Einen Zaun an der Mauer: Die East Side Gallery soll besser geschützt werden

Fotos durch den Bauzaun. Die Barriere hält die Besucher auf Abstand. (Foto: Thomas Frey)
 
Im westlichen Abschnitt ist die East Side Gallery jetzt durch einen Bauzaun geschützt. (Foto: Thomas Frey)
Berlin: East Side Gallery |

Friedrichshain. Die Aktion startete am Morgen des 4. November. Mitarbeiter des Grünflächenamtes begannen gegen 7 Uhr damit, einen Bauzaun vor der East Side Gallery entlang der Mühlenstraße aufzubauen.

Das etwa zwei Meter hohe Hindernis wurde zunächst im westlichen Abschnitt zwischen Stralauer Platz und dem Hinkel-Hochhaus aufgestellt. Es verläuft gut eine Armbreite von der Mauer entfernt auf dem Gehweg. und soll die dort aufgemalten Kunstwerke vor weiteren Schmierereien schützen. Der Zaun ist als Provisorium gedacht, bis andere Barrieren gegen solche Übergriffe eingerichtet werden.

Die Entscheidung für dieses Bollwerk fiel innerhalb weniger Tage oder sogar Stunden. Ihr Auslöser waren die frustrierenden Erfahrungen auch während der derzeit laufenden Reinigung.

Wie berichtet, werden die Bilder seit Oktober von Graffiti und anderen Hinterlassenschaften vieler Gallery-Besucher gesäubert. 230 000 Euro kostet die Aktion, die je zur Hälfte vom Bund und dem Land Berlin bezahlt wird. Sie soll zunächst bis zum Wintereinbruch andauern und nach der Frostperiode fortgesetzt werden. Aber schon nach einigen Tagen stellten die Reiniger fest, dass sie hier eigentlich eine unnütze Arbeit verrichten. Denn kaum haben sie einige Meter geschafft, werden die geputzten Bilder erneut „verziert“.

Genervt von diesem Katz- und Maus-Spiel war auch Adalbert Klees. Der technische Leiter des Grünflächenamtes hat, wie berichtet, vor kurzem zwei Touristinnen aus Japan und den USA auf frischer Tat ertappt, als sie ihre „Kunst“ mit Hilfe von Sprühdosen auf dem Betonwall anbringen wollten. Und ihm dann auch noch erklärten, dass sei doch hier erlaubt.

Deshalb gibt es als Konsequenz jetzt den Bauzaun. Der ist natürlich eine ziemlich einschneidende Lösung. Dort wo er bereits steht, können die Bilder nur noch hinter der Barriere betrachtet werden. Wer sie fotografieren möchte, muss sich einige Verrenkungen einfallen lassen. Dadurch soll aber jedem klar werden, dass er hier nicht einfach herumschmieren kann.

Wie der endgültige Schutz aussehen soll, wird derzeit noch diskutiert. Einige Varianten wurden bereits verworfen. Zum Beispiel die Idee, einen ständigen Wachschutz zu installieren. Der würde rund 300 000 Euro im Jahr kosten und sei damit viel zu teuer.

Auch der Gedanke, vor den Kunstwerken Plexiglasscheiben anzubringen, erwies sich als wenig zielführend. Dann würden wahrscheinlich sie zum Opfer von Schreib- und Tag-Attacken.

Eher läuft es darauf hinaus, entlang der East Side Gallery einen etwa einen Meter hohen Gitterzaun einzurichten, der ebenfalls als natürliches Hindernis dienen soll. Zwar wäre der mit einigermaßen Geschick zu überwinden, aber allein sein Vorhandensein könnte einigermaßen abschreckend wirken, hofft das Grünflächenamt. Flankiert werden soll das Gitter mit Hinweisschildern, die in mehreren Sprachen erklären, dass es sich hier um einen Erinnerungsort handelt, der natürlich nicht bemalt werden darf.

Für dieses Vorhaben muss aber erst einmal Geld aufgetrieben werden. Ein entsprechendes Schreiben an den Senat hat das Bezirksamt bereits abgeschickt. Dort müsste ebenfalls ein Interesse bestehen, dass die East Side Gallery dauerhaft sauber bleibt. Denn passiere nichts, dann seien die Kosten für die aktuelle Reinigung ganz umsonst ausgegeben worden. tf
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