Kurth-Gruppe neuer Eigentümer auf dem RAW-Gelände

"Hier ist noch Platz." Die neuen Eigentümer Hans-Rudolf und Lauritz Kurth auf dem RAW-Areal. (Foto: Frey)
 
52 000 von 70 000 Quadratmeter Fläche gehören jetzt Hans-Rudolf und Lauritz Kurth. (Foto: Frey)
Berlin: RAW-Gelände |

Friedrichshain. Der Auftritt der beiden Herren war eine Art vertrauensbildende Maßnahme. Am 28. April stellten sich Dr. Hans-Rudolf Kurth (59) und sein Sohn Lauritz Kurth (27) als neue Eigentümer auf dem RAW-Gelände vor.

Ihr Familienunternehmen, die Bau- und Immobilienfirma Kurth-Gruppe aus Göttingen, hat zum 1. April 52.000 der insgesamt 70.000 Quadratmeter des Areals an der Revaler Straße erworben (die Berliner Woche berichtete darüber exklusiv). Die Fläche von der Warschauer Straße bis zum Tor drei an der Dirschauer Straße gehörte bisher der isländischen BNRE. Als Kaufpreis wird eine Summe um die 25 Millionen Euro kolportiert, zu der sich weder der Senior- noch der Juniorchef äußern wollten.

Ihnen ging es bei dem Pressegespräch um andere Botschaften. Zunächst vor allem um die, dass mit ihnen keine anonymen Investoren auf das Gelände gekommen sind. "Zu unserem Geschäft gehört es, unsere Flächen selbst zu entwickeln, zu vermieten und zu verwalten", erklärten Vater und Sohn.

Auf das RAW bezogen heißt das: Die bisherige "DNA" als Club-, Kultur- und Freizeitstätte soll bestehen bleiben. Deshalb hätten sie bereits in den vergangenen Wochen Kontakt zu zahlreichen Akteuren aufgenommen. Es sei ihnen wichtig gewesen, mit ihnen passende Lösungen für die Fortsetzung der Arbeit und des Lebens auf dem Areal zu finden.

Dabei soll es aber nicht bleiben. Vielmehr wollen Hans-Rudolf und Lauritz Kurth weitere Nutzer ansiedeln. Sie denken dabei in Richtung innovativer Start-ups, Gewerbebetriebe, Büros auch Einzelhandel. Dadurch gebe es dann rund um die Uhr Leben auf dem Gelände, meinen die neuen Eigentümer.

Platz dafür wäre vorhanden, ohne dass bisherige Mieter verdrängt würden. Etwa in der großen Halle am Südrand vis-à-vis der Eisenbahngleise. Sie müsste aber zunächst saniert werden.

Außerdem geht es um eine "Nachverdichtung", also Neubauten. Sie sollten sich an den umliegenden Bestandsgebäuden ausrichten, wünscht sich Hans-Rudolf Kurth. In welcher Größenordnung das passieren soll, blieb erst einmal vage. Nur so viel: "Freie Flächen sind auf jeden Fall noch genügend vorhanden."

Gerade bei dieser Frage geht es auch um eine Abstimmung mit dem Bezirk. Der wird schon den Wunsch nach Gebäudehöhen wie in der Nachbarschaft eher zurückhaltend bewerten. Erleichtert werden könnten die Gespräche wiederum dadurch, dass die Kurth-Gruppe zumindest aktuell nicht an Wohnungsbau interessiert ist. "Wir kennen die Beschlusslage der BVV", machte Lauritz Kurth deutlich. Dort werden Wohnungen auf dem Gelände schon deshalb mehrheitlich abgelehnt, weil dadurch weitere Konflikte wegen des nächtlichen Treibens auf dem RAW-Areal befürchtet werden. Deshalb wehrt sich der Bezirk auch gegen entsprechende Pläne der R.E.D. Berlin Development, dem Besitzer im Ostteil des Geländes, der dort ein neues Wohnquartier bauen möchte.

Wobei Lauritz Kurth auch die unterschiedlichen Interessenlagen in der Bezirkspolitik nicht verborgen geblieben ist: "Während die Grünen Wohnungen hier kategorisch ablehnen, ist die SPD dafür eher offen."

Nicht nur in diesem Fall zeigten sich Vater und Sohn über manche Befindlichkeiten gut informiert. Vermutungen, die Niedersachsen hätten sich vielleicht etwas blauäugig in dieses Abenteuer gestürzt, konnten sie einigermaßen zerstreuen. Auch dass sie wahrscheinlich einen langen Atem brauchen, ist ihnen bewusst. Nachfragen, wie sich ihr Millionendeal amortisieren soll, werden mit dem Verweis auf bereits bestehende Einnahmen durch die Mieten gekontert. Wer eine freie Fläche kaufe, habe diese Möglichkeit nicht, müsse aber ebenfalls oft lange warten, bis er etwas bauen könne.

Und sie versprachen ein "kooperatives Verfahren" zur Entwicklung des Areals mit Nutzern, Anwohnern und weiteren Interessierten. Das soll im Sommer beginnen.

Ihre Ankündigungen sicherten den Kurths ebenso ein gewisses Anfangswohlwollen wie der schnelle Kontakt zu den Nutzern und ihre regelmäßige Präsenz vor Ort. Allerdings gilt das nicht uneingeschränkt.

Getroffene Absprachen seien bisher eingehalten worden und statt wie in der Vergangenheit häufig über Anwälte werde jetzt mit den Eigentümern direkt verhandelt, meinte etwa Holger Werner vom Verein CloF. Auch der inzwischen insolvente RAW-Tempel zeigte sich einigermaßen offen, ist aber nicht besonders glücklich darüber, dass die neuen Besitzer vorhaben, zwei ihrer bisher genutzten Gebäude - nämlich das Beamtenwohnhaus und das Verwaltungsgebäude - nach einer Renovierung anderweitig zu vermieten. Die Initiative RAW-Kulturensemble warnte wiederum vor massiven Neubauten und störte sich an der eher ablehnenden Haltung beim Thema einer großen Parkfläche auf dem Areal.

Alle Interessen würden sie sicher nicht unter einen Hut bringen, ist auch Vater und Sohn Kurth bewusst. Aber ihr Ziel sei, zumindest viele mitzunehmen. Die Zukunft wird zeigen, ob und wie ihnen das gelingt.


Thomas Frey / tf
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