Neues Leben statt letzte Ruhe

Der Friedhofseingang an der Landsberger Allee. (Foto: Frey)

Friedrichshain. Die Friedhöfe zwischen der Friedenstraße und Landsberger Allee sind die größte Friedrichshainer Begräbnisstätte. Allerdings wird ihr Platz nicht mehr vollständig gebraucht. Andere Nutzungen sind deshalb teilweise erlaubt.

Auch in geringem Umfang Wohnungsbau. Den möchte der evangelische Kirchhof- und Friedhofsverband dort am Nordeingang verwirklichen. An der Landsberger Allee sollen zwei sechsgeschossige Gebäude entstehen. Eines, in Richtung Matthiasstraße, zwar erst in einigen Jahren, weil dort noch Ruhefristen eingehalten werden müssen. Beim zweiten Haus, östlich davon, könnte es dagegen schon bald losgehen. Wenn ein entsprechender Bebauungsplan verabschiedet wird.

Dafür warben Pfarrer Jürgen Quandt, Geschäftsführer des Friedhofsverbandes und Siegfried Kleimeier von der Stadtentwicklungsgesellschaft Stattbau am 30. April im Ausschuss für Stadtplanung. Wegen veränderter und platzsparender Bestattungsrituale bleiben Friedhofsflächen künftig ungenutzt. In Friedrichshain haben im vergangenen Jahr nur noch 82 von insgesamt 728 dort beigesetzten Menschen in einem Erdgrab ihre letzte Ruhe gefunden. 280 erhielten ein Urnengrab, die meisten, nämlich 365 wurden ebenfalls als Urne in einem anonymen Gräberfeld beigesetzt. "Das ist ein Trend, den ich als Christ zwar nicht gut finde. Er ist aber gesellschaftliche Realität", meinte Jürgen Quandt.

Teile der freien Flächen können deshalb anderweitig vermarktet werden. Als Grünanlagen. Oder für neue Wohnungen. Wobei das Vorhaben an der Landsberger Allee nur einen winzigen Bereich des Areals umfasse und das Gesamtensemble nicht beeinträchtige, betonten der Pfarrer und der Stattbau-Verantwortliche. Das erste Gebäude soll durch eine Baugruppe errichtet werden. Geplant sind rund 30 Eigentumswohnungen. Interessenten seien vor allem Menschen die bereits jetzt in den umliegenden Quartieren leben.

Trotzdem hatten einige Bezirksverordneten mit dem Leben auf dem Friedhof gewisse Schwierigkeiten. Und nicht nur damit. Wie wolle sich der Investor an Folgeeinrichtungen, etwa Kitas, beteiligen, wurde beispielsweise gefragt. Andere erinnerten an den BVV-Beschluss, nach dem bis zu einem Drittel neuer Wohnungen zu günstigen Mietpreisen angeboten werden sollen. Und warum gebe der Friedhofsverband dieses Haus nicht einer karitativen Einrichtung, wollte der Ausschussvorsitzende John Dahl (SPD) wissen. Letzteres passiere bereits an anderer Stelle, konterte Siegfried Kleimeier. Wohnungen, zum Beispiel für behinderte Menschen, seien im zweiten Gebäude geplant. Die Aufforderung, einen Beitrag für öffentliche Einrichtungen zu erbringen, stieß dagegen auf Unverständnis. "Den leisten wir bereits indem wir mit dem Friedhof mitten in der Stadt eine Freifläche zur Verfügung stellen", so das Argument. Wobei gerade in diesem Punkt das letzte Wort noch nicht gesprochen ist, wie Baustadtrat Hans Panhoff (B 90/Grüne) andeutete. Eventuell auch in Zusammenhang mit anderen Bauprojekte in der Umgebung, namentlich den Plänen auf dem ehemaligen Areal der Patzenhofer Brauerei, vis-á- vis an der Landsberger Allee.

Ansonsten zeigte sich der Stadtrat dem Vorhaben gegenüber aufgeschlossen.


Thomas Frey / tf
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