In den Startlöchern: Wer will in den Bundestag?

Pascal Meiser (links, hier zusammen mit Stadtrat Knut Mildner-Spindler) kämpft für die Linken bei der Bundestagswahl um das Direktmandat. (Foto: Frey)
 
Halina Wawzyniak saß acht Jahre im Bundestag. Dass für ihren Verzicht nicht nur persönliche und gesundheitliche Gründe ausschlaggebend waren, klingt in ihrer mit "Ein Ende und ein Anfang" betitelten Erklärung noch einmal an. (Foto: Frey)

Friedrichshain-Kreuzberg. Am 24. September wird ein neuer Bundestag gewählt. In diesen Wochen bestimmen die Parteien ihre Kandidaten. Auch für den Wahlkreis 83, zu dem neben Friedrichshain-Kreuzberg auch Prenzlauer Berg-Ost gehört. Bei den meisten sind die Namen inzwischen bekannt, noch nicht entschieden haben die Grünen, deren bisheriger Abgeordneter Hans-Christian Ströbele vier Mal direkt in den Bundestag gewählt wurde. Hier eine Übersicht der aktuellen Kandidaten.

Wechsel bei den Linken

Die Linkspartei geht mit einem neuen Bewerber in den Wahlkampf um das Direktmandat für den Bundestag im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg/Prenzlauer Berg Ost. Für sie soll der Bezirksvorsitzende Pascal Meiser kandidieren. Der 41-Jährige folgt auf Halina Wawzyniak, die nach zwei Wahlperioden nicht mehr antritt. Die Kür des Kandidaten wird bei einer Mitgliederversammlung der Genossen am 3. März stattfinden.

Wawzyniak verzichte aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen, heißt es. Das klingt auch in einer längeren Erklärung der bisherigen Abgeordneten an, die sie Anfang Februar auf ihrer Website veröffentlichte. Dort ist allerdings auch die Rede von frustrierenden Erfahrungen, wenn eigene Anträge schon deshalb abgelehnt werden, weil sie von der Opposition kommen. Doch es geht nicht nur um die Auseinandersetzungen mit den politischen Mitbewerbern. Zitat: "Als ich mit anderen zusammen in einem internen Papier der Partei, die sich im weitesten Sinne mit Personalpolitik befasste, unter dem Begriff "Resterampe" subsummiert wurde, war das ein Tiefpunkt für mich persönlich." Gemeint ist damit jenes im Sommer 2014 öffentlich gewordene Pamphlet, das bei den Linken kursierte und in dem Wawzyniak und andere anscheinend missliebige Genossen auch als "personelle No-Go's" bezeichnet wurden. Wie sehr sie das getroffen hat, wird in dem Online-Statement deutlich. "All das hat Auswirkungen auf die eigene politische Arbeit, ebenso wie auf die eigene Gesundheit".

Ihr Nachfolger als Bundestagskandidat betont dagegen die offizielle Begründung für den Ausstieg seiner Vorgängerin. Außerdem hätten sich die damaligen Querelen nicht auf der Bezirks-, sondern der Bundesebene abgespielt. "Halina Wawzyniak hat als Abgeordnete großes Engagement gezeigt. Gerade auch bei Menschen und Themen, um die sich sonst kaum jemand gekümmert hat", lobt Pascal Meiser.

Vor allem geht sein Blick aber nach vorne. Denn nachdem der bisherige Grüne-Direktkandidat Hans-Christian Ströbele ebenfalls auf eine erneute Bewerbung verzichtet, wittern die Linken Morgenluft und rechnen sich Chancen aus, den Wahlkreis direkt zu gewinnen. Das werde zwar kein Selbstläufer, sei aber auch nicht utopisch, meint Meiser. "Bei der Bundestagswahl 2013 lagen wir schon bei den Zweitstimmen vorne." Ströbele sei wohl von vielen Leuten nicht "deshalb gewählt worden, weil er ein Grüner ist, sondern obwohl".

In Ströbeles Fußstapfen

Bei den meisten Parteien ist die Frage der Bundestagskandidaten inzwischen geklärt. Nicht so bei den Grünen. Die wollen voraussichtlich im März ihre Bewerberin oder ihren Bewerber auswählen. Einige Namen kursieren zwar inzwischen, aber öffentlich äußern möchte sich niemand. Schon gar nicht die Personen, die dafür ins Spiel gebracht werden. Etwa das bisherige Abgeordnetenhausmitglied Canan Bayram. "Derzeit kein Kommentar", lautet ihre Antwort auf eine entsprechende Frage der Berliner Woche. Im Übrigen liege die Entscheidung bei den Mitgliedern, die darüber zu befinden hätten.

Bayram wie auch andere kolportiere Kandidaten passen immerhin in das Profil, das ein anderer Parteifreund formuliert hat. "Nach meinem Gefühl wird das jemand, der aktuell schon im Landesparlament sitzt."

Warum die Kür bei der Bündnispartei länger dauert als bei fast allen anderen, liegt wahrscheinlich auch an der Aufgabe, denn wer antritt, tritt in große Fußstapfen. Er oder sie muss sich an Vorgänger Hans-Christian Ströbele messen lassen. Ströbele wurde seit 2002 vier Mal direkt in den Bundestag gewählt. 2013 holte er fast die Hälfte aller abgegebenen Erststimmen. Der heute 77-Jährige war gleichzeitig bundesweit der einzige Grüne, der bisher einen Wahlkreis für sich entscheiden konnte. Wie berichtet, tritt er aus Altersgründen nicht mehr an.

Mit dem Abgang des Altmeisters sehen manche politischen Konkurrenten die Karten neu gemischt und hoffen, im Kampf um das Direktmandat eingreifen zu können. Wer das bei den Grünen mit den besten Chancen verhindern kann, das ist wahrscheinlich gerade die Frage bei den anscheinend noch nicht abgeschlossenen Planspielen.

Kabarettist als Kandidat

Bereits entschieden ist die Frage der Bundestagskandidatur bei SPD und CDU. Für die Sozialdemokraten tritt erneut Cansel Kiziltepe als Erststimmenbewerberin an. Sie ist seit 2013 Mitglied des Parlaments.

Die CDU kürte Timur Husein, derzeit Fraktionsvorsitzender der Union in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Friedrichshain-Kreuzberg, zu ihrem Bewerber.

Für die Satireformation "Die Partei" soll der Kabarettist Serdar Somuncu ins Rennen gehen. Somuncu, unter anderem bekannt durch die "heute show", will es auch nicht beim Kampf um das Direktmandat belassen und am liebsten gleich Bundeskanzler werden. Natürlich ist das völlig ernst gemeint. tf
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