Ringkämpfe und tote Soldaten

Politiker und Autor. Zusammen mit weiteren Mitarbeitern hat Sven Heinemann das Buch zum Marktjubiläum verfasst. (Foto: Thomas Frey)
Berlin: Boxhagener Platz |

Friedrichshain. Trotz der Spuren zu den Wühlischs und dem afrikanischen Boxhagen handelt ein Großteil des Buchs natürlich vom Boxhagener Platz und seinem Markt.

Auch da haben die Autoren manches Interessante herausgefunden. Hier einige Beispiele.
Viel mehr Buden: In den 1920er und 30er Jahren boten teilweise bis zu 400 Händler auf dem Boxi ihre Waren an. Die Stände standen in Viererreihen rund um das Karree. Zum Vergleich: Heute sind es an den Markttagen am Sonnabend etwa 100.
Grenzsteine. Damit klar war, wie weit ein Stand gehen darf, wurden schon in den Anfangsjahren kleine Steinquader in das Pflaster gesetzt. Einige von ihnen gibt es noch immer.
Wenn sie erzählen könnten: Einige der Bäume auf dem Boxhagener Platz haben bereits den Beginn des Marktes vor 110 Jahren miterlebt. Sie wurden gesetzt, als die Anlage angelegt wurde.

Auf die Matte: Der Boxi war nicht nur Marktplatz und Grünanlage, sondern Anfang der 30er Jahre auch Schauplatz für Ringkämpfe. Sie wurden damals von dem Weltklasse-Ringer Werner Seelenbinder (1904-1944) organisiert, der in der Glatzer Straße wohnte. In der Nazizeit war Seelenbinder Teil des kommunistischen Widerstands und wurde nach mehrjähriger Haft im Zuchthaus Brandenburg ermordet.
Es gab dort Gräber: Lange war es nur ein Gerücht. Auf dem Boxi sollen bei Kriegsende gefallene Soldaten der Roten Armee begraben worden sein. Recherchen für das Buch haben das bekräftigt. Die Gräber haben sich vermutlich an der Ecke Gärtner- und Grünberger Straße befunden. Nach den aktuellen Erkenntnissen sind die Toten später exhumiert worden.
Eher geringes Angebot: Zu DDR-Zeiten war zwar teilweise an drei Tagen in der Woche Markt. Allerdings ließ das Angebot häufig zu wünschen übrig, was teilweise sogar in den gleichgeschalteten Zeitungen bemängelt wurde. Und was es gab, war häufig sehr schnell ausverkauft. Zudem fanden sich oft nur gut ein Dutzend Händler ein. Neben staatlichen Anbietern konnten dort aber auch Private ihre Waren verkaufen. Für mehr Attraktivität sollten in den 80er Jahren besondere Markttage sorgen. Auch der Flohmarkt auf dem Boxi, den es bis heute jeden Sonntag gibt, hatte damals seine Anfänge.

Alles nachzulesen: Das Buch „Kleine Geschichte des Boxhagener Platzes“ ist 80 Seiten dick und wird voraussichtlich Anfang Juli erscheinen. Es ist dann auf dem Markt an jedem Sonnabend von 9 bis 15.30 Uhr ebenso erhältlich wie im Bürgerbüro von Sven Heinemann in der Grünberger Straße 4. Möglicherweise auch im Buchhandel. Als Preis wird eine Schutzgebühr von wahrscheinlich fünf Euro verlangt. Die Einnahmen sollen gespendet werden.

tf
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