Pläne am Frankfurter Tor stoßen auf heftigen Widerstand

Um diesen Gebäudekomplex geht es. Das leer stehende Bürohaus am Frankfurter Tor/Ecke Warschauer Straße. (Foto: Frey)

Friedrichshain. Immobilieninvestoren haben es im Bezirk meist nicht leicht. Aber selten wurde ein Bauherr fraktionsübergreifend so zerpflückt wie am 11. Dezember im Stadtplanungsausschuss.

An diesem Abend stellte die Cresco Capital Studenthouse Projektentwicklungsgesellschaft ihre Pläne für den Komplex des ehemaligen Bundesbauamtes 2 am Frankfurter Tor vor. Wie die Berliner Woche bereits berichtete, sollen dort knapp 500 Studentenappartements in den Bestandsgebäuden sowie zwei Neubauten entstehen. Dazu eine Gewerbezeile mit Café, Einzelhandel, Fitnessstudio und Apotheke sowie ein Waschsalon und eine Bar mit Kegelbahn im Keller.

Vorgesehen ist eine Art abgeschlossenes Studentenviertel für einigermaßen solvente Mieter. Zumindest war das der Eindruck nach den Ausführungen von Cresco Capital-Geschäftsführer Alexander Bürk. Er machte deutlich, dass das Quartier höchstens zeitweise öffentlich zugänglich ist. Auch an einen Wachschutz sei gedacht. Denn, so ließ Bürk durchblicken, seine nicht zuletzt aus dem Ausland avisierten Bewohner könnten ansonsten allerlei Gefahren ausgesetzt sein.

Nicht nur solche Aussagen brachten die Ausschussmitglieder auf die Palme, sondern auch die vorgesehene Miete. Die meisten Appartements sind zwischen knapp 20 und ungefähr 26 Quadratmeter groß. Die kleineren gibt es für etwa 400, die größeren für ungefähr 500 Euro nettokalt. Macht einen Quadratmeterpreis von 20 Euro.

Zur besseren Stimmung trug nicht bei, dass der Geschäftsführer den Preis trotz Nachfragen zunächst nicht nennen wollte. "Selbst Investoren von Luxusimmobilien sagen uns offen, was die Wohnungen bei ihnen kosten. Sie drucksen hier herum", hielt ihm die Bezirksverodnete Taina Gärtner (B 90/Grüne) entgegen. Bürk fand dagegen seine Mietvorstellungen eher erschwinglich. Zumal alle Buden möbliert seien. "Wer sich in Berlin ein Zimmer in einer WG sucht, zahlt nicht viel weniger." Schon aus diesem Grund entlaste er mit seinem Angebot den Wohnungsmarkt, wofür ihm der Bezirk eigentlich dankbar sein müsste. "Derzeit verdrängen Studenten viele Familien, weil es für die Hausbesitzer lukrativer ist, an sie zu vermieten."

Für diese "Dankbarkeit" wünscht sich die Cresco Capital eine Baugenehmigung nach dem ursprünglichen Status dieser Gegend als Mischgebiet von Wohnen und Gewerbe. Auf diese Weise könnte sie ihr Studentenviertel ohne weitere Auflagen realisieren. Denn laut Baurecht ist ein solches Vorhaben auch in einem Gewerbequartier möglich. Der Bezirk hat wiederum im Sommer in einem Aufstellungsbeschluss festgelegt, dass hier lediglich ein reines Wohngebiet in Frage kommt. Das sei aber schon wegen des hohen Lärmpegels am Frankfurter Tor und der Warschauer Straße nicht zu bewerkstelligen, findet der Investor. Eine Frage, die im Zweifelsfall ein Gericht entscheiden müsste.

"Sie können Ihre Vorstellungen natürlich dort durchboxen, aber das kommt nicht so gut an", gab Baustadtrat Hans Panhoff Alexander Bürk und seinen Mitstreitern auf den Weg. Besser sei es, sich auf Kompromisse einzulassen. Zum Beispiel eine Kooperation mit dem Studentenwerk, die der Ausschussvorsitzende John Dahl (SPD) und Michael Schill (CDU) anmahnten. Oder selbst ein Angebot für einen Anteil an preisgünstigeren Appartements zu machen.

In dieser Richtung zeigte die Cresco Capital am Ende ein gewisses Entgegenkommen und sprach von einer Marge von etwa zehn Prozent des geplanten Bestandes, für die ein solcher Nachlass eventuell möglich wäre. Aber nicht nur darüber wird sicher noch mehrfach gestritten werden.


Thomas Frey / tf
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