Geplante Neubauten der WBM sorgen weiter für Kritik und Widerstand

Neues Haus statt Bäume. Hier an der Krautstraße soll ein Neubau entstehen. (Foto: privat)
 
Gibt es auch an dieser Stelle ein Punkthochhaus, wird es diese Aussicht nicht mehr geben. (Foto: privat)

Friedrichshain. Seit die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) vor einem Jahr ihre Neubaupläne für das westliche Friedrichshain öffentlich machte, gibt es Aufregung im Kiez. Auch manches Entgegenkommen sorgte bisher für wenig Beruhigung.

Dabei hat die WBM die ursprüngliche Dimension ihrer Bauvorhaben inzwischen merklich eingedampft. Statt einst mehr als 30 soll es jetzt nur noch etwa 20 neue sogenannte Punkthochhäuser geben, wie WBM-Geschäftsführerin Christina Geib Anfang November im Stadtplanungsausschuss erklärte.

Dazu hat der Bezirk Bauvoranfragen für drei geplante Häuser an der Koppenstraße zunächst negativ beschieden. An dieser Stelle sei das Stadtplanungsamt der Meinung, dass sich die Bauten nicht in die vorhandene Gebäudestruktur einpassen, erklärte Baustadtrat Hans Panhoff (Bündnis90/Grüne). Wie mehrfach berichtet, will die Wohnungsbaugesellschaft die meisten Gebäude mit Bezug auf den Paragrafen 34 Baugesetzbuch errichten. Er besagt, dass ein Neubau genehmigt werden muss, wenn er sich am benachbarten Bestand orientiert.

Aber nicht nur dieses Vorgehen stößt auch in der BVV auf Kritik. Bemängelt wird außerdem, dass die WBM vor allem sogenannte Punkthochhäuser bauen will. Damit sind zehngeschossige Hochhäuser gemeint, die auf verschiedenen Freiflächen im Quartier entstehen sollen. Das Versteifen auf allein diesen Gebäudetyp sei wenig einfallsreich, meint John Dahl (SPD), Vorsitzender des Stadtplanungsausschuss. Er fordert, dass passgenauere Alternativen für jeden möglichen Standort geprüft werden sollen. Etwa im Rahmen eines Bebauungsplanverfahrens für das gesamte Gebiet.

Während es aber in der Bezirkspolitik mehrheitlich darum geht, wie das Neubauvorhaben ausgestaltet werden soll, neue Wohnungen aber nicht grundsätzlich abgelehnt werden, kämpfen viele Mieter gegen das Projekt insgesamt, zumindest in seiner bisherigen Größenordnung. Daran ändert auch das mittlerweile abgespeckte Volumen wenig. Groß ist der Widerstand zum Beispiel im Bereich der Krautstraße. Denn dort hat der Bezirk keinen Einspruch gegen ebenfalls drei geplante Punkthochhäuser erhoben.

Nicht nur gegen diese Pläne machte zuletzt ein „Aktionsbündnis Lebenswertes Wohnen in Friedrichshain-West“ mobil. In einem Brief samt Fragenkatalog an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) sowie an die Senatoren Andreas Geisel (SPD, Stadtentwicklung) und Mario Czaja (CDU, Gesundheit und Soziales) listet das Bündnis zahlreiche Einwände gegen die geplante Nachverdichtung auf. Es geht dabei um den Verlust von Grün- und Freiflächen, das Fehlen einer entsprechenden Infrastruktur für die zusätzlichen Bewohner, mehr Autos, Lärm und Feinstaub, dafür weniger Frischluftzufuhr oder Nachteile für den auch sozialen Zusammenhalt, um nur einige Punkte zu nennen. Und das alles passiere im ohnehin am dichtest besiedelten Bezirk Berlins.

Dazu beklagen die Aktivisten, dass die WBM erst sehr spät über die Pläne informiert habe.

Zumindest letzteres hat sich, auch nach öffentlichem Druck, inzwischen geändert. Mit Unterstützung der Wohnungsbaugesellschaft sind Mieterbeiräte entstanden, auch einige Informationsveranstaltungen hat es mittlerweile gegeben. Und es wurde ein Runder Tisch installiert, bestehend aus Sprechern der Bewohner, Vertreter von Senat, Bezirk und der WBM. Dessen nächste Sitzung findet am 30. November statt.

Die WBM ist in der ganzen Debatte sowohl Akteur als auch Adressat unterschiedlichster Wünsche. Vom Land Berlin hat sie als kommunale Gesellschaft den Auftrag für möglichst viele neue Wohnungen zu sorgen. Der Bezirk hofft gerade bei einem landeseigenen Unternehmen manche Forderungen durchsetzen zu können. Etwa die nach einem hohen Anteil bezahlbarer Wohnungen. Auf diese Gemengelage trifft wiederum der Protest der Bewohner. tf
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