Das Geschenk an eine Lehrerin der Heinrich-Hertz-Schule schlägt Wellen

Das Heinrich-Hertz-Gymnasium, Ort eines Geschenkgates. (Foto: Frey)
 
Vielleicht hätten die Eltern lieber diese Briefmarkenserie mit Loriot-Motiven schenken sollen. Zu ihr gehört auch, oben links, der Badewannensketch. (Foto: Frey)

Friedrichshain. Ein Geschenk von Eltern an eine Lehrerin des Heinrich-Hertz-Gymnasiums schlägt hohe Wellen. Die Justiz ermittelte und verhängte gegen die Lehrerin eine Geldstrafe und selbst der Regierende Bürgermeister meldete sich zu Wort.

Würde Loriot noch leben, hätte er aus diesem Vorfall wahrscheinlich einen Sketch gemacht. Schon deshalb, weil das Geschenk an die Lehrerin eine Skulptur war, die Loriots bekannten Badewannencartoon zwischen Herrn Müller-Lüdenscheid und Doktor Klöbner nachbildet. Das Geschenk übergaben Eltern der Lehrerin einer damals zehnten Klasse des Gymnasiums schon im Sommer 2011. Die später eingeleiteten juristischen Verfahren endeten Ende 2013. Doch erst jetzt wurde der Vorfall bekannt und schlägt hohe Wellen.

23 Eltern wollten sich damals für das Engagement der langjährigen Klassenleiterin bedanken. Das Präsent kostete 200 Euro. Ein Vater lehnte eine Beteiligung ab und verwies auf die Rechtslage, nach der Lehrer Geschenke nur zum Höchstwert von zehn Euro annehmen dürfen. Später soll er den Vorgang zunächst der Schulaufsicht gemeldet und dann Anzeige erstattet haben.

Die Justiz ermittelte daraufhin. Sie witterte einen Fall von Korruption. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass Schüler durch das Geschenk eine bessere Ausgangsposition haben, wenn sie der Lehrerin in der Oberstufe wieder begegnen sollten, so die Begründung der Staatsanwaltschaft.

Sie stellte das Verfahren gegen die Lehrerin erst nach Auflage einer Geldstrafe von 4000 Euro ein. Auch gegen die Eltern wurden Ermittlungen wegen Vorteilsgewährung eingeleitet. Sie endeten für die meisten Ende 2013 mit der Einstellung des Verfahrens. In zwei Fällen wurde allerdings zunächst eine Vergleichszahlung verlangt. Sie konnte im vergangenen Jahr abgewendet werden.

Seit der Vorfall bekannt geworden ist, schlägt er Wellen. Für viele Beobachter ist er eine Posse, die wenig mit der Lebenswirklichkeit zu tun hat. Das hohe Bußgeld stehe in keinem Verhältnis. Würden ähnliche Maßstäbe beispielsweise für Mega-Steuersünder Uli Hoeneß gelten, müsste der 600 Millionen Euro bezahlen, wird argumentiert.

Und selbst den neuen Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) rief das Geschenk auf den Plan. Er bat jetzt den zuständigen Innensenator Frank Henkel (CDU) zu prüfen, ob Zuwendungen an Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes künftig realitätsnäher möglich sein können. Allerdings gibt es auch Stimmen, die das Verhalten der Lehrerin als im besten Fall naiv bezeichnen. Ein kleines Präsent oder ein verbales Würdigen hätte genauso viel bedeutet.

Wobei der Vorwurf, die Eltern hätten sich durch die Badewannenskulputur irgendwelche Vorteile verschaffen wollen, abwegig erscheint. Nimmt man die 200 Euro und teilt sie durch die 23 Paare, hat jeder etwa acht Euro bezahlt und lag damit unter der zehn Euro Grenze. Wären für dieses Geld massenweise Blumensträuße oder Pralinen gekauft worden. Eine solche Vielzahl kleiner Geschenke hätte wohl niemanden gestört.


Thomas Frey / tf
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