"Etwas jungfräulich": Der "Freibeuter" kommt nicht von der Stelle

Der bisherige Ankerplatz des "Freibeuters" in der Rummelsburger Bucht. (Foto: Thomas Frey)
 
Einst Jugendfreizeitstätte soll der "Freibeuter" jetzt zum Standort für alternatives Leben und Arbeiten werden. (Foto: Thomas Frey)
Berlin: Rummelsburger Bucht |

Friedrichshain. Am westlichen Ufer der Rummelsburger Bucht liegt das ehemaligen Jugendfreizeitschiff "Freibeuter". Es war lange ungenutzt, verwitterte vor sich hin, hat aber jetzt einen neuen Besitzer gefunden.

Bei ihm handelt es sich um den Verein "Spreewohnen e. G.". Er kaufte das Schiff für rund 225 000 Euro vom Bezirk. Eine Summe, die nicht unbedingt einkalkuliert war. Noch im vergangenen Sommer meinte die damalige Immobilienstadträtin Jana Borkamp (Bündnis 90/Grüne), sie sei schon froh, wenn Friedrichshain-Kreuzberg "plus/minus Null" aus einer Veräußerung herauskomme. Denn einem Käufer blieben wohl wenig andere Möglichkeiten, als das Schiff zu verschrotten.

Die Spreewohnengesellschaft sieht das anders. Sie plant auf dem Kahn ein alternatives Daseinskonzept zu verwirklichen, das aus "forschen und wohnen" bestehe. So erklärte das Vereinsmitglied Markus Ibrom im Stadtplanungsausschuss. Dazu gehöre zum Beispiel auszuprobieren "wie komplett unabhängig von allen Medien eine Gemeinschaft in einem Ballungsgebiet leben kann".

Bevor solche und andere Ideen aber konkret werden können, haben Ibrom und seine Mitstreiter ein ganz großes Problem, denn der "Freibeuter" kann nicht an seiner bisherigen Stelle bleiben. Das gilt erst recht, wenn auf dem Schiff auch teilweise gewohnt werden soll. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hatte bereits vor einigen Jahren den Bau von schwimmenden Häusern, sogenannten Floating Homes, in der Rummelsburger Bucht verboten. 2016 wurde eine Klage gegen den Beschluss vom Gericht abgeschmettert.

Der Verein hat diese Lage anscheinend unterschätzt. Man sei da "etwas jungfräulich herangegangen", räumte Markus Ibrom ein. "Wir haben gedacht, das ist wie ein Hauskauf", entgegnete er dem Hinweis, dass die Verlagerung im Vertrag festgeschrieben sei. "Das war naiv".

Das Schiff muss also weg. Aber wohin? Darauf gibt es aktuell keine Antwort. Schon weil die Möglichkeiten bereits theoretisch begrenzt sind. Wegen ihrer Größe und Beschaffenheit hat die ehemalige schwimmende Jugendfreizeitstätte eine sehr eingeschränkte Manövrierfähigkeit. "Sie endet an der nächsten Brücke", so Ibrom. Und entlang der Ufergebiete, die ohne Durchfahren einer Überführung erreicht werden könnten, fand sich bisher kein Ankerplatz. Auch nicht an der Anlegestelle am Treptower Park. Der Freibeuter würde dort ebenfalls den Rahmen sprengen.

Der Verein solle nach weiteren eventuellen Liegestellen Ausschau halten, die dann geprüft werden, meinte Baustadtrat Florian Schmidt (Bündnis 90/Grüne). Auch zu einem Gespräch ins Stadtplanungsamt hat er die Vertreter von Spreewohnen eingeladen, denn natürlich hat der Bezirk ein Interesse, dass das Schiff eine neue Heimat findet. Schon damit der Verkauf nicht platzt.

Von der vereinbarten Kaufsumme seien inzwischen drei Prozent angezahlt worden, erklärte Markus Ibrom. Darüber hinaus wünsche sich seine Gesellschaft eine Kooperation mit dem Bezirk. Man könnte etwa bei Projekten im Bereich Soziales, Technik oder Architektur zusammenarbeiten, warb er. Daraus könnte allerdings frühestens erst dann etwas werden, wenn die Zukunft des "Freibeuters" endgültig feststeht. tf
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