Beleidigt, bedroht, geschlagen: Zahl der Übergriffe gegen Bezirksmitarbeiter steigt

Nicht nur Ordnungsamtsmitarbeiter brauchen ein breites Kreuz. Immer wieder sind Beschäftigte der Verwaltung Angriffen ausgesetzt. (Foto: Thomas Frey)

Friedrichshain-Kreuzberg. Wer in der Bezirksverwaltung arbeitet, wird nicht selten Ziel von verbalen und auch körperlichen Angriffen. Und das mit zunehmender Tendenz.

Das geht aus den Antworten von Bürgermeisterin Monika Herrmann (Bündnis90/Grüne) auf eine Anfrage der SPD-Bezirksverordneten Anita Leese-Hehmke hervor. Demnach hat es 2016 insgesamt 74 solcher „Vorfallsanzeigen“ gegeben. 2015 waren es 52.

Bei 45 Übergriffen handelte es sich im vergangenen Jahr um Beleidigungen und Bedrohungen. 18 Vorfälle liefen unter dem Stichwort „Aggression“. Zwölf Mal wurde psychische und elf Mal körperliche Gewalt registriert. Zumindest die letzte Kategorie besagt: Jemand ist gegen einen Beschäftigten tätlich geworden. Insgesamt ergibt das sogar 86 Delikte. Was bedeutet, dass einige Täter auch mehrfach auffällig geworden sind.

20 Strafanzeigen

Welche Abteilung darunter am meisten zu leiden hat, wird ebenfalls schnell deutlich. Es ist, wenig überraschend, mit 59 Vorfällen das Ordnungsamt. Gerade dort klagen die Mitarbeiter schon lange über zunehmende Gewalt, der sie ausgesetzt sind. Im vergangenen Juli wurde eine Kiezstreife krankenhausreif geschlagen, als der Mann ein in zweiter Reihe geparktes Auto aufschreiben wollte. Er erlitt einen Trommelfellanriss, eine Gehirnerschütterung und sein Arm wurde angebrochen. Aber auch im Amt für Bürgerdienste wurden die Kollegen acht Mal, im Jugendamt fünf Mal und im Sozialamt zwei Mal mit Übergriffen konfrontiert. Rund 20 Attacken mündeten 2016 in eine Strafanzeige oder einen Strafantrag.

Aus ihrer Erfahrung heraus müsste diese Zahl weitaus höher liegen, meint die Bürgermeisterin, die auch bei den Vorfällen noch eine Dunkelziffer vermutet. Häufig würden solche Vorkommnisse nicht gemeldet, etwa weil die Betroffenen der Meinung sind, dass das sowieso nichts bringe außer zusätzlicher Arbeit. Vor allem Führungskräfte seien deshalb angehalten, diese Anzeigen zu tätigen.

Durchgehend passiert das beim Ordnungsamt. Mit dem Ergebnis, dass einige Beschuldigte bereits zu empfindlichen Strafen verurteilt wurden. tf
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