.

Für die südliche Koppenstraße wird derzeit eine Bauvoranfrage vorbereitet. In diesem Bereich geht es auch deshalb so schnell, weil hier der Paragraph 34 Baugesetzbuch zum Tragen kommt. Er besagt, dass Neubauten ohne Bebauungsplan genehmigt werden müssen, wenn sie sich am umliegenden Bestand des Quartiers orientieren. Auch nach Ansicht von Baustadtrat Hans Panhoff (B90/Grüne) ist das an dieser Stelle gegeben.

Anders sieht es bei vielen ebenfalls für eine Nachverdichtung vorgesehenen Flächen nördlich der Karl-Marx-Allee aus. Hier ist ein städtebaulicher Wettbewerb vorgesehen. Gerade in dieser Gegend ist der Protest der Mieter besonders groß.


Thomas Frey / tf
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