Antje Kapek zur Hauptmann-Schule und ihr Blick auf den Bezirk

In der Reichenberger Straße hat Antje Kapek gemeinsam mit ihrem Fraktionskollegen Dirk Behrendt ein Bürgerbüro eingerichtet. (Foto: Frey)

Friedrichshain-Kreuzberg. Das Interview mit Antje Kapek war schon länger geplant. Es bekam dann eine aktuelle Brisanz. Nicht nur, weil das neue Bürgerbüro der Grünen-Fraktionsvorsitzenden im Berliner Abgeordnetenhaus in der Nähe der Gerhart-Hauptmann-Schule liegt. Mit der Politikerin sprach Berliner Woche-Reporter Thomas Frey

Wie haben Sie die Auseinandersetzungen um die Schule erlebt?

Antje Kapek: Wie alle, die direkt oder mittelbar damit zu tun hatten, als eine Ausnahmesituation. Eine falsche Reaktion hätte Folgen haben können, die sich niemand vorstellen möchte. Deshalb bin ich froh, dass es erst einmal zu der jetzt gefundenen Vereinbarung gekommen ist. So unzureichend sie auch sein mag.

Heftige Kritik gab es am Bezirksamt, das ein konfuses Bild abgegeben hat.

Antje Kapek: Das sehe ich nicht so. Fast alle haben dort an einem Strang gezogen und sich um eine Lösung bemüht. Mit einer Ausnahme.

Sie meinen den Baustadtrat Hans Panhoff?

Antje Kapek: Nein, ich meine die Linken und ihren Sozialstadtrat Knut Mildner-Spindler. Die Partei tut jetzt so, als hätte sie mit allem nichts zu tun und stellte einen Abwahlantrag gegen Hans Panhoff. Für mich ist das ganz schlechter Stil.

Fakt ist aber, dass Stadtrat Panhoff mit seinem Räumungsersuchen an die Polizei einen Alleingang gestartet hat.

Antje Kapek: Er hat das gemacht und die Verantwortung übernommen, weil die Situation völlig verfahren war. Da lag das Ultimatum des Polizeipräsidenten auf dem Tisch mit der Konsequenz, dass die Einsatzkräfte abgezogen werden. Panhoffs Schritt hat dazu geführt, dass wieder Verhandlungen in Gang gekommen sind und niemandem etwas passiert ist.

Sie stehen also hinter dem Vorgehen des Stadtrats?

Antje Kapek: Ja. Das habe ich sehr schnell deutlich gemacht.

Nicht überall bei den Grünen gab es diese Unterstützung.

Antje Kapek: Andere Vertreter, sowohl aus dem Bezirk, als auch im Landesverband, haben sich ähnlich geäußert. Aber natürlich war das gerade für uns eine schwierige Situation. Die Polizei als letztes Mittel auch zu einer Räumung zu veranlassen ist unseren Anhängern schwer vermittelbar. Dabei war deutlich, dass auch die Einsatzkräfte diese Eskalation möglichst vermeiden wollten. Für alle waren diese Tage ein Lernprozess. Und wir müssen auch jetzt noch viel erklären.

Als Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus haben Sie jetzt eher den Blick von außen auf Friedrichshain-Kreuzberg. Was fällt Ihnen dabei auf?

Antje Kapek: Es gibt hier einiges, was für die ganze Stadt als Vorbild dienen kann, gerade im Bereich der Stadtentwicklung. Bei manchen Themen würde ich aber etwas anders agieren, als meine Parteifreunde im Bezirk. Etwa bei der Diskussion um eine künftige Bebauung eines Teils des RAW-Geländes. Statt sich hier total dagegen zu stellen, wäre ich eher für einen Kompromiss zwischen Wohnquartier und Flächen für Clubs und Kultureinrichtungen. Auch von einem Coffeeshop im Görlitzer Park halte ich nichts. Ich sehe nicht, wie der an der jetzigen Situation etwas ändern würde.

Beim Görli haben sie sich im Frühjahr auch persönlich in die Debatte eingemischt.

Antje Kapek: Zunächst vor allem als Anwohnerin und Mutter. Die Kinder, die dort die Drogenkügelchen auf dem Spielplatz gefunden haben, gehen in die gleiche Kita wie mein Sohn. Spätestens nach diesem Vorfall war für mich eine Grenze überschritten.

Trotz Patrouillen von Polizei und Ordnungsamt hat sich im Park wenig geändert.

Antje Kapek: Was zeigt, dass die Drogenprobleme nicht von einem Bezirk allein zu lösen sind. Ich plädiere dafür, sie in einer übergreifenden Runde anzugehen. Denn sie betreffen außer Friedrichshain-Kreuzberg auch Neukölln oder Mitte. Und wenn man den Drogenhandel schon nicht verhindern kann, sollte man sich überlegen, dafür irgendwo abseits eines Wohngebiets einen Platz einzurichten. Ich gebe zu, diese Idee ist noch nicht völlig durchdacht. Aber sie wäre vielleicht eine Möglichkeit.


Thomas Frey / tf
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