Volkshochschule soll nach dem Mexikaner Gilberto Bosques benannt werden

Berlin: Volkshochschule Friedrichshain-Kreuzberg |

Friedrichshain-Kreuzberg. Die Volkshochschule soll künftig den Namen von Gilberto Bosques tragen. Das fordert ein Antrag von Grünen und Linken in der BVV, dem inzwischen auch die Piraten zustimmen.

Der mexikanische Diplomat Gilberto Bosques, geboren 1892, kam 1939 als Generalkonsul nach Paris. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in große Teile Frankreichs ein Jahr später gelangte er in derselben Funktion nach Marseille, wo er als Gesandter des mit Nazideutschland kollaborierenden französischen Vichy-Regimes tätig war.

Dort verhalf Bosques mehreren tausend Menschen zur Flucht nach Mexiko. Manchen Quellen zufolge soll er bis zu 40.000 Personen vor dem Zugriff der Gestapo und ihrer französischen Helfer gerettet haben.

Er stellte ihnen Ausreisepapiere, Visa und teilweise auch Schiffspassagen aus. Obwohl dazu eigentlich nicht berechtigt, erteilte er solche Einreiseerlaubnisse auch an Häftlinge in Internierungslagern. Bei Marseille mietete Giberto Bosques zwei Schlösser, in denen Tausende Flüchtlinge bis zu ihrem Reiseantritt untergebracht, versorgt und medizinisch betreut wurden.

Seghers, Kisch und Eisler

Auf diese Weise geschützt und in Sicherheit gebracht wurden nach Südfrankreich geflohene Kämpfer aus dem spanischen Bürgerkrieg, Juden, Antifaschisten, Sozialisten sowie viele Künstler. Zu Letzteren gehörten zum Beispiel die Schriftstellerin Anna Seghers, der Komponist Hanns Eisler oder der Journalist Egon Erwin Kisch.

Als Mexiko 1942 an der Seite der Alliierten in den Krieg gegen Nazideutschland eintrat, wurden Gilberto Bosques und seine Mitarbeiter von der Gestapo verhaftet und in Bad Godesberg interniert. Im Februar 1944 wurden sie gegen deutsche Kriegsgefangene ausgetauscht.

Nach dem Krieg war Gilberto Bosques Botschafter in Portugal, Skandinavien und Kuba. Er trat 1964 aus dem diplomatischen Dienst aus und starb 1995 mit 103 Jahren.

Zu seinen Lebzeiten war der humanitäre Einsatz des "mexikanischen Schindler" weitgehend in Vergessenheit geraten. Erst einige Jahre nach seinem Tod änderte sich das. Zunächst in seiner Heimat, dann in Österreich, wo in der Nähe des UN-Sitzes in Wien eine Promenade nach ihm benannt wurde. Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem ehrte Gilberto Bosques als "Gerechten unter den Völkern". Und die Akademie der Künste in Berlin erinnerte 2013 im Rahmen einer Ausstellung unter dem Titel "Letzte Zuflucht Mexiko" an seine Rettungsaktion.

VHS-Mitarbeiter schlugen Bosques vor

Seither gibt es auch die Forderung, Gilberto Bosques dauerhaft in Berlin zu ehren. Das wird nach Angaben der Antragsteller auch von den Mitarbeitern der Volkshochschule unterstützt, die die Namensgebung vorschlugen.

Darüber soll jetzt in den Ausschüssen für Kultur und Bildung sowie Frauen, Gleichstellung und Queer beraten werden. Letzter kommt vor allem deshalb ins Spiel, weil in Friedrichshain-Kreuzberg ja eigentlich nur Frauen bei Neu- oder Umbenennungen berücksichtigt werden sollen. Bei Gebäuden, beziehungsweise öffentlichen Einrichtungen, hat es hier aber schon einige Ausnahmen gegeben. tf
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