Ratten sind im ganzen Bezirk ein großes Problem

Lebensmittelfrevel, über den sich nur die Ratten freuen. Die weggeworfenen Backwaren liegen auf dem Spielplatz am Mehringplatz. (Foto: Adalbert Klees)

Friedrichshain-Kreuzberg. Platzgärtner Heinrich Fust sieht sich einem aussichtslosen Kampf gegenüber. "Jeden Morgen entdecke ich neue Spuren. Löcher in den Beeten oder frischen Kot."

Heinrich Fust und die Bewohner am Mehringplatz sind mit einem Problem konfrontiert, das nicht nur dort außer Kontrolle zu geraten scheint: die Ratten. "Wenn das so weitergeht, müssen wir uns demnächst nicht über Typhusfälle wundern", schimpfte vor Kurzem eine Frau bei einer Bürgerversammlung.

Bestätigt wird die Rattenplage von Adalbert Klees, dem Technischen Leiter des Grünflächenamts. "Es gibt kaum einen Park im Bezirk, der nicht davon betroffen ist." Für große Anlagen wie den Volkspark Friedrichshain oder den Görlitzer Park gelte das ebenso wie für kleine Freiflächen und selbst für Spielplätze. Hier mussten einige bereits teilweise gesperrt werden.

Auf dem Spielplatz am Mehringplatz hat Klees ein Foto gemacht, das sehr gut die Ursache der Nagerinvasion zeigt: weggeworfene Lebensmittel und Speisereste. In diesem Extremfall waren es kiloweise Backwaren, die wahrscheinlich mit Vorsatz abgekippt wurden. Ein gefundenes Fressen für Ratten.

Um sie loszuwerden, brauche es deshalb zunächst eine andere Einstellung zum Essen, meint Adalbert Klees. "Essen wirft man nicht weg. Eigentlich ist es eine Binsenweisheit, die aber leider immer weniger gilt." Und wer seine Mahlzeit nicht schafft, sollte sie zumindest in einem Papierkorb entsorgen.

Manche Anwohner am Mehringplatz sehen vor allem die Touristen als Auslöser für ihre Rattenplage. Die würden sich in Schnellrestaurants eindecken und die Reste einfach irgendwo liegen lassen. Man sollte deshalb die Gaststätten und Imbisse verpflichten, dass sie den Unrat zurücknehmen. Ein Vorschlag, der sich aber wahrscheinlich nicht umsetzen lässt.

Der Bezirk geht mit klassischen Maßnahmen wie Fallen oder Gift gegen die Ratten vor. Adalbert Klees widerspricht deshalb auch der Ansicht mancher Bürger, das Problem sei bei der Verwaltung noch nicht angekommen. "Ratten und Hunde sind derzeit unsere beiden großen Themen", so Klees. Wobei das gemeinsame Nennen bieder Tiere vielleicht etwas unglücklich war. Denn bei der Veranstaltung am Mehringplatz teilte eine Frau unter Beifall mit, dass ihr Hund täglich eine Ratte verspeist.

Der Hunger des Vierbeiners ist aber ebenso nur ein Tropfen auf den Stein, wie der Einsatz von Heinrich Fust. Der legt sich inzwischen manchmal schon früh am Tag auf die Lauer, um wenigstens die eine oder andere Ratte zu erwischen.


Thomas Frey / tf
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Maggie Boe aus Kreuzberg | 24.03.2015 | 16:11  
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