Für wie viele Schüler ist noch Platz?

Mehr Geld für die Schulen. Dafür demonstrierten Eltern und ihre Kinder vor der Sitzung des Schulausschusses am 1. Juni. (Foto: Regine Sommer-Wetter)

Friedrichshain-Kreuzberg. Spätestens in jedem Frühjahr, wenn die neuen Einschulungszahlen bekannt werden, gibt es Ärger.

Schüler, Lehrer und vor allem Eltern machen gegen immer voller werdenden Schulen mobil. Im vergangenen Jahr war es vor allem die Hunsrück-Grundschule, die sich gegen den Aufbau eines vierten Zugs, also vier ersten Klassen wehrte.

Aktuell kommt erneut von dort, aber auch aus der Nürtingen- oder der Fichtelgebirge-Grundschule Protest. Mehr Schüler bedeute weniger Raum für den Hort oder die Fachbereiche und am Ende für jeden einzelnen. Darunter leide die allgemeine Qualität.

Vorgetragen wurde der Ärger zuletzt im Schulausschuss am 1. Juni in der Fichtelgebirge-Grundschule. Dass die Schülerzahlen steigen, wäre nicht erst seit gestern bekannt. Aber statt Vorsorge zu treffen, seien sogar Schulen geschlossen worden. Zuletzt habe es 2013 den Beschluss gegeben, die e.o-plauen-Schule in der Wrangelstraße vom Netz zu nehmen.

Das Schulamt kontert mit Erhebungen, die vom subjektiven Befinden mancher Eltern einigermaßen abweichen. Ja, in Friedrichshain sei die Situation angespannt, geben auch der verantwortliche Stadtrat Dr. Peter Beckers (SPD) und seine Amtsleiterin Marina Belicke zu. Deshalb seien hier weitere An- und Neubauten geplant. Zum Beispiel für die Spartacus-Grundschule in der Pufendorfatraße oder auf dem Gelände der Emanuel-Lasker-Schule an der Modersohnstraße. Allerdings müssen die erst einmal gebaut sein.

In Kreuzberg gelte das aber längst nicht und schon gar nicht flächendeckend. Die Hunsrück-Schule habe für das kommende Schuljahr lediglich 33 Anmeldungen, sagt Marina Belicke. Schwieriger sei die Situation in der Fichtelgebirge-Schule, wo 80 Erstklässler hinzukommen sollen. Ausgeglichen werden solche Differenzen jetzt möglicherweise durch einen Neuzuschnitt der Einzugsgebiete.

Abgesehen davon bewege sich der Bezirk immer noch im Rahmen des sogenannten Musterraumprogramms des Senats. Das sieht zum Beispiel 24 bis 26 Schüler in einer Klasse vor. Dabei wird von einer durchschnittlichen Zimmergröße zwischen 60 und 65 Quadratmetern ausgegangen. Vorgaben, die viele Eltern für wenig angemessen halten. Zumal es in vielen Räumen inzwischen eine Mehrfachnutzung gebe.

Peter Heckel ist Bezirksschulbeirat und stellvertretender Vorstand des Bezirkselternausschusses, dazu Elternvertreter in der Liebig-Grundschule. Für ihn ist weniger der Bezirk, als vielmehr der Senat für die Probleme verantwortlich. Auch der Schulbereich sei Opfer des Sparzwangs gewesen, was sich auch in der sanierungsbedürftigen Substanz vieler Gebäude ausdrücke. Und noch immer wäre es so, dass zwar der Bau neuer Wohnungen forciert werde, aber zu wenig an die nötige Infrastruktur gedacht werde. Konkret, den Bau von Schulen. Das Land Berlin müsse eine Menge Geld in die Hand nehmen, um diese Defizite abzubauen, fordert nicht nur Heckel.

Die Zukunft der Berliner Schulen war auch Thema bei einem Informationsabend in der Ellen-Key-Schule, auf den Peter Heckel als Leserreporter der Berliner Woche hingewiesen hatte. Zu Gast war unter anderem Rainer Schweppe, Schulstadtrat aus München, der von Erfahrungen in der bayerischen Landeshauptstadt berichtete. Dort gibt es in den kommenden Jahren Erweiterungs- und Neubauten an mehr als 30 Standorten. Verfolgt wird das Konzept der sogenannten Lernhäuser. Es steht zum Beispiel für relativ kleine Einheiten, deren Flächen optimal genutzt werden sollen.

Allein in Friedrichshain-Kreuzberg seien in den vergangenen Jahren rund 90 Millionen Euro für Schulsanierungen aufgewendet worden, meint Peter Beckers, der ebenfalls Gast der Veranstaltung war. Schon deshalb taugt für ihn das Münchener Vorbild nur bedingt. Unbestritten bleibt, dass mehr passieren muss. Die Senatsebene zu mehr Anstrengungen zu bewegen, sei entscheidend, sagt Peter Heckel. Helfen würde dabei vor allem das Engagement vieler Eltern. tf
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