Holzmarkt-Projekt liegt im Clinch mit der Stadtplanung

Der sogenannte Mörchenpark ist auf dem Holzmarkt-Gelände bereits in Betrieb. Streit gibt es um das Eckwerk, das nördlich davon entstehen soll. (Foto: Frey)

Friedrichshain. Die Auseinandersetzungen nahmen Andreas Steinhauser von der Holzmarkt-Genossenschaft so mit, dass er einen kurzzeitigen Schwächeanfall erlitt. Auch als er sich erholt hatte, ging die Debatte hochemotional weiter.

Der Ort der Handlung: Die Sitzung des Stadtplanungsausschusses am 22. Oktober. Die Ursache: Das Baupropjekt "Eckwerk", das im nördlichen Teil des durch die Stadtbahntrasse geteilten Geländes an der Holzmarktstraße entstehen soll. Die Genossenschaft will dort Studentenwohnungen, aber auch Büroräume, etwa für Startups, Künstler und andere Kreative errichten.

Ihre ursprünglichen Pläne möchte sie allerdings abändern. Vor allem geht es um eine andere Anordnung der Baumasse. Die höheren Gebäude sollen näher an die Holzmarktstraße, statt wie zunächst vorgesehen eher in das Innere des Areals.

Darüber herrscht auch allgemeiner Konsens. Streit gibt es aber über die Frage, welche Konsequenzen das hat. Während salopp gesagt, die Holzmarkt-Leute der Meinung sind, die Neujustierung könnte ohne größere Hürden genehmigt werden, besteht das Stadtplanungsamt auf einer Änderung des Bebauungsplans. Vor allem verlangt die Verwaltung ein Lärmgutachten sowie eine Beteiligung der Öffentlichkeit.

Bliebe es dabei, sei das Projekt hochgradig gefährdet, klagten der kurzzeitig geschwächte Steinhauser und Christoph Klenzendorf, ehemaliger Mitbetreiber der Bar25, die sich einst an diesem Ort befand. Denn ohne einen festgesetzten Bebauungsplan bekämen sie keinen Kredit von der Bank. Schon jetzt liefen aber Kosten auf, die die Genossenschaft bisher aus eigener Tasche bestreiten müsse. Einen Zeitraum von etwa einem Jahr für das weitere Verfahren, wie Baustadtrat Hans Panhoff (B 90/Grüne) skizzierte, sei viel zu lang. Zumal, so der Vorwurf, das in früheren Gesprächen anders geklungen habe.

Er habe immmer deutlich gemacht, dass hier noch einige Fragen zu klären seien, konterte Panhoff. Etwa was die künftige Wohnnutzung betreffe. Ursprünglich sollte die erst ab der neunten Etage stattfinden. Jetzt sei die Rede davon, Wohnen bereits im ersten oder dritten Stockwerk möglich zu machen. Schon deshalb sei ein Lärmgutachten Bedingung.

Vor allem aber ging es dem Stadtrat um eine grundsätzliche Frage. Auch wenn das Projekt allgemeine Zustimmung finde, könne es hier keine anderen Regularien geben, wie bei allen anderen Bauvorhaben.

Dass die Holzmarkt-Genossen auf starke Unterstützung bauen können, zeigte sich an dem Engagement, mit dem sich SPD und Linke für sie ins Zeug legten. Mit deren Stimmen verabschiedete der Ausschuss einen Antrag, der verlangt, dass das Lärmgutachten erst nach dem Ende des Bebauungsplanverfahrens durchgeführt werden darf. Allerdings haben sich die Fraktionen von Bündnis90/Grüne und der Piraten dazu noch nicht positioniert und sich erst einmal enthalten. Sie hätten die Mehrheit, um den Antrag abzulehnen.


Thomas Frey / tf
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