Freudenberg-Areal: Ehemaliger Friedhof entdeckt

Erdarbeiten, die eher an eine archäologische Ausgrabung erinnern. (Foto: Heidi Neppach)

Friedrichshain. Im November hatten wir darüber berichtet, dass sich auf dem Gelände des Freudenberg-Areals an der Boxhagener Straße Grabstellen befinden könnten.

Gerüchten zufolge sollen dort Zwangsarbeiter beerdigt worden sein, die während des Zweiten Weltkriegs in den Fabriken auf dem Gelände arbeiten mussten und dabei gestorben sind.

Auf dem Grundstück seien keine sterblichen Überreste entdeckt worden, hieß es aber nach einer Nachfrage beim Investor des Grundstücks, der Firma Bauwert. Vielmehr werde auf dem Gelände der kontaminierte Boden abgetragen, so Sprecher Henning Hausmann. Anwohnerin Heidi Neppach ließ das keine Ruhe. Sie machte nach ihren Angaben bereits im Herbst ein Foto von den Arbeiten und schickte es jetzt an die Berliner Woche. Darauf gut zu erkennen sind rechteckige Felder, die wie Gräber aussehen.

Es stelle sich die Frage, warum das von der Bauwert geleugnet werde, meinte Heidi Neppach, die auch Mitglied der Ideenwerkstatt Freudenberg-Areal ist. Diese Bürgerinitiative kritisiert die nach ihrer Ansicht viel zu massive geplante Bebauung.

Mit diesen Erkenntnissen konfrontiert, bestätigte die Bauwert jetzt: Ja, es wurden in einem Teilbereich an der Boxhagener und Holteistraße Skelette entdeckt. Begraben wurden dort aber nicht Zwangsarbeiter, vielmehr handle es sich um einen ehemaligen Friedhof. Weitere Nachforschungen hätten ergeben, dass er 1809 von böhmischen Kolonisten angelegt wurde und bis 1913 existierte. Nach Angaben von Unternehmenssprecher Hausmann sind die Gräber etwa parallel zur Anfrage der Berliner Woche entdeckt worden. Eine archäologische Untersuchung sei dort ohnehin vorgesehen gewesen. Trotzdem habe der Fund überrascht. "Dass sich dort einmal ein Friedhof befand, war bisher nicht einmal dem Bezirksamt bekannt", so Hausmann.

Mitglieder der Ideenwerkstatt behaupten wiederum, dass sie die Bauwert schon sehr früh auf die einstige Begräbnisstätte hingewiesen hätten. Auch Heidi Neppach erwähnte sie in ihrer E-Mail. Und nicht nur sie interessiert, was mit den sterblichen Überresten passiert.

Sie werden derzeit in Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt archäologisch dokumentiert, erklärt Henning Hausmann. Wenn das abgeschlossen sei, sollen sie auf einem städtischen Friedhof bestattet werden. Wie viele Skelette gefunden wurden, konnte er auf Anhieb nicht sagen. Mehr als zehn seien es auf jeden Fall.


Thomas Frey / tf
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