Ankommen mit Problemen: Matthias Kubusch, "Meine Bühne" und die Friedhofskapelle

Matthias Kubusch im Bühnenraum der Theaterkapelle. (Foto: Thomas Frey)
 
Matthias Kubusch vor dem Gebäude, das "Meine Bühne" jetzt "Alte Kapelle" nennt. (Foto: Thomas Frey)
Berlin: Theaterkapelle |

Der Aufführungsraum in der Theaterkapelle an der Boxhagener Straße sieht nach Baustelle aus. In diesem Fall täusche der Eindruck, erklärt Matthias Kubusch (50). Was hier rumstehe seien vor allem Bühnenrequisiten.

Insgesamt ist es aber so, dass die vorgesehenen Umbauarbeiten im Haus längst nicht abgeschlossen sind, ja noch nicht einmal richtig begonnen haben. Den Probenraum im Keller kann seine Truppe weiterhin nicht nutzen. Sie weicht deshalb auf die Berliner Schule für Schauspiel aus. Das Provisorium erschwere natürlich das Ankommen, sagt der Leiter des Kinder- und Jugendtheaters "Meine Bühne". Auch wenn er selbst inzwischen "mit eineinhalb Beinen" am neuen Standort verankert sei.

"Meine Bühne" ist der heutige Name der ehemaligen "Murkelbühne". Sie wurde 1992 von Matthias und Ramona Kubusch gegründet. Seither bieten sie Theaterworkshops für Kinder und Jugendliche von vier Jahren bis heran ans Erwachsenenalter an. Was dort erarbeitet wird, mündet in die Aufführungen.

Bis vergangenen Sommer war die Spielstätte in Prenzlauer Berg. Weil beim bisher letzten Domizil an der Greifswalder Straße die Miete kaum Raum für finanziellen Spielraum ließ, suchte Matthias Kubusch bereits seit einigen Jahren nach einer Alternative. Und wurde bei der Theaterkapelle fündig.

Wie der Name schon anklingen lässt, war das Gebäude in den vergangenen Jahrzehnten ein Ort für Veranstaltungen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Gemäß seines ursprünglichen Zwecks fanden dort Trauerfeiern für Begräbnisse auf dem sich anschließenden Georgen-Parochial-Friedhof IV statt. Er ist relativ klein, schon deshalb ging seit Langem die Zahl der Bestattungen zurück. Deshalb wird das Haus auch schon lange als Theater bespielt. Allerdings oft mit Unterbrechungen. Zuletzt verließ Ende 2013 der Verein Theaterkapelle das Haus.

Der Eigentümer, der evangelische Friedhofsverband Berlin Stadtmitte, zog danach zwei Konsequenzen. Zum einen finden die Trauerfeiern jetzt in einer Aussegnungshalle auf dem Friedhof statt. Zum anderen wollte er zwar weiter einen Mieter aus dem Bereich des Bühnenspiels, er sollte aber möglichst keinen Anlass für Anstoß bieten. Eine ziemlich passgenaue Vorgabe für Matthias Kubusch und seine Nachwuchsdarsteller. Sie machten 2015 das Rennen und setzten sich dabei vor allem gegen ein Kollektiv aus Kiezkünstlern durch, die vorhatten, die Kapelle zu einer Adresse für die Freunde des Jazz zu machen.

Matthias Kubusch war damals optimistisch, dass der Umzug im Herbst 2016 stattfinden könne. Zuvor würde noch ein Umbau stattfinden, für den Lottomittel akquiriert werden. Die hat die Lottostiftung jetzt in Höhe von 130.000 Euro zugesagt.  Allerdings gab es Differenzen bei den Bauplanungsunterlagen. Die IT-Vorlagen des Bezirks waren mit dem System des Senats nicht kompatibel. Und der zuletzt für November angekündigte Baustart hatte sich erneut als nicht haltbar erwiesen.

"Meine Bühne" hat trotzdem die "Alte Kapelle", wie sie das Haus jetzt nennt, im Herbst in Besitz genommen beziehungsweise die Bereiche, wo das möglich war. Auch die ersten Vorstellungen haben bereits stattgefunden. Etwa im November eine Inszenierung unter dem Titel "Man muss auch mal vergessen können". Sie stellte Texte und Interviews mit der Holocaust-Überlebenden Inge Deutschkron in den Kontext von Aussagen von Nazigrößen, neuen Rechten und deren früheren und heutigen Gegnern. Nicht nur diese Aufführung zeigt, dass es sich bei "Meine Bühne" um mehr handelt, als eine Art Freizeitkollektiv. Die Auseinandersetzung mit schwierigen Themen gehöre ebenso dazu, wie die Möglichkeit für jeden Einzelnen, beim Spiel mehr über sich zu erfahren, was wiederum dann Teil des Ganzen werde. Und was einstudiert wird, werde gemeinsam beschlossen und erarbeitet, erklärt Kubusch.

Rund 80 Kinder und Jugendliche würden derzeit bei den Workshops mitmachen. Inzwischen auch schon viele aus dem neuen Einzugsbereich. "Bei allen Umzügen haben wir festgestellt, dass schnell etwa ein Drittel unserer Teilnehmer aus der näheren Umgebung kommt". Der Rest verteile sich etwa in gleicher Anzahl auf die bisherigen Mitwirkenden aus Prenzlauer Berg sowie der ganzen Stadt. Auch das spricht für das Ankommen. Wenn nur die Umbau-Unwägbarkeiten nicht wären. Aktuell soll es im Februar 2018 so weit sein. Seine Truppe hat auch schon überlegt, was sie zur Eröffnungsfeier aufführen möchte: eine Umzugs-Revue.

"Meine Bühne" befindet sich in der Boxhagener Straße 99, 448 33 54, Website: www.spiel-doch-selber.de.
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