Ende einer Ära: Hans-Christian Ströbele verzichtet auf Bundestagskandidatur

Hans-Christian Ströbele im Bundestagswahlkampf 2013. Es war der letzte in eigener Sache. (Foto: Thomas Frey)

Friedrichshain-Kreuzberg. Die Aussage kam gleich am Anfang seiner Rede. Er werde bei der Bundestagswahl 2017 nicht mehr antreten, sagte Hans-Christian Ströbele.

Seine Erklärung gab der 77-Jährige am 13. Dezember vor der Grünen Bezirksgruppe in Friedrichshain-Kreuzberg ab. "Mir sind von jetzt an gerechnet fünf weitere Jahre einfach zu viel."

Mit dem Verzicht von Hans-Christian Ströbele endet eine Ära. Vier Mal hat er seit 2002 das Direktmandat für den Bundestag im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg/Prenzlauer Berg-Ost gewonnen. Außer ihm ist das bisher keinem Grünen in Deutschland gelungen. Maßgeblich zu seinem Erfolg beigetragen hat die Aura als Kämpfer gegen das, wenn es sein musste, auch eigene Parteiestablishment.

Beim ersten Anlauf vor 14 Jahren wurde ihm ein sicherer Platz auf der Landesliste verweigert. Ströbele begab sich in einen eigentlich als aussichtslos eingeschätzten Kampf und gewann. Seither verzichtete er von sich aus auf die Listenabsicherung.

Auch andere Zutaten gehörten zu seinem Nimbus und verfestigten ihn. Das Fahrrad, mit dem er normalerweise unterwegs war. Der Beobachter bei nahezu jeder Demonstration. Der Mann, der immer wieder durch spektakuläre Aktionen auf sich aufmerksam machte. Wie mit sein Treffen mit dem amerikanischen Whistleblower Edward Snowdon in Moskau.

Ein bewegtes Leben

Hans-Christian Ströbele hatte bereits vor seiner Zeit in der Politik ein bewegtes Leben hinter sich. Er war Beobachter und Akteur der 68er-Bewegung, später Anwalt von Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF) und Mitbegründer der Tageszeitung "taz". Das und noch mehr ist in der in diesem Jahr erschienenen Biografie des Journalisten Stefan Reinecke nachzulesen.

Zuletzt war bereits auch deshalb über eine erneute Kandidatur dieses besonderen Elder Statesman spekuliert worden, weil er dann als möglicher Alterspräsident die Einführungsrede im neuen Bundestag hätte halten können. Ein gewünschter Nebeneffekt dabei: Dadurch würde verhindert, dass eventuell dem zwei Jahre jüngeren AfD-Abgeordneten Alexander Gauland bei einem Einzug seiner Partei ins Parlament diese Ehre zuteil wird. Davon mache er seine Entscheidung nicht allein abhängig, hatte Ströbele bereits im Vorfeld erklärt. Sein Abgang solle auch keinesfalls als möglicher Ausdruck geringerer Grüner-Chancen bei der kommenden Bundestagswahl aufgefasst werden, betonte der bisherige Abgeordnete ebenfalls. Im Gegenteil. Er werde seinen Teil dazu beitragen, dass auch sei Nachfolger (oder Nachfolgerin) Erfolg habe. "Ich bin nicht aus der Welt."

Ströbele verkünde den Verzicht ganz bewusst vor der Bezirksgruppe Friedrichshain-Kreuzberg. Deren Votum und Unterstützung sei ihm immer wichtige gewesen als Entscheidungen auf Landes- oder Bundesebene. tf
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