Hier gehen die Uhren anders: Der Bezirk wählte links und zeigte Widerstand gegen rechtsaußen

Canan Bayram zieht wie ihr Vorgänger Hans-Christian Ströbele als Direktkandidatin in den Bundestag. (Foto: Thomas Frey)

Friedrichshain-Kreuzberg. Die Bundestagswahl hat für einige Veränderungen gesorgt. Die gab es auch im Wahlkreis 83, Friedrichshain-Kreuzberg Prenzlauer Berg Ost. Allerdings etwas anders, als sonst in der Republik.

Die Linken legten hier überdurchschnittlich zu und landeten bei den Zweitstimmen klar auf Platz eins. Ihr Kandidat Pascal Meiser verfehlte aber knapp den Sieg im Wahlkreis. Der ging an Canan Bayram (Bündnis90/Grüne). Sie ist damit, wie ihr Vorgänger Hans-Christian Ströbele, die einzige Grüne, die per Direktmandat im Bundestag sitzt. Allerdings lag ihr Ergebnis um mehr als 13 Prozentpunkte unter dem von Ströbele im Jahr 2013.

Gewinne und Verluste insgesamt. Für die Linken gab es gegenüber der Bundestagswahl vor vier Jahren ein Plus von 3,5 Prozentpunkten bei den Zweit- und sogar 7,7 bei den Erststimmen. Das Zweitstimmenergebnis der Grünen lag in etwa auf dem Niveau von 2013 (minus 0,3 Prozentpunkte). Herbe Verluste, nämlich über acht Prozentpunkte, musste hier die SPD hinnehmen , bei den Erststimmen fiel der Rückgang mit etwas mehr als einem Prozentpunkt deutlich geringer aus. Die CDU verlor jeweils 1,5 Prozentpunkte. Einen Zweitstimmenzuwachs von 3,7 Prozentpunkten verbuchte die FDP.

Gegen den Trend. Der Einzug der AfD in den Bundestag und das als drittstärkste Fraktion war das signifikanteste Ergebnis der Wahl. Im Wahlkreis 83 spielt diese Partei dagegen, von einigen Ausreißern in manchen Gebieten abgesehen, weiter kaum eine Rolle. Noch mehr gilt das allein Friedrichshain-Kreuzberg. Hier kam sie nur auf 5,4 Prozent der Zweitstimmen.

Auch bei anderen Parteien unterscheidet sich das Ergebnis etwas, wenn man die Wahlbezirke in Prenzlauer Berg Ost herausnimmt. Nur auf den Bezirk berechnet hätten Linke und Grüne bei den Zweitstimmen noch ein wenig besser abgeschnitten. CDU und FDP etwas schlechter. Für die SPD ergab sich keine Differenz.

Reaktionen. Leider habe es für das Direktmandat dieses Mal sehr knapp nicht gereicht, schrieb Pascal Meiser, der gleichzeitig den Stimmenzuwachs für sich und die Linkspartei herausstrich. Meiser zieht, ebenso wie die SPD-Kandidatin Cansel Kiziltepe über die Landesliste in den Bundestag ein. Zuvorderst werde er aber seinem Wahlkreis verpflichtet bleiben, versprach er.

Ähnlich klang das bei Canan Bayram, die, nach einer Zitterpartie als Siegerin durchs Ziel ging. Dass dieser Vertrauensbeweis und weniger die Parteidisziplin innerhalb der Grünen die oberste Priorität hat, machte sie nach ihrer Wahl noch einmal deutlich. Sie werde sich konstruktiv und streitbar für Mieterschutz und ein Ende der Spekulation mit Wohnraum, eine menschenwürdige Sozialpolitik, Freiheits- und Bürgerrechte und die ökologische Verkehrswende einsetzen. Wie schon während des Wahlkampfs unterstrich sie, dass sie von einer Regierungsbeteiligung der Grünen mit CDU/CSU und FDP in einer sogenannten Jamaika-Koalition nichts halte. tf
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