Nicht mit einem Zoo zu verwechseln: Die Biologiestation im Dathe-Gymnasium

Birgit Weidemann zusammen mit Kevin Gatter (rechts) und Lion Ledwig, der ein freiwilliges ökologisches Jahr in der Biologiestation leistet. (Foto: Thomas Frey)
 
Mäuse hinter Glas. Auch die Nager gehören zum Inventar der Biologiestation. Foto: Frey (Foto: Thomas Frey)
Berlin: Dathe-Gymnasium |

Friedrichshain. Auf den ersten Blick machen die Räume den Eindruck einer Tierhandlung. Kaninchen, Hamster, Meerschweinchen, aber auch Fische und sogar eine Königspython finden sich hier.

Sie alle sind im pädagogischen Auftrag unterwegs. Denn diese und weitere Bewohner gehören zur Biologiestation des Dathe-Gymnasiums. Eine besondere Einrichtung, die am 21. September ihren 60. Geburtstag feierte.

Viele Schulen haben heute ihren eigenen kleineren oder größeren Tierpark. Mit der Einrichtung in der Helsingforser Straße sind solche Angebote aber schon wegen ihre Größe kaum zu vergleichen. Dort gibt es rund 500 Zwei- und Vierbeiner aus etwa 50 Arten. Die Biologiestation ist der Vorreiter und das bis heute kaum irgendwo erreichte Vorbild aller späteren Bemühungen um Tierhaltung in den Schulen.

Mit einem Zoo sei diese Einrichtung nicht zu verwechseln, postulierte bereits vor 60 Jahren der Gründer und damalige Lehrer Wolfgang Vogler. Vielmehr stehen die tierischen Mitschüler für einen praktischen Unterricht. So ist es bis heute geblieben. Sich mit einer Art nicht nur in Form von Abbildungen im Buch, sondern auch durch Anfassen und Untersuchen zu beschäftigen, bedeutet bereits einen anderen Zugang.

Dies bezieht sich vor allem auf Besuche anderer Schulklassen oder auch Kitagruppen, die in der Biologiestation ebenfalls möglich sind. Gerade kleine Stadtkinder haben oft nur einen geringen Bezug zur auch heimischen Fauna, hat Birgit Weidemann festgestellt. Zugespitzt ist das etwa die Ansicht, die Milch komme aus dem Supermarkt.

Bei vielen Dathe-Schülern reicht das Beschäftigen mit Kaninchen, Mäusen und Co weit über den normalen Unterrichtstoff hinaus. Sie helfen bei der Pflege mit und es besteht auch die Möglichkeit, Tiere für einige Zeit mit nach Hause zu nehmen. Außerdem spielt die Einrichtung auch in mehreren Fächern eine Rolle, ob nun Biologie, Mathe, Geografie oder wenn es in den Deutschstunden um tierische Lyrik oder Prosa geht.

Um das alles zu ermöglichen, braucht es Freiwillige und Enthusiasten, denen der Bestand und Ausbau besonders am Herzen liegt. Lehrer Vogler bildete hier den Anfang, seit 20 Jahren steht dafür vor allem seine heutige Kollegin Birgit Weidemann. Ein Gespräch mit ihr dreht sich schnell um weitere Ideen, was noch alles gemacht werden könnte und wie der Erhalt für die Zukunft gesichert wird.

In der Vergangenheit gab es viele Aufs und Abs, worauf mehrere Redner bei der Jubiläumsveranstaltung hinwiesen. Sehr schwierig sei die Situation vor allem in den Jahren nach der Wende gewesen. Auch die Geschichte eines Bauarbeiters, der "die Viecher entsorgen" wollte, wurde noch einmal erwähnt.

Demgegenüber stand konkrete Unterstützung. Allen voran seit Beginn vom Tierpark Friedrichsfelde und dessen legendärem Direktor, dem Schul-Namensgeber Heinrich Dathe. Der sei immer ein großer Anhänger der Biologiestation gewesen, unterstrich sein Sohn Falk Dathe noch einmal bei der Feier. Und zum Geburtstag gab es von dort 500 Euro vom Förderverein.

Auch der Bezirk gibt Geld für die Biologiestation und vom Senat wird seit vergangenem Jahr in Person von Kevin Gatter ein Tierpfleger finanziert. Das sei endlich nach fast 60 Jahren erreicht worden, sagt Birgit Weidemann.

Sie und ihre Mitstreiter sind nach den Jubiläumsfeiern schnell wieder mit ganz alltäglichen Fragen beschäftigt. Etwa der, dass noch Futter für die Tiere eingekauft werden muss. tf
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