Euphorie ohne Friede, Freude, Eierkuchen: Bürgermeisterin Monika Herrmanns Bestandsaufnahme

Monika Herrmann ist seit 2013 Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg. Am 15. Dezember wurde sie für fünf weitere Jahre in dieses Amt gewählt.

Friedrichshain-Kreuzberg. 2016 war für Monika Herrmann (Bündnis90/Grüne) schon wegen ihrer Wiederwahl zur Bürgermeisterin ein erfolgreiches Jahr. Auch die Zukunft sieht sie optimistisch. Was mögliche Konflikte aber nicht ausschließt, wie beim Interview mit Berliner Woche-Reporter Thomas Frey deutlich wird.

Bei Ihrer "Bewerbungsrede" vor der Wiederwahl zur Bürgermeisterin sind Sie über die neuen Rot-Rot-Grünen beziehungsweise Grün-Rot-Roten Bündnisse auf Landes- und Bezirksebene geradezu ins Schwärmen gekommen. Wie begründen Sie diese Euphorie?

Monika Hermann: Ich war bei den Senatsverhandlungen Mitglied der Grünen-Delegation. Ich finde, dass wir dort ziemlich gute Ergebnisse erzielt haben. Das gilt sowohl aus der Sicht meiner Partei, als auch insgesamt. Möglich war das nach meiner Meinung nur in dieser Dreierkonstellation. Und weil die, wenn auch in anderen Stärkeverhältnissen, in Friedrichshain-Kreuzberg ebenfalls agiert, erhoffe ich mir jetzt mehr gemeinsames Handeln und weniger Reibungsverluste.

Woran machen Sie das fest?

Monika Hermann: Zum Beispiel beim Thema Sicherheit. Wir fordern schon lange ein anderes Polizeikonzept für manche Problembereiche im Bezirk. Ich setze darauf, dass hier mit dem neuen Innensenator Andreas Geisel (SPD) mehr zu bewerkstelligen ist als mit seinem Vorgänger.

Gleiches gilt für den gesamten Bereich Bauen, Wohnen, Mieten. Aufgehängt an Stichworten wie Vorkaufsrecht oder Milieuschutz. Wobei ich hier schon mal gespannt bin, wie sich die neue Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) zu den Bauvorbereitungen der WBM in der Krautstraße verhält.

Das heißt, die Flitterwochen müssen nicht ewig anhalten...

Monika Hermann: Mir geht es nicht um Friede, Freude, Eierkuchen, sondern um den Bezirk. Und wenn ich da andere Interessen sehe als auf Landesebene, werde ich das auch weiterhin deutlich machen.

Wo setzen Sie die Schwerpunkte in Friedrichshain-Kreuzberg?

Monika Hermann: Wir haben da ja einiges aufgeschrieben – von einer anders organisierten Bürgerbeteiligung bis zum Ausweiten der Fahrradinfrastruktur, ganz konkret einen Radschnellweg auf dem Mittelstreifen entlang der Gneisenau- und Yorckstraße, der, so mein Ziel, bis 2021 fertig sein soll. Dann ist mir persönlich das Thema Familie wichtig. Auch wenn das eher als langweilig eingeschätzt wird...

...aber viele Menschen betrifft.

Monika Hermann: Noch weniger sexy ist alles, was mit Verwaltungsmodernisierung zu tun hat. Etwa in Sachen IT. Wenn beim Anlegen von Fachverfahren die Computer immer wieder abstürzen und die Arbeit neu begonnen werden muss, ist das nicht unbedingt effektiv.

Und was erwarten Sie von der Zusammenarbeit auf Bezirksebene?

Monika Hermann: Auch da wird es natürlich unterschiedliche Auffassungen geben. Vor allem die Linken ziehen aus ihrem Wahlergebnis nach meiner Einschätzung gerade etwas zu hohe Ansprüche. Und die Abmachung, dass sich die Fraktionen jenseits der gemeinsam formulierten Vorhaben eigene Mehrheiten für ihre wichtige Anliegen suchen können, gilt natürlich für alle.

Noch einige Namen und Stichworte mit der Bitte um eine jeweils kurze Antwort: Frank Henkel (CDU, ehemaliger Innensenator und Lieblingskontrahent)

Monika Hermann: Tragische Figur.

Hans Panhoff (bisheriger Grüner Baustadtrat in Friedrichshain-Kreuzberg

Monika Hermann: Ehrliche Haut.

Michael Müller (SPD, Regierender Bürgermeister)

Monika Hermann: Braucht mehr Muskeln.

Rigaer Straße

Monika Hermann: Offenes Feld für das Thema Stadtentwicklung von unten.

Touristen contra Anwohner

Monika Hermann: Eine große Aufgabe, die wir hoffentlich mit guten Konzepten lösen können.

Liberalisierung von Cannabis

Monika Hermann: Jetzt kommt es darauf an.

Das neue Bezirksamt

Monika Hermann: Eine gute Truppe.

Sie sind Twitter-Fan. Deshalb zum Schluss drei Posts, die Sie in den kommenden Monaten oder Jahren gerne verschicken würden.

Monika Hermann: R2G (steht für Rot-Rot-Grün) läuft. Turnhallen leer. Menschen gut untergebracht. Habe ein weiteres Familienzentrum eröffnet.
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2 Kommentare
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Ralf Rohrlach aus Friedrichshain | 08.01.2017 | 10:40  
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Waltraud Both aus Kreuzberg | 09.01.2017 | 18:18  
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