Hilde, Paula und Victoria: Friedrichshain-Kreuzberg war der Schauplatz vieler Filmklassiker

Friedrichshainer Trümmerkulisse als Schauplatz des ersten deutschen Nachkriegsfilms: Hildegard Knef und Ernst Wilhelm Borchert in "Die Mörder sind unter uns" am Andreasplatz. (Foto: DEFA-Stiftung/Eugen Klagemann)
 
Herr Lehmann (Christian Ulmen, rechts) in seinem "Wohnzimmer". Einige der Kneipenszenen für den Film wurden im "Elefanten" am Heinrichplatz gedreht. (Foto: Herr Lehmann, DCM Film Distribution)

Friedrichshain-Kreuzberg. Berlin ist ein beliebter Drehort für nationale und internationale Filme. Das gilt besonders für Friedrichshain-Kreuzberg. Deshalb hier, passend zur diesjährigen Berlinale vom 9. bis 19. Februar, einige Beispiele aus verschiedenen Kinoepochen, in denen der Bezirk eine Rolle spielte.

Berlin – Die Sinfonie der Großstadt (1927): Der legendäre Stummfilm von Walter Ruttmann beschreibt einen Tag in der schon damaligen Metropole an unterschiedlichen Schauplätzen. Am meisten in Erinnerung geblieben ist sein Anfang: Ein Zug nähert sich der Stadt und endet am Anhalter Bahnhof. Von ihm steht heute nur noch die Ruine des Eingangsportals. Wer wissen möchte, wie er einmal ausgesehen hat, erfährt das in dieser frühen Berlindokumentation.

Die Mörder sind unter uns (1946). Der erste Film der kurz zuvor gegründeten Defa und der erste deutsche Nachkriegsfilm. Es geht um Schuld, Trauma und Verbrechen der gerade ein Jahr zurückliegenden Nazizeit. Die weibliche Hauptrolle spielte Hildegard Knef. Das äußere Bild der Situation bieten die Trümmerlandschaften etwa an der Andreasstraße, einem der Drehorte.

Mauerfilme: Die seit dem 13. August 1961 zementiert geteilte Stadt war Thema vieler Produktionen. Ein Jahr nach Mauerbau drehte der 1933 aus Deutschland vertriebene Hollywoodregisseur Robert Siodmak "Escape from East Berlin". Der deutsche Titel hieß "Tunnel 28" und erzählt vom Bau eines solchen Durchgangs unter der Mauer, der 28 Menschen die Flucht vom Ost- in den Westteil ermöglichte. Als Kulisse für die "Hauptstadt der DDR" diente vor allem die Kreuzberger Friesenstraße. Dazu gab es einen Schwenk zur Oberbaumbrücke.

Am 1. August 1982 weilte James Bond, damals verkörpert von Roger Moore, am Checkpoint Charlie. Im 007-Film "Octopussy", der ein Jahr später in die Kinos kam, reist er nach Ost-Berlin, wo eine andere Doppel-Null auf mysteriöse Weise zu Tode gekommen war.

Die Legende von Paul und Paula (1973): Der wohl bekannteste Defa-Film und der Friedrichshain-Film. Die Wohnungen beider Hauptdarsteller sind an der Singerstraße angesiedelt. Paula lebt in einem Altbau, der bald nach den Dreharbeiten abgerissen wurde, Pauls Zuhause befindet sich in einem gegenüber liegenden Hochhaus, das heute noch steht. Der Film beginnt mit der Sprengung einer Gebäudezeile entlang der Straße der Pariser Kommune. Und wem selbst nach diesen Bildern noch nicht klar war, wo die Geschichte spielt, erfährt es spätestens, wenn Paula an der Kasse der Kaufhalle zu singen beginnt: "In Berlin, im schönen Friedrichshainchen..."

Der Himmel über Berlin (1987): Zwei Engel, die meist von oben das Leben in der Stadt betrachten. Wenn sie geerdet werden, dann häufig in Kreuzberg. Etwa auf dem Gelände des Anhalter Bahnhofs. Und das Zirkuszelt, das im Film eine wichtige Rolle spielt, stand auf dem Gelände des heutigen Theodor-Wolff-Parks unweit des Mehringplatzes.

Lola rennt (1998): Lola passiert in diesem Episodenfilm viele Orte bei ihrem Sprint durch die Stadt. Besonders in Erinnerung bleibt aber der Lauf über die Oberbaumbrücke. Er fehlt auch heute noch in keiner Vorschau, wenn der Film im Fernsehen gezeigt wird.

Herr Lehmann (2003): Eigentlich der Kreuzberg-Film, obwohl Teile davon in Köln und Babelsberg entstanden. Herr Lehmann, zunächst als Romanfigur von Sven Regener erschaffen, ist im bis 1989 von mehreren Seiten eingemauerten SO36 zu Hause und bewegt sich dort zwischen der Markthalle an der Eisenbahnstraße, Wrangelstraße und Heinrichplatz, bis sich am 9. November des Jahres nicht nur seine Welt verändert.

Das Leben der Anderen (2006): Der besondere Blick des Regisseurs Florian Henckel von Donnersmarck auf die DDR-Geschichte erhielt den Oscar als bester ausländischer Film. Seine wichtigsten Schauplätze befanden sich in Friedrichshain. An der Wedekindstraße war das Haus, in dem zwei der Hauptfiguren, ein Künstlerpaar, leben. In der Kneipe "Krüger" an der Weserstraße gibt es eine Schlüsselszene, und das Ende spielt auf der Karl-Marx-Allee.

Unknown Identity (2011): Thriller, die ein Geheimnis bergen und das noch angereichert mit Action – für solche Stoffe sehen gerade ausländische Regisseure Berlin gerne als geeignete Kulisse. In "Unknown Identity" fliegt gleich zu Beginn ein Taxi über die Oberbaumbrücke. Auch ein Bewohner am Frankfurter Tor hat eine wichtige Rolle. Manchmal ist die Abfolge der Orte nicht stimmig, aber wer weiß das schon, wenn er das Resultat im Kino sieht?

Victoria (2015): Die Handlung dieses Werks lässt sich dagegen sogar einigermaßen in Echtzeit nachvollziehen. Denn der Film des Regisseurs Sebastian Schlipper wurde ohne Schnitt gedreht, was nicht zuletzt zu seiner Beachtung beigetragen hat. Und er spielt nahezu ausschließlich in der südlichen Friedrichstadt. Erzählt wird von der Begegnung einer Spanierin mit vier Berlinern und ihrem nächtlichen Streifzug, der sich zu einem Kriminaldrama entwickelt. Das alles mit viel Tempo, was als Synonym für das lebendige Berlin gedeutet werden kann – oder hier, das lebendige Kreuzberg. tf
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