Rückgang und Anstieg: Kriminalitätszahlen können unterschiedlich gelesen werden

Auf Prävention setzt die Polizei nicht nur an der Warschauer Brücke. Piktogramme auf dem Gehweg sollten dort Passanten vor Taschen- oder Fahrraddieben warnen. Beim Start am 27. September sprühte Polizeipräsident Klaus Kandt die ersten Zeichen auf das Pflaster. Allerdings hat der Regen diese Hinweise inzwischen weggespült. (Foto: Thomas Frey)

Friedrichshain-Kreuzberg. Die Situation an den Kriminalitätsschwerpunkten im Bezirk hat sich insgesamt etwas verbessert. Das ist zumindest der erste Eindruck.

Laut Polizeistatistik ist die Zahl der Verbrechen vor allem im Bereich der Warschauer Brücke und im Görlitzer Park zurückgegangen. An der Warschauer Brücke wurden beispielsweise bis Ende November für dieses Jahr 54 Raubtaten registriert. 2015 waren es noch 133. Auch die Zahl der Körperverletzungen hat sich von 133 auf 76 reduziert.

Noch deutlicher ist der Rückgang dieser Delikte im Görli. 34 statt 83 Körperverletzungen und 56 nach zuvor 114 Raubtaten lautet das bisherige Ergebnis.

Aber die Zahlen können unterschiedlich gelesen und interpretiert werden. Das beginnt bereits bei der Frage, wie die aktuelle Größenordnung zu werten ist. Auch bei den Taschendiebstählen. Sie haben sich zwar an der Warschauer Brücke mit bisher 627 Fällen in 2016 mehr als halbiert, trotzdem ist die Zahl immer noch sehr hoch.

Und es gibt einen Zusammenhang zwischen Polizeipräsenz und Straftaten. Gerade am Görlitzer Park wird das deutlich. Das Ausrufen eines "Null-Toleranz-Gebiets" für Drogenbesitz Ende März 2015 mit verstärkter Polizeipräsenz führte dazu, dass dort im vergangenen Jahr 1750 Straftaten im Zusammenhang mit Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz festgestellt wurden. 2016 sind es zuletzt 957. Ein Rückgang, der aber auch darauf zurückzuführen ist, dass die Polizeieinsätze mittlerweile reduziert wurden, weniger Dealer mit Ware im Park erwischt werden und die auch manchmal an andere Orte für ihren Handel ausgewichen sind. Etwa in Richtung Kottbusser Tor, wo sich die Zahl der Drogendelikte mit aktuell 688 mehr als verdoppelt hat. Ebenso liegen Fälle von Raub und Körperverletzung über denen des Vorjahres.

Das Kottbusser Tor war zu Beginn des Jahres ebenfalls ein Schwerpunktgebiet der Polizei. Aber anscheinend nicht durchgehend. Gerade in den vergangenen Monaten hat es dort wieder mehr Gewalttaten gegeben.

Eine ständige Präsenz, auch durch mobile Wachen, statt punktueller Razzien fordert die Bezirkspolitik. Friedrichshain-Kreuzberg plant dazu Anfang 2017 eine Sicherheitskonferenz. tf
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